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Mind Diver – Review (PS5)


Eine Liebesgeschichte in Trümmern


Mit Mind Diver bringt der dänische Publisher PLAYISM zusammen mit dem kleinen Kopenhagener Studio Indoor Sunglasses ein Adventure auf die PlayStation 5, das bereits im September 2025 sein Debüt auf dem PC feierte und nun, fast ein Jahr später, am 27. August 2026 auch Konsolenspielerinnen und -spielern zugänglich gemacht wird. Hinter dem Projekt steht Victor Breum, Mitgründer und Lead Developer des Studios, der gemeinsam mit seinem Team die Idee ursprünglich als Studentenprojekt entwickelte – eine frühe Version von Mind Diver wurde 2023 sogar für den Titel „Bestes Studentenspiel" beim renommierten Independent Games Festival nominiert. Aus dieser persönlichen Herzensangelegenheit ist inzwischen ein vollwertiges, atmosphärisch dichtes Deduktionsspiel geworden, das unverhohlen seine größte Inspirationsquelle offenlegt: Lucas Popes gefeiertes Return of the Obra Dinn. Pope selbst soll die Demo gespielt haben und zeigte sich begeistert – ein Kompliment, das dem Studio spürbar viel bedeutet und das sie in ihrer Pressearbeit auch gerne zitieren.


Erzählt wird die Geschichte von Lina Kukanová, deren Freund Sebastian Klausen eines Nachts spurlos verschwindet. Was die Ermittlungen zusätzlich erschwert: Lina selbst leidet unter einer rapide fortschreitenden Amnesie, die ihre Erinnerungen an die entscheidende Nacht – und darüber hinaus – Stück für Stück auslöscht. Die klassische Polizeiarbeit läuft ins Leere, weshalb experimentelle Technologie zum Einsatz kommt, mit deren Hilfe sogenannte „Mind Diver" in das zerfallende Unterbewusstsein von Betroffenen eintauchen können. In dieser Rolle übernehmen Spielerinnen und Spieler die Aufgabe, Linas fragmentierte Erinnerungen zu rekonstruieren, bevor sie für immer verloren gehen – ein Wettlauf gegen die Zeit, der sich weniger wie ein Thriller, sondern vielmehr wie eine leise, melancholische Charakterstudie anfühlt.


Schwimmen durch den Ozean der Erinnerung


Spielerisch entführt einen Mind Diver in Linas sogenannten „Mind Ocean", eine surreale Unterwasserlandschaft, die sich über acht fortschreitend verfallende Regionen erstreckt. Jede einzelne Erinnerung existiert als eigene, in sich geschlossene Blase, durch die man buchstäblich hindurchschwimmt – ein visuelles Konzept, das an einen Museumsrundgang erinnert, bei dem jeder Raum eine eigene, in sich abgeschlossene Momentaufnahme präsentiert. Über 130 vollständig vertonte „Echoes" – Gesprächsfetzen und Tonfragmente – warten darauf, entdeckt zu werden, während man aus einem Pool von mehr als 700 möglichen Objekten die passenden Details in die Erinnerungslücken einsetzt, um die Szenen zu vervollständigen. Ein mitlaufendes Erinnerungsprotokoll erlaubt es dabei, sämtliche aufgedeckten Gespräche und Indizien querzuvergleichen, sodass sich das tragische Gesamtbild von Lina und Sebastians Beziehung nach und nach zusammensetzt.


Wer allerdings mit der komplexen, oft kniffligen Logikarbeit von Obra Dinn rechnet, dürfte hier etwas enttäuscht werden. Internationale Kolleginnen und Kollegen, die das Spiel bereits zum PC-Release testen konnten, beschreiben die Rätselstruktur übereinstimmend als deutlich zugänglicher und einsteigerfreundlicher – die Lösungen seien zwar logisch, aber selten wirklich kompliziert herzuleiten. Statt auf verzwickte Detektivarbeit setzt Mind Diver stärker auf aufmerksames Zuhören und genaues Beobachten: Man hört private Gespräche ab, inspiziert kleine, leicht zu übersehende Details in der Umgebung und verbindet diese Fäden zu einem stimmigen Ganzen. Wer eine intellektuell fordernde Herausforderung sucht, wird hier eher enttäuscht; wer sich hingegen von einer atmosphärischen, emotional grundierten Ermittlung tragen lassen möchte, dürfte genau richtig aufgehoben sein.


Technische Präsentation und Atmosphäre


Optisch gehört Mind Diver zweifellos zu den einprägsamsten Vertretern seines Genres. Der eigentümlich verschwommene, traumhaft-desorientierende Kunststil – Gesichter und Gegenstände wirken stets ein wenig unscharf, wie durch trübes Wasser betrachtet – transportiert das Konzept fehlerhafter, sich auflösender Erinnerung auf geradezu geniale Weise unmittelbar ins Bild. Kombiniert mit einem zurückhaltend-melancholischen Soundtrack und einer als durchweg glaubwürdig gelobten Sprachausgabe entsteht eine Klangkulisse, die dem intimen, fast kammerspielartigen Charakter der Geschichte perfekt zuarbeitet. Die PS5-Fassung bringt keine grundlegenden technischen Neuerungen gegenüber der PC-Version mit, profitiert aber von der stabilen, ausgereiften Basis, die das Spiel bereits seit knapp einem Jahr auf dem Markt vorweisen kann.


Mit einer Spielzeit von rund vier Stunden richtet sich Mind Diver klar an ein Publikum, das eine kompakte, in sich geschlossene Erfahrung sucht, statt an Spielerinnen und Spieler, die viele Stunden Rätselarbeit investieren möchten. Diese Kürze ist dabei kein Manko, sondern fügt sich stimmig in den Gesamteindruck: Die Geschichte um Lina und Sebastian entfaltet ihre Wirkung gerade durch die konzentrierte, unaufgeregte Erzählweise, die keine überflüssigen Umwege geht.


Fazit


Mind Diver ist kein Spiel, das mit komplexer Detektivarbeit glänzen will – wer eine ernsthafte Herausforderung im Stil von Return of the Obra Dinn erwartet, wird die Rätsel eher als zu simpel empfinden. Seine eigentliche Stärke liegt woanders: in einer bewegenden, hervorragend gespielten Liebesgeschichte, die durch einen unverwechselbaren visuellen Stil, eine dichte Klangkulisse und ein originelles Grundkonzept getragen wird. Für Genrefans, die eine kurze, emotional intensive Reise suchen, ist das Eintauchen in Linas Erinnerungen absolut empfehlenswert.