Jackass: Einer geht noch – Der letzte Streich einer Kult-Truppe im digitalen Heimkino
Ein Vierteljahrhundert nach den ersten wagemutigen Selbstversuchen im MTV-Programm verabschiedet sich Johnny Knoxville mit „Jackass: Einer geht noch" endgültig von seinem treuen Publikum. Der Film, der unter Regisseur Jeff Tremaine entstand und im Sommer 2026 in die deutschen Kinos kam, ist nun bei diversen Anbietern digital erhältlich und bietet Fans der Reihe die letzte Gelegenheit, sich noch einmal auf die schmerzhaft-lustigen Eskapaden dieser eingeschworenen Chaos-Truppe einzulassen.
Ein Abschied mit grauen Haaren und alten Narben
Was diesen fünften und wohl endgültig letzten Kinoauftritt der Reihe von seinen Vorgängern unterscheidet, ist das unübersehbare Bewusstsein für das fortschreitende Alter seiner Protagonisten. Johnny Knoxville, mittlerweile 55 Jahre alt, und seine langjährigen Weggefährten wie Steve-O, Chris Pontius, Dave England, Jason „Wee Man" Acuña und Ehren McGhehey lassen sich davon jedoch nicht im Geringsten von neuem Unsinn abhalten. Trotz grauer Haare und einer beeindruckenden Liste an Knochenbrüchen, die sich über die Jahre auf dreistellige Werte summiert haben dürfte, zeigt die Crew keinerlei Anzeichen von Zurückhaltung. Diese Mischung aus altersbedingter Zerbrechlichkeit und unerschütterlicher Risikobereitschaft verleiht dem Film eine eigentümliche, fast schon anrührende Note, die den früheren Filmen der Reihe in dieser Form gefehlt hat.
Neue Stunts treffen auf nostalgische Rückblenden
Konzeptionell verknüpft „Einer geht noch" brandneu produziertes Material mit den größten Hits und einprägsamsten Momenten aus der bald 25-jährigen Geschichte der Marke. Diese Kombination aus frischen Mutproben und nostalgischen Rückblicken soll die besondere Kameradschaft feiern, die Generationen von Fans an dieser Truppe liebgewonnen haben. Allerdings zeigt sich hier auch die größte Schwäche des Films: Während die Rückblenden und die aus früheren Dreharbeiten stammenden Szenen noch immer den unverwechselbaren Charme der Marke versprühen, wirken einige der neu produzierten Einlagen streckenweise hastig zusammengeschustert, fast so, als dienten sie eher dazu, den Film auf Spielfilmlänge zu bringen, statt einer echten kreativen Notwendigkeit zu entspringen.
Der große Abschied als emotionaler Höhepunkt
Dennoch gelingt es dem Film, in seinen stärksten Momenten genau jenen Spirit einzufangen, der die Reihe seit einem Vierteljahrhundert auszeichnet. Wenn sich die gesamte Crew am Ende gemeinsam in einem überdimensionierten Einkaufswagen versammelt und, begleitet von Frank Sinatras „My Way", einer Klippe entgegenrast, während ringsum Fahrzeuge explodieren, weicht der gewohnte Wahnsinn für einen Moment einer überraschend nostalgischen Sentimentalität. Gerade Knoxville scheint sich mit dem endgültigen Abschied von seiner selbstgewählten Karriere als „professioneller Stuntman" merklich schwerzutun, und diese Ambivalenz zwischen Loslassen-Wollen und Nicht-Loslassen-Können überträgt sich auch auf das Publikum, dem der Abschied von diesen liebenswerten Chaoten ebenfalls nicht leichtfallen dürfte.
Bekannte Gesichter und bewährte Chemie
Die eingespielte Dynamik zwischen den Kernmitgliedern der Truppe bildet nach wie vor das tragende Element des Films. Die jahrzehntelange gemeinsame Geschichte von Knoxville, Steve-O und den übrigen Weggefährten ist in jeder gemeinsamen Szene spürbar und verleiht selbst den schwächeren neuen Sequenzen noch eine gewisse Wärme, die reine Fremdscham-Comedy niemals erreichen könnte. Es macht nach wie vor sichtlich Freude, dieser Gruppe bei ihren völlig überzogenen Mutproben zuzusehen, selbst wenn man als Zuschauer längst weiß, was einen erwartet.
Digitale Verfügbarkeit
Wer sich für den Kauf oder Leihvorgang bei einem der zahlreichen digitalen Anbieter entscheidet, erhält den Film in hochwertiger Bild- und Tonqualität, die den turbulenten Stunt-Sequenzen und der oft improvisierten Kameraarbeit angemessen gerecht wird. Für ein Werk dieser Art, das primär auf schnelle, ungeschönte Bilder und klare, oft schmerzhaft eindeutige Tonaufnahmen setzt, ist die digitale Auswertung ein durchaus passender Vertriebsweg, auch wenn Sammler physischer Ausgaben hier natürlich leer ausgehen.
Fazit
„Jackass: Einer geht noch" ist keine Rückkehr zur ungebremsten kreativen Energie der frühen Reihe, sondern vielmehr eine liebevoll-nostalgische Resteverwertung, die ihre größte Stärke aus der über Jahrzehnte gewachsenen Kameradschaft ihrer Protagonisten zieht. Wer sich in erster Linie an den Wiedersehen mit Knoxville, Steve-O und der übrigen Crew erfreut und keine allzu hohen Erwartungen an die Originalität der neuen Stunts stellt, wird mit einem kurzweiligen, streckenweise überraschend berührenden Abschied belohnt.