Hot Wheels: Infinite Rush – Wenn die Spielzeugkiste zur offenen Welt wird


Mit Hot Wheels: Infinite Rush bringt das italienische Studio Milestone S.r.l., das sich in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Motorrad- und Motorsportsimulationen einen Namen gemacht hat, die legendäre Spielzeugmarke von Mattel auf eine neue Konsolengeneration – und wagt dabei den Sprung von den kompakten Kachelstrecken der Vorgänger hin zu einer vollständig offenen Spielwelt. Erschienen für die PlayStation 5 als Standard-, Deluxe- und Ultimate-Edition, zu Preisen ab rund 45 bis 60 Euro, richtet sich das Spiel gleichermaßen an Kinder, nostalgische Sammler und Arcade-Racing-Fans, die einer realistischen Fahrsimulation ohnehin schon lange den Rücken gekehrt haben.


Eine Welt aus Plastik, Chrom und Neonlicht


Der auffälligste Unterschied zu früheren Hot-Wheels-Spielen liegt im Aufbau der Spielwelt selbst. Statt einzelner, in sich geschlossener Streckenabschnitte bietet Infinite Rush nun vier frei befahrbare Inseln, die sich thematisch deutlich voneinander abheben: eine pulsierende Großstadt, grüne Parkanlagen und Ferienresorts, von Neonlicht durchzogene Wasserkanäle sowie eine ausgedörrte Wüstenlandschaft. Angetrieben von der Unreal Engine 5, gelingt es dem Studio dabei überzeugend, den charakteristischen Spielzeug-Look der Marke einzufangen – von der hohl und plastikartig wirkenden Vegetation bis zu den Fahrzeugen selbst, deren Lackierungen, Chromteile und Reifen bewusst an waschechte Hot-Wheels-Die-Cast-Modelle erinnern. Wer sich hier eine glaubwürdige Fahrphysik erhofft, wird enttäuscht – doch genau das ist nicht der Anspruch des Spiels. Stattdessen fühlt sich jedes Drift-Manöver bewusst überzeichnet und spielzeughaft an, was der Prämisse einer im Miniaturformat lebendig gewordenen Welt erstaunlich treu bleibt.


Fuhrpark, Fahrzeugklassen und die Rush Masters


Über 150 Fahrzeuge warten darauf, freigeschaltet zu werden – aufgeteilt in vier Klassen, die spürbar unterschiedliche Fahrstile bedienen: wendige Drifters, kompromisslos schnelle Speeders, schwerfällige, aber äußerst widerstandsfähige Titans sowie ausgewogene Allrounder. Neue Boliden lassen sich sowohl über einen liebevoll gestalteten, an einen echten Spielzeugladen erinnernden Shop erspielen als auch durch das Herausfordern der sogenannten Rush Masters gewinnen, mächtiger Kontrahenten, die jede Insel beherrschen und deren Fahrzeuge nach einem Sieg in die eigene Sammlung übergehen. Dieses Prinzip – Sammeln, Herausfordern, Aufsteigen – bildet das strukturelle Rückgrat des gesamten Spiels und dürfte insbesondere jüngere Spieler und eingefleischte Sammler der Marke ansprechen.


Kreativität als zweite Säule: Garage und Streckeneditor


Neben dem reinen Fahrerlebnis setzt Infinite Rush stark auf Personalisierung. In der Garage lassen sich Karosseriematerialien, Scheibentönungen, Reifen, Auspuffeffekte sowie zahlreiche Aufkleber und Décors frei kombinieren – ein Editor, der sich Berichten zufolge angenehm intuitiv bedienen lässt, ohne dabei an Tiefgang zu verlieren. Ergänzt wird dies durch einen Streckeneditor, der die charakteristische orangefarbene Hot-Wheels-Fahrbahn mit den aus der Spielwelt bekannten Biomen und thematischen Versatzstücken – von Drachenköpfen bis zu allerlei kuriosem Spielzeugkram – kombinierbar macht. Wer selbst gestaltete Strecken mit der Community teilen möchte, kann dies über einen entsprechenden Marktplatz tun, was dem Spiel über den Release hinaus zusätzliche Langlebigkeit verschafft.


Umfang, Nebenaktivitäten und Mehrspielermodus


Die vier Inseln sind großzügig mit versteckten Missionen, Sammelobjekten und Nebenaktivitäten bestückt, die erst durch aktives Erkunden sichtbar werden – ein Ansatz, der spürbar von offenen Sandkasten-Titeln wie den LEGO-Spielen oder auch von Burnout Paradise inspiriert scheint. Der Wechsel zwischen den Inseln erfolgt über spektakuläre Sprungrampen, die in kurze Ladesequenzen übergehen und auf der PS5 nur wenige Sekunden in Anspruch nehmen. Neben dem Fokus auf Online-Rennen und nutzergenerierte Inhalte wurde auch der lokale Mehrspielermodus nicht vergessen: Zu zweit auf geteiltem Bildschirm läuft das Spiel stabil, ohne dass die Bildrate spürbar unter der Last der Unreal Engine leidet. Online sind laut technischen Angaben sogar Verbindungen mit bis zu zwölf Spielern über PS Plus möglich, während der Titel für ein bis vier Spieler ausgelegt ist.


Technische Präsentation


Auf der PS5 überzeugt Infinite Rush mit einer für PS5 Pro optimierten Fassung sowie Unterstützung für die haptischen Funktionen und adaptiven Trigger des DualSense-Controllers, was dem ohnehin überzeichneten Fahrgefühl noch einmal zusätzliche taktile Rückmeldung verleiht. Optisch gehört das Spiel zu den derzeit hübschesten Vertretern seines Genres, ohne dabei je zu vergessen, dass es sich – ganz bewusst – um eine Spielzeugwelt und keine reale Straßenszenerie handelt.


Editionen und Post-Launch-Inhalte


Wer sich für die Standard Edition entscheidet, erhält das Hauptspiel samt „Boost’n’Slide"-Paket. Die Deluxe Edition ergänzt dies um einen Fahrzeug-Pass sowie das „Feel the Heat"-Paket, während die Ultimate Edition zusätzlich einen dreitägigen Vorab-Zugang sowie eine Ferrari-Erweiterung bereithält. Milestone hat bereits weitere Fahrzeuge und Updates für die Zeit nach dem Launch in Aussicht gestellt, was dem an sich schon inhaltsreichen Titel zusätzliches Durchhaltevermögen verschaffen dürfte.


Fazit


Hot Wheels: Infinite Rush gelingt der seltene Spagat, gleichermaßen ein hervorragendes Lizenzspiel für Fans der Marke und ein eigenständig überzeugender Arcade-Racer zu sein, der auch ohne nostalgische Bindung an die kleinen Spielzeugautos zu begeistern weiß. Die offene Spielwelt, der große Fuhrpark und die tiefgehenden Anpassungsoptionen sorgen für ein Spielerlebnis, das deutlich über die Zielgruppe der jüngeren Spieler hinausreicht, ohne dabei den unbeschwerten, verspielten Charakter der Marke zu verraten.