Der Goldene Pfeil: Ein Märchenteppich aus 1001 Nacht kehrt im Mediabook zurück
Am 24. September bringt Plaion Pictures mit Der Goldene Pfeil einen jener herrlich altmodischen Abenteuerschätze zurück ins heimische Regal, die man getrost als kleine Zeitkapsel des europäischen Genrekinos der frühen Sechzigerjahre bezeichnen darf. Als Mediabook mit Blu-ray und DVD veröffentlicht, richtet sich diese Neuauflage sowohl an Sammlerinnen und Sammler klassischer Sandalenfilme als auch an alle, die sich einmal in die farbenprächtige Welt von Tausendundeiner Nacht entführen lassen möchten. Entstanden im Rahmen einer kurzen, aber fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Hollywood-Studio MGM und der italienischen Produktionsfirma Titanus, verbindet der Film amerikanisches Starkino mit europäischer Genrehandwerkskunst zu einem eigenwilligen, aber liebenswerten Gesamtwerk.
Ein Bandit auf den Spuren eines Zauberpfeils
Im Zentrum der Geschichte steht Hassan, ein gewöhnlicher Bandit, der sich nach Damaskus aufmacht, um dort die Prinzessin Jamila zu entführen und gegen ein stattliches Lösegeld wieder freizulassen. Bevor er sein Vorhaben in die Tat umsetzen kann, muss Hassan sich jedoch, als Edelmann getarnt, einer vom Sultan auferlegten Prüfung stellen: Wer den sagenumwobenen goldenen Zauberpfeil erfolgreich abschießen kann, dem winkt die Hand der Prinzessin. Zu seiner eigenen Überraschung gelingt Hassan das eigentlich Unmögliche, doch statt den vermeintlichen Sieg für sich zu beanspruchen und um Jamilas Hand anzuhalten, ergreift der Bandit die Flucht und nimmt die Prinzessin kurzerhand mit sich. Von dort aus entspinnt sich eine abenteuerliche Reise, die Hassan auf die Suche nach dem verlorenen Zauberpfeil führt und ihn dabei tiefer in die Intrigen um Thron und Herrschaft der Stadt verstrickt, als ihm zunächst lieb ist.
Diese Prämisse liest sich wie ein klassisches Märchen aus der Welt von Tausendundeiner Nacht, und genau als solches ist Der Goldene Pfeil auch angelegt: mit fliegenden Teppichen, zauberkräftigen Artefakten und einer Portion Schelmenromantik, die dem Film seinen ganz eigenen, unbeschwerten Charme verleiht. Wer ein psychologisch verschachteltes Drama erwartet, wird hier fehlgehen, wer sich hingegen auf ein farbenfrohes, trickreiches Abenteuermärchen einlassen möchte, dürfte bestens unterhalten werden.
Antonio Margheriti: Der italienische Tausendsassa hinter der Kamera
Regie führte mit Antonio Margheriti einer der umtriebigsten und vielseitigsten Regisseure des italienischen Genrekinos jener Ära. Über die Jahrzehnte hinweg tummelte sich Margheriti, der zeitweise auch unter dem Pseudonym Anthony Dawson firmierte, quer durch nahezu sämtliche populären Genres seiner Zeit: Western, Sandalenfilme, Gothic-Horror, Spionagethriller und Science-Fiction gehörten ebenso zu seinem Repertoire wie später auch Giallo- und Actionfilme. Besonders bekannt wurde er hierzulande unter anderem für Das Schloss des Grauens, einen der stimmungsvollsten Vertreter des italienischen Gothic-Horrors der frühen Sechziger. Margheritis Filme zeichnen sich dabei durchweg durch einen ausgeprägten visuellen Stil aus, der auch mit vergleichsweise überschaubaren Budgets stets ein Höchstmaß an optischer Opulenz aus dem verfügbaren Material herauszuholen wusste. Diese Fähigkeit, aus begrenzten Mitteln ein maximales Schauwertniveau zu zaubern, tritt auch in Der Goldene Pfeil deutlich zutage, dessen aufwendige Sets und prächtige Technicolor-Fotografie den Eindruck einer deutlich größeren Produktion vermitteln, als es das tatsächliche Budget vermuten ließe.
Tab Hunter: Der amerikanische Beau in orientalischer Kulisse
In der Rolle des Hassan besetzte man mit Tab Hunter einen waschechten amerikanischen Kassenmagneten der Fünfzigerjahre. Hunter, der als blondgelockter Beau zunächst als Vertragsstar bei Warner Bros. reüssierte, avancierte in jener Dekade zu einem der gefragtesten Teenieschwärme Hollywoods und war einem breiten Publikum unter anderem aus Stadt im Meer bekannt. Seine Verpflichtung für eine italienisch-amerikanische Koproduktion wie Der Goldene Pfeil war seinerzeit ein cleverer Schachzug: Ein amerikanischer Name auf dem Filmplakat garantierte internationale Vermarktbarkeit, während die italienische Produktionsseite die aufwendige, exotische Ausstattung stemmte. Optisch passt Hunter mit seinem strahlenden Auftreten hervorragend in die Rolle des charismatischen Banditen, auch wenn sein tatsächlicher stimmlicher Beitrag im italienischen Original durch eine Synchronstimme ersetzt wurde, wie es bei internationalen Koproduktionen jener Zeit gängige Praxis war. Erst Jahrzehnte später, mit der Veröffentlichung seiner Memoiren und der dazugehörigen Dokumentation über sein Leben, sollte die Öffentlichkeit einen deutlich vielschichtigeren Blick auf den einstigen Teenie-Idol-Status Hunters gewinnen, der sich zeitlebens gegen ein Image ankämpfen musste, das ihm die Studios seinerzeit übergestülpt hatten.
Bildsprache und Ausstattung: Ein Fest für die Augen
Was Der Goldene Pfeil auch mehr als sechzig Jahre nach seiner Entstehung noch sehenswert macht, ist zweifellos seine opulente visuelle Gestaltung. Gedreht in leuchtendem Technicolor und mit Außenaufnahmen, die eine authentisch orientalisch anmutende Kulisse einfangen, entfaltet der Film ein Bilderbuch-Arabien voller prächtiger Paläste, quirliger Basare und weiter Wüstenlandschaften. Die aufwendigen Sets und Kostüme tragen maßgeblich dazu bei, dass sich der Film trotz seines vergleichsweise überschaubaren Budgets nie wie eine billige Produktion anfühlt. Ergänzt wird diese visuelle Pracht durch allerlei trickreiche Spezialeffekte, die dem märchenhaften Grundton des Films gerecht werden und in einem denkwürdigen Finale auf einem fliegenden Teppich gipfeln, das dem Abenteuer einen würdigen, fantasievollen Abschluss verleiht.
Kritisch betrachtet reiht sich Der Goldene Pfeil dabei in eine lange Tradition mittelmäßig aufgenommener, aber publikumswirksamer Sandalenfilme der frühen Sechziger ein. Die Erzählstruktur folgt erwartbaren Genremustern, und wer auf der Suche nach erzählerischer Raffinesse ist, wird hier eher nicht fündig. Als kurzweiliges, familientaugliches Abenteuermärchen mit einer gehörigen Portion visuellem Schauwert funktioniert der Film jedoch nach wie vor überraschend gut, gerade weil er sich seiner eigenen Naivität nie schämt, sondern sie mit spürbarer Spielfreude zelebriert.
Verpackung und Mediabook-Konzept
Mit der Entscheidung, Der Goldene Pfeil als Mediabook mit gleichzeitiger Blu-ray- und DVD-Fassung zu veröffentlichen, setzt Plaion Pictures konsequent auf das inzwischen etablierte Sammlerformat, das gerade bei Klassikern des europäischen Genrekinos regelmäßig für Begeisterung sorgt. Das Hardcover-Format bietet ausreichend Raum für eine liebevolle Gestaltung rund um das Filmmotiv, während die Kombination aus Blu-ray und DVD sicherstellt, dass sowohl Cineasten mit entsprechender Abspielhardware als auch Sammlerinnen und Sammler älterer Heimkinosysteme gleichermaßen bedient werden. Für ein Werk dieses Alters und dieser Genrezugehörigkeit ist ein derart aufwendiges physisches Format alles andere als selbstverständlich und unterstreicht den Stellenwert, den Plaion Pictures dem europäischen Sandalenfilm-Erbe der Sechzigerjahre beimisst.
Technische Präsentation
Bei einem Film aus dem Jahr 1962 stellt sich naturgemäß die Frage, wie gut sich das ursprüngliche Technicolor-Bildmaterial in die heutige Zeit übertragen lässt. Angesichts der aufwendigen Restaurierungsbemühungen, die zahlreiche Genrepublisher in den vergangenen Jahren in ähnlich alte Titanus- und MGM-Produktionen investiert haben, darf man auch bei Der Goldene Pfeil auf eine Präsentation hoffen, die dem ursprünglichen Farbenrausch des Films gerecht wird und die charakteristische Technicolor-Ästhetik in ihrer vollen Pracht zur Geltung bringt. Gerade die satten, warmen Farbtöne der orientalischen Kulissen und Kostüme profitieren erfahrungsgemäß enorm von einer sorgfältigen Bildrestaurierung, während die deutsche Tonspur als Basis für die heimische Veröffentlichung dient.
Fazit
Der Goldene Pfeil ist ein liebenswertes Relikt jener Ära, in der amerikanisches Starkino und italienisches Genrehandwerk regelmäßig zu ungewöhnlichen, aber charmanten Koproduktionen verschmolzen. Antonio Margheritis Gespür für opulente Bildkompositionen trifft hier auf Tab Hunters strahlende Leinwandpräsenz und ergibt ein Abenteuermärchen, das erzählerisch zwar nicht sonderlich anspruchsvoll daherkommt, dafür aber mit visueller Opulenz, trickreichem Charme und einem herrlich altmodischen Sinn für das Fantastische punktet. Für Fans klassischer Sandalenfilme und Sammlerinnen und Sammler europäischer Genreschätze der Sechzigerjahre ist das Mediabook von Plaion Pictures eine mehr als willkommene Gelegenheit, diesen kleinen Märchenausflug in die Welt von 1001 Nacht neu zu entdecken.