In the Grey – Blu-ray-Kritik zum Leonine-Release des Guy-Ritchie-Thrillers
Mit „In the Grey" liefert Regisseur Guy Ritchie einen weiteren Beitrag zu seiner mittlerweile fest etablierten Riege stargespickter Actionthriller ab, die er in den vergangenen Jahren nahezu im Jahrestakt produziert hat. Nach Projekten wie „The Covenant" und „The Ministry of Ungentlemanly Warfare" versammelt er erneut ein Ensemble aus Hollywood-Schwergewichten um sich und schickt sie auf eine international angelegte Mission zwischen Grauzonen der Legalität, Geld und Gewalt. Leonine bringt den Film nun auf Blu-ray in die deutschen Wohnzimmer.
Eine Anwältin, ein Milliardenbetrug und viele Grautöne
Im Zentrum der Handlung steht Rachel, gespielt von Eiza González, eine gewiefte Anwältin, die sich darauf spezialisiert hat, Schulden für zahlungskräftige Klienten einzutreiben – notfalls auch mit Methoden, die sich abseits der klassischen Gerichtssäle abspielen. Als die Investmentbankerin Bobby Sheen, verkörpert von Rosamund Pike, sie beauftragt, eine Milliarde Dollar von dem skrupellosen Despoten Manny Salazar zurückzuholen, den Carlos Bardem als kaltblütigen Gegenspieler anlegt, gerät die Angelegenheit rasch außer Kontrolle. Was als kalkulierter Coup beginnt, entwickelt sich auf einer streng bewachten Privatinsel zu einem eskalierenden Kräftemessen aus Strategie, Täuschung und blanker Gewalt.
Getragen wird die eigentliche Drecksarbeit von den beiden Field Agents Sid und Bronco, gespielt von Henry Cavill und Jake Gyllenhaal, die ebenso versiert im Umgang mit automatischen Waffen und Sprengstoff sind wie mit den subtileren Werkzeugen von Einfluss und Macht. Ritchie inszeniert das Zusammenspiel dieser beiden ungleichen Partner mit dem für ihn typischen trockenen Humor, der bereits seine früheren Werke geprägt hat, auch wenn die Geschichte selbst streckenweise arg vertraute Genre-Pfade beschreitet.
Ein Regisseur mit Vorliebe für wiederkehrende Gesichter
Bemerkenswert ist, mit welcher Konsequenz Guy Ritchie in den letzten Jahren auf dieselben Gesichter zurückgreift. Sowohl Henry Cavill als auch Jake Gyllenhaal und Eiza González hatten bereits in früheren Ritchie-Produktionen mitgewirkt, sei es in „The Covenant" oder „The Ministry of Ungentlemanly Warfare", und die eingespielte Zusammenarbeit ist dem fertigen Film in gewissem Maße anzumerken. Cavill, der internationalem Publikum vor allem durch seine Rolle als Superman bekannt wurde, hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als Actionstar mit britischem Understatement etabliert, während Gyllenhaal seiner Filmografie mit dieser Rolle einen weiteren Baustein in Richtung des unterhaltsamen, augenzwinkernden Actionkinos hinzufügt. Rosamund Pike wiederum bringt jene eisige Präsenz mit, die sie bereits in zahlreichen anderen Rollen unter Beweis gestellt hat, und verleiht ihrer Figur eine kühle Berechnung, die dem Film gut zu Gesicht steht.
Bildsprache und Inszenierung
Kameramann Ed Wild, der bereits mehrfach mit Ritchie zusammengearbeitet hat, fängt die exotischen Schauplätze der Privatinsel mit glänzenden, satten Bildern ein, die dem Zuschauer stets vor Augen führen, in welch luxuriöser Welt sich dieses Katz-und-Maus-Spiel abspielt. Die Musik von Christopher Benstead unterstreicht die Spannungsbögen zurückhaltend, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, und fügt sich passend in das Gesamtbild eines Films ein, der auf Hochglanz-Ästhetik statt auf rohe Kanten setzt. Die Inszenierung bleibt dabei stets kurzweilig, auch wenn Ritchie sich in der Erzählstruktur streckenweise selbst im Weg steht und über weite Strecken eher auf Starpower als auf erzählerische Innovation setzt.
Bildqualität, Ton und technische Präsentation
Auf der Leonine-Blu-ray überzeugt die technische Umsetzung durchweg. Das Bild löst die feinen Details der Location-Aufnahmen sauber auf, die Farbgebung bewegt sich zwischen warmen, sonnendurchfluteten Außenaufnahmen und kühleren, edel ausgeleuchteten Interieurs, was der visuellen Erzählweise des Films sehr entgegenkommt. Kontraste wirken satt, ohne dass Details in den Schattenbereichen verloren gehen, und auch bei schnellen Actionsequenzen bleibt das Bild angenehm ruhig und frei von störenden Artefakten. Der Ton unterstützt das Geschehen mit kräftigem Bass bei den Actioneinlagen und einer klaren, gut verständlichen Dialogabmischung, die auch in leiseren, dialoglastigeren Passagen nichts zu wünschen übrig lässt.
Verpackung und Extras
Die Verpackung fügt sich in das gewohnte Erscheinungsbild aktueller Leonine-Veröffentlichungen ein und präsentiert sich optisch ansprechend, mit einem Cover-Artwork, das die Starpower des Casts prominent in den Vordergrund rückt. An Bonusmaterial legt die Veröffentlichung eine überschaubare, aber solide Auswahl vor: Zu finden sind unter anderem Blicke hinter die Kulissen der Dreharbeiten, in denen Cast und Crew über die Entstehung des Films und die Zusammenarbeit mit Guy Ritchie sprechen, sowie ergänzendes Material, das Einblicke in die Actionchoreografie und die exotischen Drehorte gewährt. Wer sich für die Entstehungsgeschichte hinter der Kamera interessiert, findet hier zwar keine ausufernde Dokumentation, aber durchaus kurzweilige Ergänzungen zum Hauptfilm.
Fazit
„In the Grey" ist ein weiterer solider, aber wenig überraschender Beitrag zu Guy Ritchies mittlerweile umfangreicher Sammlung stargespickter Actionthriller. Wer sich an der eingespielten Chemie zwischen Henry Cavill, Jake Gyllenhaal und Eiza González erfreuen kann und keine allzu hohen Ansprüche an erzählerische Originalität stellt, wird mit kurzweiliger Unterhaltung und glänzend fotografierten Schauplätzen belohnt. Die Leonine-Blu-ray präsentiert den Film in technisch überzeugender Qualität und rundet das Gesamtpaket mit einem angemessenen, wenn auch nicht überbordenden Bonusmaterial ab.