Apidya' Special – Review
Ein Kultklassiker fliegt zurück
Es gibt Shoot 'em Ups, die sich über die Jahrzehnte einen fast schon mythischen Ruf erarbeitet haben, ohne dass sie außerhalb ihrer treuen Fangemeinde jemals die verdiente Aufmerksamkeit bekamen. Apidya gehört zweifellos zu diesen Titeln. 1992 exklusiv für den Amiga veröffentlicht, entwickelte sich das insektenthematische Ballerspiel schnell zu einem der bestgehüteten Geheimnisse der europäischen Heimcomputer-Szene. Mit Apidya' Special bringt ININ Games gemeinsam mit Team Apidya diesen Klassiker nun, pünktlich 33 Jahre nach dem Original, auf die PS5 – und das nicht als lieblos hingerotzte Emulation, sondern als vollständig von Grund auf neu gebautes Remake.
Handgemachte Pixel statt künstlicher Aufhübschung
Was Apidya' Special von vielen anderen Retro-Wiederbelebungen der letzten Jahre unterscheidet, ist der konsequente Verzicht auf modische Abkürzungen. Kein KI-gestütztes Upscaling, keine 3D-Modelle, die sich hinter einem Retro-Filter verstecken – stattdessen echte, von Hand gezeichnete 24-Bit-Pixelgrafik, die auf ursprünglich für eine nie erschienene Konsolenfassung entwickelten Assets aufbaut. Diese Grafiken, kombiniert mit komplett neuer Pixelkunst, zusätzlichen originalgetreuen Soundeffekten und überarbeiteter Musik, ergeben ein Bild, das gleichzeitig vertraut und spürbar aufgewertet wirkt. Besonders charmant ist die Möglichkeit, jederzeit zwischen zwei visuellen Modi zu wechseln: Wer die volle HD-Breitbilddarstellung mit neuen Parallax-Effekten bevorzugt, bekommt ein modernes Spielerlebnis, während sich Puristen für den originalgetreuen 4:3-Modus entscheiden können, der Optik, Spielgefühl und Klang von 1992 fast eins zu eins nachbildet. Wer zusätzlich noch etwas CRT-Nostalgie möchte, kann optionale Röhrenbildschirm-Shader, Bloom-Effekte und Scanline-Simulationen zuschalten und so das Flair eines alten Röhrenfernsehers auf den heutigen Fernseher zaubern.
Insektenwelt statt Weltraumkulisse
Statt der üblichen Science-Fiction-Kulisse, die das Genre seit jeher dominiert, entführt Apidya' Special seine Spieler in eine biologisch geprägte Fantasiewelt, in der eine Biene durch fünf thematisch unterschiedliche Areale fliegt – von der Wiese über den Teich und die Kanalisation bis hin zu einer futuristischen Cyber-Zone und einem finalen Bau. Diese Vielfalt an Schauplätzen sorgt für ein angenehm abwechslungsreiches Spielgefühl, das sich deutlich von der eintönigen Weltraumästhetik vieler Genrekollegen abhebt. Jedes der Areale bringt eigene Gegnertypen, Umgebungsgefahren und natürlich einen fordernden Bossgegner mit, sodass die insektenthematische Grundidee nie zum reinen Gimmick verkommt, sondern sich konsequent durch das gesamte Spieldesign zieht.
Neu im Vergleich zum Original ist der kooperative Zweispielermodus. Ein zweiter Mitspieler kann nun eine vollwertige, eigenständig bewaffnete Biene übernehmen und gemeinsam mit dem ersten Spieler durch die Kampagne fliegen. Für ein Genre, das traditionell eher auf Einzelspielererfahrungen setzt, ist das eine willkommene Erweiterung, die dem Spiel eine zusätzliche soziale Komponente verleiht, ohne die ursprüngliche Herausforderung zu verwässern.
Zugänglich für Neueinsteiger, fordernd für Veteranen
Klassische Shoot 'em Ups aus der 16-Bit-Ära galten oft als gnadenlos schwer, und auch Apidya war zu seiner Zeit kein Spaziergang. Team Apidya begegnet diesem Umstand mit modernisierten Schwierigkeitsoptionen, die es erlauben, den Gesamtschwierigkeitsgrad über voreingestellte Stufen anzupassen. Damit öffnet sich das Spiel auch für Spieler, die mit der kompromisslosen Härte des Originals wenig anfangen können, während erfahrene Genrekenner weiterhin die volle, ungebremste Herausforderung erleben können. Ergänzt wird das Ganze durch Komfortfunktionen wie individuell einstellbare Lautstärkeregler und eine alternative Tastenbelegung, die zumindest eine grundlegende Anpassung der Steuerung erlaubt. Auf der PS5 unterstützt Apidya' Special zudem die Vibrationsfunktion des DualSense-Controllers, was dem Bienenflug durch die fünf Welten eine zusätzliche haptische Ebene verleiht.
Ein Soundtrack als eigenständiges Ereignis
Kaum ein Name steht so sehr für die goldene Ära der Amiga-Spielemusik wie Chris Hülsbeck, und sein Beitrag zu Apidya' Special ist mehr als nur eine Randnotiz. Der legendäre Komponist hat für das Remake einen exklusiven, komplett neu arrangierten Soundtrack geschaffen, der bislang in keiner anderen Form veröffentlicht wurde. In der physischen Special Edition liegt diese musikalische Reise sogar auf zwei CDs bei, die sowohl die Original- als auch die neuen Studioversionen des Soundtracks sowie die originalen Amiga-Aufnahmen enthalten, die einst maßgeblich zum legendären Klang des Spiels beitrugen. Für Sammler und Musikliebhaber dürfte allein dieser Umstand ein starkes Argument für die physische Fassung sein.
Fazit
Apidya' Special ist ein Musterbeispiel dafür, wie man ein fast vergessenes Kleinod der Heimcomputer-Ära mit spürbarem Respekt und handwerklicher Sorgfalt in die Gegenwart überführt. Statt auf billige Abkürzungen zu setzen, hat Team Apidya ein Spiel von Grund auf neu gebaut, das sowohl Veteranen mit seiner originalgetreuen Härte als auch Neueinsteigern mit modernisierten Zugänglichkeitsoptionen etwas zu bieten hat. Die handgezeichnete Pixelgrafik, der neu interpretierte Hülsbeck-Soundtrack und der frisch hinzugefügte Koop-Modus machen aus einem 33 Jahre alten Kultspiel ein Remake, das seinen Ursprung mit sichtbarer Leidenschaft ehrt, ohne dabei museal zu wirken. Wer klassische Shoot 'em Ups schätzt oder einfach neugierig auf eines der ungewöhnlichsten Genre-Kapitel der Amiga-Ära ist, sollte der Biene aus Apidya' Special definitiv eine Chance geben.