Elden Ring: Tarnished Edition (Nintendo Switch 2) im Test: Das Zwischenland kommt endlich auf die Insel


Mit der Elden Ring: Tarnished Edition bringt FromSoftware sein gefeiertes Rollenspiel-Meisterwerk zum ersten Mal überhaupt auf eine Nintendo-Plattform, und der Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Ursprünglich bereits für 2025 angekündigt, verschob der Entwickler den Release im Oktober vergangenen Jahres kurzerhand um mehrere Monate, offiziell begründet mit notwendigen „Performance-Anpassungen", inoffiziell befeuert von durchgesickerten Eindrücken von der Gamescom, bei denen die Switch-2-Fassung mit erschreckend niedrigen Bildraten kämpfte. Seit dem 28. August 2026 ist das Spiel nun tatsächlich erhältlich, begleitet von einem umfangreichen Inhalts-Update, das gleichzeitig auch den Besitzern der PlayStation-, Xbox- und PC-Fassungen als kostenpflichtiges „Tarnished Pack" zur Verfügung steht. Nach den ersten Testrunden lässt sich vorwegnehmen: Die befürchtete technische Bruchlandung ist ausgeblieben, und was FromSoftware und die für die Portierung verantwortlichen Teams hier abliefern, kann sich absolut sehen lassen.


Ein Meisterwerk, das keiner Vorstellung mehr bedarf


Für alle, die dem Zwischenland bislang aus dem Weg gegangen sind, lohnt sich eine kurze Einordnung. Elden Ring entstand unter der kreativen Führung von Hidetaka Miyazaki, dem Schöpfer der Dark-Souls-Reihe, in Zusammenarbeit mit dem Bestsellerautor George R. R. Martin, der die erzählerische Grundlage für die Welt und ihre Mythologie lieferte. Herausgekommen ist ein offenes, nahtlos durchwanderbares Fantasy-Universum, das für seine kompromisslose Kampfschwierigkeit, seine erzählerische Zurückhaltung und seine schiere gestalterische Dichte gefeiert wurde, mit weit über vierhundert Game-of-the-Year-Nominierungen und mehr als dreißig Millionen verkauften Exemplaren seit dem Erscheinen im Februar 2022. Die Tarnished Edition bündelt das komplette Hauptspiel mit der im Juni 2024 veröffentlichten Erweiterung Shadow of the Erdtree, die noch einmal einen eigenen, in sich geschlossenen Weltabschnitt mit neuen Bossen, Waffen und einer eigenen Erzählebene hinzufügt. Wer beides zusammen zum ersten Mal erlebt, blickt auf ein Gesamtpaket von einer Größenordnung, die sich getrost mit den umfangreichsten offenen Welten überhaupt messen kann.


Was die Tarnished Edition tatsächlich neu mitbringt


Über die reine Portierung hinaus spendiert FromSoftware dem Spiel mit dieser Ausgabe seine ersten neuen Startklassen seit dem ursprünglichen Release. Der Idus-Ritter setzt auf eine leichtere, agile Rüstung samt passendem Schild und eignet sich damit besonders für Geschicklichkeits- oder Qualitätsbuilds, während der Schwere Ritter mit einem deutlich massigeren Stahlset und entsprechend höherer Verteidigung, aber auch spürbar mehr Gewicht startet und eher kraftorientierten Spielweisen entgegenkommt. Beide Ausrüstungen lassen sich im Übrigen auch mit bereits bestehenden Spielständen erspielen, sodass niemand einen neuen Charakter beginnen muss, um in ihren Genuss zu kommen. Ergänzt wird das Paket um drei neue Farbvarianten für das treue Geisterross Sturmwind, die sich an jedem Gnadenort nach dem ersten Fund freischalten lassen, sowie um zwei brandneue NPC-Invasionen: Die Kriegerin Leontiel lauert nach dem Sieg über Starscourge Radahn auf dem Weg zu den Kriegstoten-Katakomben in Caelid und hinterlässt bei ihrer Niederlage ein eigenes Rüstungsset im Stil der früheren Dark-Souls-Titel sowie ein neues Großschwert, während in Leyndell ein zweiter Eindringling rund um eine geheimnisvolle „Zerbrochene Goldene Maske" auftaucht, dessen Zeitfenster sich allerdings schließt, sobald der Erdbaum in Brand gesetzt wird, wer also alles mitnehmen möchte, sollte diesen Story-Schritt bewusst hinauszögern. Abgerundet wird das Update durch zahlreiche Balance-Anpassungen an bestehenden Zaubern, Fertigkeiten und vor allem an den aus Shadow of the Erdtree stammenden Wurfwaffen, die spürbar an Wirkung gewonnen haben.


Performance auf der Switch 2: Die befürchtete Katastrophe bleibt aus


Der mit Abstand spannendste Aspekt dieser Fassung ist naturgemäß die technische Umsetzung, schließlich handelt es sich bei Elden Ring um einen technisch fordernden Titel mit einer riesigen, zusammenhängenden offenen Welt, dichter Gegner-KI und dynamischem Wettersystem, der auf Nintendos mobiler Hardware laufen muss. Die gute Nachricht vorweg: Sowohl im Handheld- als auch im Dock-Modus läuft das Spiel mit einer stabilen Zielbildrate von dreißig Bildern pro Sekunden, wobei die Auflösung unterwegs bei knapp 1080p liegt und auf dem Fernseher per Upscaling auf eine Darstellung nahe 4K hochgerechnet wird, allerdings ohne Nvidias DLSS-Technik zu nutzen, was angesichts des in der Switch 2 verbauten Chips durchaus überrascht. Im direkten Vergleich zur PlayStation 5 oder zum Xbox Series X, wo das Spiel seit einem Patch aus dem Jahr 2022 wahlweise mit höherer Auflösung oder mit sechzig Bildern pro Sekunde läuft, ist das ein sichtbarer Kompromiss, doch für unterwegs ist das Ergebnis absolut überzeugend. Gerade im Handheld-Modus wirkt die Darstellung angenehm scharf und klar, während sich am Fernseher naturgemäß etwas weichere Kanten und eine sichtbarere Texturkompression bemerkbar machen. Vereinzelt kommt es in besonders anspruchsvollen Momenten, etwa bei großen Bossbegegnungen, schnellen Kameraschwenks über die offene Welt oder in dicht bewachsenen Arealen, zu spürbaren Framerate-Einbrüchen, doch nach kurzer Eingewöhnung fallen diese kaum noch ins Gewicht und beeinträchtigen das Spielerlebnis nicht ernsthaft. Auch die Ladezeiten überzeugen: Schnellreisen zwischen Gnadenorten dauern nur wenige Sekunden, spürbar länger als auf einer PlayStation 5, aber deutlich kürzer als auf den Konsolen der Vorgängergeneration ganz ohne SSD. Bedenkt man, dass durchgesickerte Testversionen noch vor wenigen Monaten mit gerade einmal fünfzehn Bildern pro Sekunde zu kämpfen hatten, ist das gelieferte Ergebnis geradezu bemerkenswert und zeigt, wie viel Arbeit in den finalen Monaten der Entwicklung tatsächlich noch in die Optimierung geflossen ist.


Steuerung und Komfort unterwegs


Wer von PlayStation 5 oder Xbox Series X umsteigt, findet sich dank identischem Tastenlayout sofort zurecht, ohne sich neue Eingaben einprägen zu müssen. Für die notorisch fordernden Bosskämpfe empfiehlt sich dennoch der Griff zum Pro Controller, da die Joy-Cons für die feinfühligen Ausweichmanöver und Konter, die Elden Ring von seinen Spielern verlangt, spürbar weniger Präzision bieten. Wer die meiste Zeit im Handheld-Modus unterwegs ist, wird davon in ruhigeren Momenten wie dem Erkunden der Welt oder dem Durchstreifen von Dungeons kaum etwas bemerken, in hektischen Kampfsituationen mit mehreren gleichzeitig herbeigerufenen Geisterhelfern kann sich der Unterschied jedoch durchaus bemerkbar machen.


Gemeinsam durchs Zwischenland


Auch der kooperative Mehrspielermodus hat den Sprung auf die Switch 2 vollständig geschafft. Bis zu zwei weitere Tarnished lassen sich per gemeinsamem Passwort gezielt einladen oder alternativ aus dem Kreis nahegelegener Community-Mitglieder herbeirufen, sodass sich auch die berüchtigten Bosskämpfe der Erweiterung im Team angehen lassen. Die Online-Infrastruktur funktioniert dabei zuverlässig und fügt sich nahtlos in das aus den anderen Plattformen bekannte System aus Beschwörungszeichen und Nachrichten am Boden ein.


Fazit


Die Elden Ring: Tarnished Edition ist weit mehr als ein hastig zusammengeschusterter Portierungsversuch, um Nintendos neue Konsole mit einem großen Namen zu schmücken. FromSoftware liefert eine technisch solide, überraschend stabil laufende Fassung eines der besten Rollenspiele der letzten Jahre ab, ergänzt um ein zwar überschaubares, aber liebevoll gestaltetes Paket an neuen Startklassen, Rüstungen und Invasionsgegnern, die sich hervorragend in die bestehende Welt einfügen. Wer Elden Ring und Shadow of the Erdtree noch nicht kennt, bekommt hier ein preisgekröntes Gesamtpaket zum Einstieg, das auf der Switch 2 nun auch unterwegs seine volle Wirkung entfaltet. Wer den Titel bereits auf anderen Plattformen durchgespielt hat, findet mit den neuen Klassen, Ausrüstungsgegenständen und Invasionsereignissen genug frische Anreize für einen weiteren Durchlauf, auch wenn sich der eigentliche Umfang dieser Zusatzinhalte in Grenzen hält. Angesichts der Befürchtungen, die im vergangenen Jahr rund um die Performance kursierten, ist das gelieferte Ergebnis nichts weniger als eine kleine technische Meisterleistung und macht das Zwischenland zu einem der bislang eindrucksvollsten AAA-Erlebnisse auf Nintendos neuer Konsole.