Bus Simulator 27 (PS5) – Review


Mit Bus Simulator 27 vollzieht Publisher astragon Entertainment einen der größten Umbrüche in der Geschichte seiner Simulationsreihe. Nach mehreren Ausgaben aus der Feder von Stillalive Studios, die sich inzwischen mit dem Konkurrenztitel Bus Bound einem eigenen Projekt zugewandt haben, liegt die Entwicklung diesmal beim polnischen Studio Simteract aus Krakau. Das Team ist in der Fahrsimulations-Szene kein unbeschriebenes Blatt, sondern hat sich zuvor bereits mit Taxi Life und Train Life einen Namen gemacht. Seit dem 8. September 2026 steht das Spiel für PC, Xbox Series X/S und PlayStation 5 bereit, getestet wurde die Konsolenfassung.


Ein neuer Schauplatz für die Serie


Wer die Bus-Simulator-Reihe aus der Vergangenheit kennt, muss sich diesmal geografisch komplett neu orientieren. Statt in einer deutschen oder amerikanischen Großstadt starten Spielerinnen und Spieler in der frei erfundenen Region Felicia Bay, deren Küstenlinien, Ortschaften und Architektur unverkennbar von der Iberischen Halbinsel inspiriert sind. Im Zentrum stehen die beiden benachbarten Städte Alcaztelar und Mequina, die gemeinsam auf zwanzig unterschiedlich gestaltete Stadtviertel aufgeteilt sind – von dicht bebauten Zentren über Hafenpromenaden bis hin zu ruhigeren Wohngegenden. Der wohl größte inhaltliche Sprung gegenüber allen bisherigen Teilen der Serie sind jedoch die neu eingeführten Überlandfahrten. Erstmals dürfen die eigenen Busse die Stadtgrenzen verlassen und über längere Distanzen durch ländliche Gebiete, entlang der Küste und zwischen kleineren Dörfern verkehren, was dem Spiel eine bislang unbekannte geografische Weite verleiht und dem reinen Stadtverkehr eine willkommene Abwechslung entgegensetzt.


Die Rahmenhandlung bleibt dabei angenehm unaufdringlich und dient in erster Linie als Vorwand für den eigentlichen Spielinhalt: Die eigene Figur reist nach Felicia Bay, um dort nach einem gescheiterten früheren Versuch ein neues Busunternehmen aufzubauen und sich gegenüber Kundschaft und Konkurrenz zu beweisen. Zu Beginn lässt sich die eigene Spielfigur individuell gestalten, was man in einem Wirtschaftssimulator dieser Machart nicht unbedingt erwartet hätte, auch wenn die Modellierung der Charaktere qualitativ merklich hinter dem Rest der Präsentation zurückbleibt und eher zweckmäßig als beeindruckend wirkt. Interessanter ist die Möglichkeit, zwischen zwei grundverschiedenen visuellen Stilrichtungen zu wählen: Ein „klassischer" Modus setzt auf satte Farben und ein cineastisches Grading, während ein „realistischer" Modus auf natürlichere Lichtverhältnisse setzt und damit den dynamischen Tag-Nacht-Wechsel sowie das Wettersystem des Spiels deutlich besser zur Geltung bringt. Diese Wahlmöglichkeit erlaubt es, die Atmosphäre des Spiels ein Stück weit an den eigenen Geschmack anzupassen, statt sich mit einer einzigen festgelegten Bildsprache abfinden zu müssen.


Unternehmensführung als klare Stärke


Das eigentliche Herzstück jeder Bus-Simulation ist der Aufbau und die Verwaltung des eigenen Betriebs, und genau hier gelingt Bus Simulator 27 der überzeugendste Wurf. Neue Linien anzulegen, Fahrzeuge und Fahrpersonal zuzuweisen und den wachsenden Fuhrpark im Blick zu behalten, geht spürbar leichter von der Hand als in früheren Teilen der Serie. Wer wenig Interesse an Detailverwaltung hat, kann Busse und Personal sogar automatisch zuteilen lassen und sich stattdessen stärker auf das eigentliche Fahren konzentrieren. Die Menüs sind klar strukturiert und laden nicht zum stundenlangen Suchen nach einer bestimmten Funktion ein, und das einführende Tutorial bleibt angenehm kompakt, ohne dabei zentrale Mechaniken auszulassen. Einsteigerinnen und Einsteiger, die bislang keine Berührungspunkte mit vergleichbaren Simulationen hatten, dürften von der schieren Menge an Bedienoptionen dennoch zunächst überfordert sein, zumal viele Funktionen erst über zusätzliche Schnellmenüs zugänglich sind. Zumindest lassen sich die wichtigsten Tastenbelegungen jederzeit wieder aufrufen, wenn das Gedächtnis einmal streikt.


Besonders hervorzuheben ist der Fuhrpark, der mit mehr als 45 lizenzierten Bussen so umfangreich ausfällt wie in keiner Ausgabe der Serie zuvor. Zum ersten Mal überhaupt hält die Reihe dabei offiziell lizenzierte Reisebusse ins Programm, darunter Modelle wie den Mercedes-Benz Tourismo, den Scania Irizar i8 und den MAN Lion's Coach, die eigens für die neuen Langstrecken ausgelegt sind und sich in Fahrverhalten und Ausstattung deutlich von den klassischen Linienbussen unterscheiden. Ergänzt wird die Flotte um gelenkige Stadtbusse, Doppeldecker sowie Elektro- und Wasserstoffmodelle, die den technologischen Wandel im echten öffentlichen Nahverkehr aufgreifen und dem Spiel zusätzliche strategische Tiefe verleihen, etwa bei der Frage, welcher Antrieb für welche Linie am sinnvollsten ist. Wer sein Unternehmen nicht allein führen möchte, kann außerdem im kooperativen Mehrspielermodus für bis zu vier Personen gemeinsam mit Freundinnen und Freunden agieren, inklusive vollständigem Crossplay über sämtliche unterstützten Plattformen hinweg.


Das Fahrverhalten bleibt der wunde Punkt


So überzeugend die Verwaltungsebene gelungen ist, so zwiegespalten fällt das Urteil über das eigentliche Fahrgefühl aus – und ausgerechnet dieser Aspekt sollte bei einer Fahrsimulation eigentlich im Zentrum stehen. Die Steuerung der Busse wirkt in Kurven und über unebene Fahrbahnen hinweg streckenweise seltsam entkoppelt vom Untergrund, fast so, als würden die Fahrzeuge über die Straße gleiten, statt tatsächlich auf ihr zu haften. Dieses Gefühl mangelnder Bodenhaftung untergräbt gerade jenen Teil des Spiels, der eigentlich das größte Identifikationspotenzial bieten sollte: das reine Fahrerlebnis. Positiv fällt dabei die Möglichkeit auf, das Absenken der Busse (Kneeling) sowie die Rampen manuell zu bedienen, was beim präzisen Andocken an Haltestellen eine zusätzliche, angenehm taktile Ebene eröffnet. Dieser kleine, aber durchdachte Kniff kann die grundsätzlichen Probleme mit dem Handling jedoch nicht vollständig ausgleichen. Auf der PlayStation 5 hätte insbesondere der DualSense-Controller mit seinen adaptiven Triggern und der feinen Vibrationssteuerung die Chance geboten, unterschiedliche Bremskräfte, Motorbelastung oder Fahrbahnzustände fühlbar zu vermitteln. Wie konsequent dieses Potenzial tatsächlich umgesetzt wurde, variiert in der Praxis jedoch spürbar von Fahrsituation zu Fahrsituation und wirkt insgesamt eher wie ein ungenutztes Versprechen als wie ein zu Ende gedachtes Feature.


Technische Umsetzung zwischen Anspruch und Alltag


Optisch weiß Bus Simulator 27 dank der Unreal Engine 5 durchaus zu gefallen. Die Küstenabschnitte, Ortskerne und Fernstraßen von Felicia Bay sind mit sichtbarer Sorgfalt gestaltet, und gerade im Zusammenspiel mit dem dynamischen Wettersystem und dem Tageszeitwechsel entstehen immer wieder stimmungsvolle Momente, ob bei nebligen Morgenfahrten entlang der Küste oder bei nächtlichen Stadtrouten im Regen. Dieser optische Anspruch fordert allerdings seinen Preis: Immer wieder treten spürbare Ruckler, gelegentliche kurze Hänger und eine ganze Reihe kleinerer technischer Fehler auf, die den ansonsten positiven Gesamteindruck der Präsentation eintrüben. Zum Testzeitpunkt befand sich das Spiel noch in einem frühen Versionsstand, was auf laufende Nachbesserungen seitens Simteract schließen lässt, den Zustand zum eigentlichen Verkaufsstart aber nicht relativiert. In Kombination mit den bereits beschriebenen Schwächen bei der Fahrphysik entsteht der Eindruck eines Spiels, dessen grundlegendes Fundament stimmt, das aber unter dem Druck eines fest terminierten Erscheinungsdatums noch nicht die nötige Zeit zum vollständigen Ausreifen bekommen hat.


Umfang, Season Pass und langfristige Ausrichtung


Zum Verkaufsstart stehen zwei Editionen zur Wahl: eine Standard Edition sowie eine Year 1 Edition, die zusätzlich einen Season Pass enthält. Dieser soll in den kommenden Monaten sukzessive um weitere Buspakete erweitert werden, unter anderem um ein zusätzliches Fahrzeugpaket zum Jahresende sowie perspektivisch um eine Erweiterung rund um die Marke FlixBus. Wer das Spiel vorbestellt hat, erhielt zudem ein zusätzliches Paket mit weiteren Bussen und exklusiven Farbgebungen für die eigene Flotte. Insgesamt zeigt sich hier deutlich, dass astragon die Reihe nicht als abgeschlossenes Produkt, sondern als langfristig zu pflegende Plattform versteht, die über Monate hinweg mit neuen Inhalten versorgt werden soll.


Fazit


Bus Simulator 27 ist ein Neuanfang mit sichtbarem Potenzial, der zugleich deutliche Kinderkrankheiten offenbart. Auf der Ebene der Unternehmensführung, bei Linienplanung, Fuhrparkmanagement und Personalverwaltung, gelingt Simteract ein spürbarer Fortschritt gegenüber früheren Ausgaben der Serie, und mit über 45 lizenzierten Bussen, neuen Reisebus-Modellen und den erstmals möglichen Überlandfahrten durch eine glaubwürdig gestaltete Spielwelt bietet der Titel inhaltlich mehr als jeder Vorgänger. Ausgerechnet an der Stelle, an der eine Fahrsimulation am überzeugendsten sein müsste, am Steuer selbst, hinterlassen eine wacklige Fahrphysik, spürbare Performance-Schwankungen und diverse kleinere technische Fehler jedoch einen zwiespältigen Eindruck. Wer bereit ist, über diese Schwächen hinwegzusehen, und vor allem am strategischen Aufbau des eigenen Unternehmens Freude findet, bekommt mit Bus Simulator 27 die inhaltlich umfangreichste Ausgabe der Reihe. Wer hingegen in erster Linie ein makelloses, präzises Fahrgefühl sucht, sollte sich noch etwas gedulden und abwarten, ob kommende Patches die grundlegenden Probleme der Steuerung tatsächlich beheben können.