Vom Pixel-Puck zum digitalen Eis: Die Geschichte der Eishockey-Videospiele


Kaum eine Sportart hat sich in der Welt der Videospiele so kontinuierlich weiterentwickelt wie das Eishockey. Was einst als simple Variante von Pong begann, ist heute eine hochkomplexe Simulation mit fotorealistischen Spielerporträts, physikalisch korrektem Puckverhalten und Online-Ligen mit bis zu 32 menschlichen Teambesitzern. Zwischen diesen beiden Polen liegen mehr als vier Jahrzehnte Entwicklungsgeschichte, geprägt von Pionierleistungen, hitzigen Rivalitäten zwischen Publishern und immer wieder auch schmerzhaften Rückschlägen. Ein Blick zurück auf diesen langen Weg lohnt sich, gerade weil er exemplarisch zeigt, wie aus einer Handvoll Pixel eine ganze Branche wurde.


Die Urzeit: Eishockey als Pong-Variante


Bevor es überhaupt dedizierte Eishockeyspiele gab, steckte die Sportart bereits in den frühesten Heimkonsolen. Viele Pong-Systeme der frühen Siebzigerjahre boten einen „Hockey"-Modus, der sich vom klassischen Pong im Grunde nur durch einen zusätzlichen Spieler vor dem gegnerischen Tor unterschied. Von echtem Eishockey konnte dabei natürlich keine Rede sein, doch dieser simple Kniff legte den Grundstein für alles, was folgen sollte. Die Idee, das schnelle Hin und Her des Sports in ein Spielprinzip zu übersetzen, war geboren, auch wenn es noch Jahre dauern sollte, bis daraus etwas wurde, das man ernsthaft als Eishockeyspiel bezeichnen konnte.


Activisions Ice Hockey und der erste echte Meilenstein


Diesen entscheidenden Schritt machte 1981 ausgerechnet ein ehemaliger Atari-Mitarbeiter. Alan Miller, einer der Gründungsväter von Activision, hatte sich zuvor bei Atari einen Namen mit Titeln wie Tennis gemacht und übertrug die dort gesammelten Erfahrungen auf ein neues Projekt, nachdem er sich im Fernsehen von echten Eishockeyspielen hatte inspirieren lassen. Das Ergebnis war Ice Hockey für den Atari VCS, das im Dezember 1981 erschien und als das erste kommerziell veröffentlichte Eishockeyspiel überhaupt gilt. Technisch war es eine kleine Meisterleistung für seine Zeit: Miller adaptierte das sogenannte Missile-Objekt, das in den meisten Spielen jener Ära als simples Projektil diente, kurzerhand zum Hockeyschläger der Spielfigur, und er schaffte es, statt der üblichen zwei gleich vier Spielerfiguren gleichzeitig auf den Bildschirm zu bringen, jede davon in der passenden Teamfarbe. Das Spielprinzip selbst war angenehm reduziert: Zwei gegen zwei, wobei jedes Team aus einem Feldspieler und einem Torwart bestand, der sich allerdings keineswegs auf seinen Kasten beschränken musste. Miller selbst bezeichnete Ice Hockey später als die verbesserte Version seines eigenen Tennis-Titels und zeigte sich sichtlich stolz auf das Resultat. Beworben wurde das Spiel unter anderem mit einem Werbespot, in dem kein Geringerer als der spätere Comedy-Star Phil Hartman auftrat, ein früher Beleg dafür, dass Videospiele bereits Anfang der Achtzigerjahre prominente Unterstützung suchten.


Arcade-Fieber: Hat Trick, Blades of Steel und Nintendos Antwort


Die Mitte der Achtzigerjahre brachte das virtuelle Eishockey in die Spielhallen und etablierte gleich zwei Titel, deren Rivalität bis heute unter Retro-Fans diskutiert wird. Den Anfang machte 1984 Hat Trick, das als erstes Eishockeyspiel eine Eisaufbereitung zwischen den Dritteln simulierte, komplett mit einer kuriosen, tankähnlichen Maschine samt Periskop, die über das Feld fuhr, während Spieler sichtbare Schlittschuhspuren im virtuellen Eis hinterließen. Auch wenn das Spiel im Kern nur Eins-gegen-eins-Action bot, markierte es einen wichtigen Schritt hin zu mehr Atmosphäre in der Präsentation.


Den eigentlichen Durchbruch schaffte jedoch Konami mit Blades of Steel, das 1987 in nordamerikanischen Spielhallen debütierte und ein Jahr später für das Nintendo Entertainment System portiert wurde. Das Spiel bot fünf Feldspieler pro Team und wurde vor allem für sein Kampfsystem legendär: Prallten zwei Spieler dreimal hintereinander aufeinander, brach eine Rauferei aus, die in einer eigenen Nahaufnahme dargestellt wurde und deren Verlierer für zwei Minuten auf die Strafbank musste, während der Sieger seinem Team ein Powerplay bescherte. Ergänzt wurde das Ganze durch für NES-Verhältnisse ungewöhnlich klare Sprachausgabe, deren Ansagen bis heute für Verwirrung sorgen. Ob der Kommentator vor dem Passspiel nun „Hit the pass", „With the pass" oder „Get the pass" rief, wurde unter Fans jahrelang diskutiert, ehe die klarere Arcade-Version schließlich Klarheit schuf. Auch bei den Regeln nahm es Konami nicht allzu genau: Eine Abseitsregel gab es schlicht nicht, und unentschiedene Partien wurden per Penaltyschießen entschieden, gut siebzehn Jahre bevor die echte NHL dieses Mittel für sich entdeckte. Für zusätzliche Unterhaltung sorgten die Pausenanimationen, in denen entweder ein kleines Minispiel oder eine als Werbung getarnte Bärenfigur auftauchte, die für andere Konami-Titel wie Contra oder Jackal warb, eine erstaunlich frühe Form von In-Game-Werbung.


Als direkte Antwort brachte Nintendo im Januar 1988 sein eigenes Ice Hockey heraus, entwickelt gemeinsam mit Pax Softnica. Wo Blades of Steel auf Realismus setzte, ging Nintendo einen betont überzeichneten Weg: Die Spielerfiguren ließen sich in den Kategorien dünn, mittel und dick auswählen, wobei dünne Spieler zwar schnell, aber leicht umzuwerfen waren, während die dicken Kollegen zwar behäbig über das Eis schlitterten, dafür aber Schüsse von der roten Linie ins Tor donnern konnten. Statt lizenzierter NHL-Teams traten hier Nationalmannschaften wie die USA, Schweden, die Tschechoslowakei, Kanada, Polen und die Sowjetunion an, was dem Spiel eine internationale statt einer nordamerikanisch-ligalastigen Note verlieh. Der ebenso alberne wie spielerisch überraschend tiefgründige Ansatz verschaffte dem Titel bleibenden Kultstatus, unter anderem mit einer Platzierung unter den hundert besten NES-Spielen aller Zeiten in einer vielbeachteten IGN-Liste.


EA Sports betritt das Eis: Von NHL Hockey zu NHL '94


Den nächsten großen Entwicklungssprung leitete Anfang der Neunzigerjahre ein Unternehmen ein, das bis heute die virtuelle Eishockeywelt dominiert: Electronic Arts. Der Weg dorthin war allerdings von einer kuriosen Lizenzsituation geprägt. NHL Hockey erschien 1991 für den Sega Mega Drive und markierte den Startschuss der Franchise, wobei auf dem Cover prominent der Torhüter Kelly Hrudey abgebildet war, obwohl die echten Spielernamen im Spiel selbst noch gar nicht verwendet werden durften. In Europa erschien der Titel unter dem Namen EA Hockey und setzte dort mangels NHL-Lizenz auf zweiundzwanzig Nationalmannschaften. Die Fachpresse reagierte begeistert auf die zugänglichen Steuerung, die Optionsvielfalt und den Mehrspielermodus, das Fachmagazin Electronic Gaming Monthly kürte den Titel sogar zum besten Sportspiel des Jahres.


Die Lizenzsituation blieb jedoch kompliziert: Eine direkte Fortsetzung im Folgejahr gab es nicht, stattdessen erschien NHLPA Hockey '93, das zwar endlich die Namen der echten Spieler tragen durfte, mangels NHL-Lizenz aber weiterhin auf fiktive Teamnamen zurückgreifen musste. Erst mit NHL '94, veröffentlicht im Oktober 1993, einigten sich NHL und NHLPA gemeinsam mit EA, sodass zum ersten Mal sowohl echte Teams als auch echte Spielernamen im selben Spiel auftauchten. Der Titel avancierte umgehend zur Legende und gilt bei vielen Fans bis heute als das beste Eishockeyspiel aller Zeiten, komplett mit einem eigenen, bis in die Gegenwart fortlebenden „King of '94"-Turnier und einem popkulturellen Cameo im Kultfilm Swingers von 1996. Sein Erfolg beruhte nicht zuletzt auf der bemerkenswerten Anpassbarkeit: Spieler konnten Strafen, Abseitsregeln und weitere Parameter nach eigenem Geschmack justieren, ein Freiheitsgrad, der zur damaligen Zeit alles andere als selbstverständlich war.


Der Sprung in die dritte Dimension


Mit der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre hielt die dritte Dimension Einzug in die Serie. NHL 97 gilt als die erste vollständig 3D-gerenderte Ausgabe und führte zugleich Online-Mehrspielerfunktionen ein, sodass Fans erstmals gegeneinander antreten konnten, ohne sich physisch im selben Raum zu befinden, ein früher Vorbote der später alles durchdringenden Online-Gaming-Kultur. Die PC-Fassung von NHL 96 hatte zuvor bereits 3D-Elemente mit zweidimensionalen Spielertexturen kombiniert und die zwischenzeitlich gestrichenen Faustkämpfe zurückgebracht.


Einen weiteren wichtigen Schritt markierte NHL 99, das mit seinem Karrieremodus erstmals Elemente wie Spielerentwürfe, Transfers und sogar den Ruhestand einzelner Athleten simulierte und die Serie damit spürbar in Richtung Managementsimulation weiterentwickelte. Dieselbe Ausgabe war zudem die erste, die vollständig lizenzierte Musik bekannter Künstler wie David Bowie im Intro verwendete, ein Vorläufer des später etablierten EA Sports Trax-Konzepts. Die folgenden Jahre brachten eher Konsolidierung als Revolution: NHL 2000 ergänzte einen Turniermodus, während die beiden folgenden Ausgaben zunächst wenig substanzielle Neuerungen boten, ehe NHL 2002 mit verbesserter Physik, detaillierteren Spielermodellen und realistischeren Arenen wieder für frischen Wind sorgte.


Der ernsthafte Rivale: Die NHL-2K-Serie


So dominant EA Sports auch war, blieb die Konkurrenz nicht aus. Mit dem Start der Sega-Dreamcast-Konsole brachte Sega Sports im Februar 2000 die erste Ausgabe der NHL-2K-Serie heraus, die sich schnell als eines der wenigen Sega-All-Stars-Franchises etablierte. Der Nachfolger NHL 2K2 aus dem Jahr 2002 war zugleich das letzte für die Dreamcast erschienene Spiel überhaupt, kurz bevor Sega die Konsole endgültig einstellte. Mit NHL 2K3 gewann die Serie eigenständiges Profil: Erstmals gab es einen Franchise-Modus, und die Xbox-Fassung war zugleich das erste Online-Eishockeyspiel auf einer Konsole überhaupt. Die Reihe positionierte sich zunehmend als simulationsorientierte Alternative zum eher arcadelastigen EA-Ansatz.


Für Aufsehen sorgte 2004 ESPN NHL 2K5, das zu einem Kampfpreis von knapp zwanzig Dollar statt der damals üblichen fünfzig Dollar auf den Markt kam und damit ein deutlich breiteres, auch gelegentliches Publikum ansprach. Es sollte zugleich das letzte von Sega veröffentlichte und unter der ESPN-Marke laufende Spiel der Reihe sein, da sich EA kurz darauf die exklusiven Rechte an der ESPN-Marke für Sportspiele sicherte. Nach der Übernahme des Entwicklers Visual Concepts durch Take-Two erschien 2005 NHL 2K6 als Launch-Titel für die Xbox 360, mit erweitertem Franchise-Modus und einer neuen Torwartsteuerung. Die Serie hielt sich noch bis NHL 2K10, ehe NHL 2K11 im Jahr 2010 nur noch für iPhone und Wii erschien. Im Mai 2011 verkündete 2K Sports schließlich das endgültige Ende der Konsolenversionen der Reihe, womit EA Sports als alleiniger großer Publisher lizenzierter NHL-Spiele zurückblieb, eine Monopolstellung, die bis heute Bestand hat.


Feinschliff ohne Konkurrenzdruck: Skill Stick, Be a GM und mehr


Mit dem Wegfall des ernsthaften Konkurrenten hätte EA Sports theoretisch auf der Stelle treten können, tat dies jedoch nicht. NHL 07 führte die sogenannte Skill-Stick-Steuerung ein, die über den rechten Analogstick deutlich differenziertere Dekes und Schusstechniken ermöglichte und bis heute das Kernsteuerungskonzept der Serie prägt. NHL 10 wiederum läutete zu Beginn der 2010er-Jahre eine ganze Reihe technischer und spielerischer Fortschritte ein, darunter Einschüchterungstaktiken, präzises 360-Grad-Passspiel, eine intelligentere Torwart-KI sowie neue Modi wie Be a GM und Battle for the Cup. Auch die Präsentation entwickelte sich kontinuierlich weiter: Nachdem bereits NHL 97 eine Live-Kommentierung eingeführt hatte, prägte Jim Hughson die Serie über viele Jahre, ehe Gary Thorne von NHL 08 bis NHL 11 übernahm und schließlich Mike „Doc" Emrick von NHL 15 bis NHL 19 die Mikrofone bediente, jeweils mit dem Ziel, die virtuelle Erfahrung so nah wie möglich an echte Fernsehübertragungen heranzuführen.


Next-Gen-Stolperstart und die Rückkehr des Vertrauens


Der Konsolenwechsel zu PlayStation 4 und Xbox One brachte 2014 mit NHL 15 zwar einen sichtbaren visuellen Sprung, jedoch auch erhebliche Kontroversen. Zwar integrierte das Spiel erstmals die NHL-on-NBC-Präsentation mitsamt digital eingefügten Videosequenzen der Kommentatoren Mike Emrick und Eddie Olczyk sowie der Eisrandanalystin Ray Ferraro, ein für damalige Sportspiele revolutionärer Schritt. Allerdings fehlten beliebte Modi wie GM Connected, Live the Life, die NHL-94-Jubiläumsausgabe und der Mehrspielermodus EA Sports Hockey League komplett, da sich das Entwicklerteam laut eigener Aussage zunächst auf den technischen Unterbau der neuen Konsolengeneration konzentrieren wollte. Die Enttäuschung unter langjährigen Fans war entsprechend groß, und EA reagierte mit einer Serie kostenloser Updates im Herbst 2014, die schrittweise Funktionen wie den Playoff-Modus und Online Team Play nachlieferten. Die Kurskorrektur gelang schließlich mit NHL 16 im Jahr 2015, das mit Jonathan Toews als Covergesicht antrat und dank der Rückkehr der EA Sports Hockey League sowie generell verbesserter Modi deutlich positivere Kritiken einfuhr.


Eishockey ohne Grenzen: Die internationale Erweiterung


Parallel zur technischen Weiterentwicklung wuchs die Serie auch geografisch immer weiter. Neben der NHL selbst integrierte EA im Laufe der Jahre Nachwuchsligen wie die American Hockey League und die ECHL sowie kanadische Juniorenligen, dazu europäische Topligen aus Russland, Schweden, Finnland, Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien. Eine eigens für den nordischen Markt konzipierte Fassung von NHL 2001 brachte die finnische SM-Liiga und die schwedische Hockeyliga ins Spiel, während die deutsche DEL 2004 folgte. Die tschechische Tipsport Extraliga kam mit NHL 07 hinzu, die Schweizer NLA mit NHL 10, sodass Spieler ihre Karrieremodi längst nicht mehr auf Nordamerika beschränken mussten.


Die Gegenwart: Fotorealismus, Chel-Kultur und Connected Franchise


Die vergangenen Jahre haben die Serie an einen Punkt geführt, an dem Realismus kaum mehr steigerbar erscheint. Spielergesichter werden per Gesichtsscan eingefangen, Arenen bis ins Detail nachgebildet, Physik-Engines simulieren selbst den Schlägerflex und die Eisspur bei harten Bremsmanövern. Aus dem einstigen Online-Modus ist längst eine eigene Subkultur geworden, die von der Community schlicht „Chel" genannt wird. Mit NHL 25 sorgte EA 2024 für ein kleines Novum in der Videospielgeschichte, als mit Quinn Hughes und Jack Hughes zwei Brüder gemeinsam auf dem Deluxe-Cover posierten, ergänzt um ihren dritten Bruder Luke, das erste Mal überhaupt, dass drei Geschwister gemeinsam auf einem Spielecover erschienen. NHL 26 folgte im September 2025 mit Matthew Tkachuk als Aushängeschild.


Die aktuellste Ausgabe, NHL 27, erscheint am 11. September 2026 exklusiv für PlayStation 5 und Xbox Series X/S und bringt mit Macklin Celebrini von den San Jose Sharks ein junges Gesicht auf das Cover. Im Zentrum der diesjährigen Neuerungen steht die Rückkehr des Connected-Franchise-Modus, der es Spielern nach fast dreizehn Jahren Pause wieder erlaubt, gemeinsam mit Freunden eine komplette Online-Liga mit bis zu zweiunddreißig menschlich gesteuerten Teams zu betreiben, inklusive flexibler Terminplanung, umfangreicher Kaderverwaltung und Kommissar-Werkzeugen für die Ligaverwaltung. Ergänzt wird dies durch eine überarbeitete Präsentation, die auf echten NHL-EDGE-Daten basiert, um die Spielweise jedes einzelnen Teams authentischer abzubilden, dazu alle zweiunddreißig Arenen mit eigens nachgebauter Atmosphäre, originalen Torschusshymnen und einem komplett erneuerten Kommentatorenteam rund um John Buccigross und Darren Pang.


Ein Fazit auf dünnem Eis


Vom groben Pong-Ableger über Alan Millers bahnbrechendes Ice Hockey, die raubeinigen Faustkämpfe in Blades of Steel, die Comicfiguren des Nintendo-Pendants und den jahrelangen Zweikampf zwischen EA Sports und der 2K-Serie bis hin zu den datengetriebenen, broadcast-tauglichen Simulationen der Gegenwart erzählt die Geschichte der Eishockey-Videospiele eigentlich immer dieselbe Geschichte: den Versuch, die Geschwindigkeit, die Physis und die Emotion eines der schnellsten Mannschaftssports der Welt in ein digitales Format zu übersetzen. Jede Generation hat dabei ihre eigene Antwort gefunden, und jede dieser Antworten, von der Sprachausgabe in Blades of Steel über den Skill Stick bis zur Connected-Franchise-Rückkehr in NHL 27, trägt ein Stück der Vision ihrer jeweiligen Entwickler in sich. Wohin die Reise als Nächstes geht, ob mit virtueller Realität, künstlicher Intelligenz oder cloudbasiertem Spielen, bleibt offen. Der Kern der Faszination dürfte sich dabei kaum ändern: das Gefühl, einen Treffer zu erzielen, eine Dynastie aufzubauen und mit Freunden gemeinsam über das virtuelle Eis zu fegen.

EA Sports NHL 27 (Deluxe Edition, PS5) im Test: Die Serie findet zurück aufs Eis


EA Sports NHL 27 ist die aktuelle Ausgabe der wohl langlebigsten Eishockeysimulation der Videospielgeschichte und erscheint am 11. September 2026 exklusiv für PlayStation 5 und Xbox Series X/S. Wer sich für die getestete Deluxe Edition entschieden hat, war ohnehin schon seit dem 4. September mit sieben Tagen Vorabzugang auf dem Eis unterwegs, ehe der reguläre Verkaufsstart überhaupt begonnen hat. Nach zwei eher durchwachsenen Jahren für die Serie ist das ein guter Zeitpunkt für einen Neustart, und EA Vancouver nutzt ihn spürbar: NHL 27 tritt weniger als radikale Neuerfindung auf, dafür aber als spürbar durchdachtere, liebevoller inszenierte Ausgabe, die an vielen Stellen genau dort ansetzt, wo es die Community am lautesten gefordert hat.


Ein Eröffnungston, der sitzt: Präsentation und Atmosphäre


Der erste Eindruck, den NHL 27 hinterlässt, ist zugleich der stärkste Trumpf der gesamten Produktion. Sämtliche zweiunddreißig NHL-Arenen wurden mit spürbar mehr Liebe zum Detail nachgebaut, komplett mit vereinsspezifischen Torschusshymnen, individuellen Einlaufzeremonien und einer Zuschauerkulisse, die sich hörbar von Stadion zu Stadion unterscheidet. Wer als Fan der Boston Bruins in die Partie startet und beim ersten Treffer das vertraute Nebelhorn des TD Garden gefolgt von den unverwechselbaren Klängen von Kernkraft 400 hört, merkt sofort, wie viel Sorgfalt in diese akustische Identität geflossen ist. Auch die Präsentation drumherum wurde spürbar aufgefrischt, mit neuen Übertragungsgrafiken, überarbeiteter Kamerarbeit vor dem Bully und deutlich lebendigeren Wiederholungen. Verantwortlich für die Einordnung des Geschehens zeichnet ein komplett neues Kommentatorenduo: John Buccigross, langjährige Play-by-Play-Stimme bei ESPN mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Eishockeyberichterstattung, bildet gemeinsam mit dem ehemaligen NHL-Torhüter Darren Pang, der nach seiner aktiven Karriere den Sprung ins Fernsehstudio schaffte und dort für seine pointierten Analysen bekannt wurde, ein Gespann, das dem Geschehen auf dem Eis eine angenehm authentische, oft überraschend reaktionsschnelle Einordnung verleiht. Gerade wenn ein Spiel eng wird oder ein Torhüter eine besonders sehenswerte Parade zeigt, treffen die beiden Kommentare erstaunlich passgenau den Moment, und man merkt jeder Zeile an, wie viel Aufnahmematerial hier eingesprochen wurde. Es ist die bislang stimmigste audiovisuelle Inszenierung, die die Serie je geboten hat.


Spielgefühl: Feinschliff, der sich lohnt


Unter der Haube hat EA Vancouver in diesem Jahr vor allem an den Nuancen gearbeitet, und genau diese Nuancen machen im Detail einen echten Unterschied. Zentrales Verkaufsargument sind die überarbeiteten Team-Playbooks, die auf echten NHL-EDGE-Daten sowie einem neuen taktischen Unterbau namens ICE-Q basieren und jedem der zweiunddreißig Teams eine eigene taktische Handschrift verleihen, vom Ausbruch aus der eigenen Zone bis hin zum Verhalten in den Schlussminuten enger Partien. Wer sich die Zeit nimmt, mit unterschiedlichen Mannschaften zu spielen, wird durchaus belohnt: Ein defensiv eingestelltes Team wie die New Jersey Devils fühlt sich spürbar anders an als ein offensivfreudiges Team wie die Edmonton Oilers, und diese Unterschiede tragen tatsächlich zur Wiederspielbarkeit bei. Noch deutlicher fallen die Fortschritte bei den Torhütern aus, die mit mehr als achtzig neuen Parade-Animationen ausgestattet wurden und nun spürbar überzeugender auf Alleingänge, Abpraller und Two-on-one-Situationen reagieren, eine Position, die in Eishockeyspielen traditionell eher stiefmütterlich behandelt wird und hier tatsächlich einen echten Sprung nach vorn macht. Auf physischer Ebene liefert vor allem das Zusammenspiel mit dem DualSense-Controller ein wunderbares Detail: Wer mit einem DualSense oder DualSense Edge spielt, spürt beim Gleiten über das Eis feine, rhythmische Vibrationsimpulse, die sich an den Schrittfolgen der eigenen Spielfigur orientieren, ein kleiner, aber sehr stimmungsvoller Baustein, der das Spielgefühl angenehm greifbar macht. Natürlich ist ein jährlich erscheinendes Sportspiel nie völlig frei von Ausreißern, vereinzelt sorgen ungewöhnliche Laufwege oder überraschende Abseitspfiffe für Stirnrunzeln, doch im großen Ganzen spielt sich NHL 27 spürbar runder und reaktionsfreudiger als sein Vorgänger.


Connected Franchise: Ein vielversprechender erster Schritt


Die mit Abstand meistbeworbene Neuerung dieser Saison ist die Rückkehr des Connected-Franchise-Modus, der seit dem inzwischen fast dreizehn Jahre zurückliegenden NHL 14 nicht mehr Teil der Serie war und von der Community entsprechend sehnsüchtig herbeigewünscht wurde. Grundsätzlich erlaubt der Modus, gemeinsam mit Freunden eine geteilte Online-Liga mit bis zu zweiunddreißig menschlich gesteuerten Teams aufzubauen, inklusive anpassbarer Ligaeinstellungen, flexibler Terminplanung, Kaderverwaltung und umfangreicher Kommissar-Werkzeuge für Gehaltsobergrenzen, Spielzeitlänge oder Playoff-Formate. Für kleinere, eingeschworene Freundesrunden, die ohnehin regelmäßig gemeinsam zocken, ist das bereits jetzt ein echter Gewinn: Eine Liga mit drei, sechs oder zehn Mitspielern lässt sich unkompliziert aufsetzen, das Handling von Transfers und Vertragsverhandlungen funktioniert zuverlässig, und das gemeinsame Erlebnis, live gegeneinander um Punkte zu spielen, bringt genau jenen sozialen Reiz zurück, den viele Fans seit Jahren vermisst haben. Wer sich allerdings eine komplette, computergestützt aufgefüllte 32-Team-Liga erhofft hatte, muss sich in dieser ersten Ausgabe noch gedulden, da fehlende Teams derzeit nicht von der KI übernommen werden und auch Elemente wie ein Entry Draft oder eine saisonübergreifende Statistikführung noch nicht enthalten sind. Betrachtet man den Modus als das, was er ist, nämlich ein erster, mit sichtbarem Aufwand umgesetzter Neustart nach dreizehn Jahren Pause, lässt sich gut nachvollziehen, warum EA hier zunächst auf ein überschaubareres, dafür stabil funktionierendes Grundgerüst gesetzt hat, auf dem sich in kommenden Ausgaben aufbauen lässt.


Be a Pro, HUT und World of Chel: Vertraute Stärken


Abseits der großen Neuerung setzen die übrigen Modi bewusst auf Kontinuität. Der Karrieremodus Be a Pro legt in dieser Ausgabe einen stärkeren Fokus auf Führungsqualitäten und den Weg zum Mannschaftskapitän, was der eigenen Spielerkarriere ein klareres, greifbares Ziel gibt und dem Fortschrittsgefühl zugutekommt. Hockey Ultimate Team bleibt seiner bewährten Formel treu und bietet mit dem Ikonen-Auswahlpaket, den Heroes-Karten und den täglichen Zielen weiterhin reichlich Anreiz zum Sammeln, während der Mehrspielermodus World of Chel die aus den Vorjahren bekannte, gut eingespielte Formel fortsetzt und mit saisonalen Fortschrittssystemen frischen Wind hineinbringt.


Technik und Stabilität


Auf der PS5 läuft NHL 27 überwiegend flüssig und profitiert sichtbar von den überarbeiteten Arenen und Lichtstimmungen, die gerade im direkten Vergleich zur Vorjahresausgabe einen echten optischen Sprung darstellen. Vereinzelt gibt es noch kleinere technische Ausreißer, etwa bei Wiederholungssequenzen nach Torjubeln, wie es bei einem jährlich erscheinenden Sportspiel mit entsprechend engem Entwicklungsfenster leider nie ganz auszuschließen ist. Angesichts des insgesamt sehr soliden Gesamteindrucks fallen diese kleinen Unebenheiten aber kaum ins Gewicht.


Die Deluxe Edition: Ein großzügiges Startpaket


Wer sich für die Deluxe Edition entscheidet, erhält neben dem eigentlichen Spiel ein wirklich großzügiges Zusatzpaket. Neben dem bereits erwähnten Vorabzugang von sieben Tagen liegen der Deluxe Edition ein üppiges Kontingent an virtueller Ingame-Währung sowie mehrere Kartenpakete für Hockey Ultimate Team bei, darunter ein Auswahlpaket mit hochwertigen Ikonen-Karten früherer Stars wie Scott Stevens oder Duncan Keith, ein weiteres Paket mit begehrten HUT-Heroes-Karten sowie ein Fan-Auswahlpaket, das sich um ein selbst gewähltes Team samt zugehöriger Arena und Trainerkarte dreht. Hinzu kommen ein spezielles, an Coverstar Macklin Celebrini angelehntes Ausrüstungsset für World of Chel sowie doppelte Erfahrungspunkte-Tokens für ebendiesen Modus. Für Spieler, die ohnehin regelmäßig in Hockey Ultimate Team oder World of Chel unterwegs sind, ist der Aufpreis gegenüber der Standardversion durchaus gut investiert, und auch alle anderen profitieren zumindest vom komfortablen früheren Einstieg vor dem offiziellen Verkaufsstart.


Fazit


NHL 27 ist die Ausgabe, die viele langjährige Fans der Serie sich nach den durchwachsenen letzten Jahren gewünscht haben. Mit einer der bislang stärksten audiovisuellen Präsentationen der Seriengeschichte, spürbar verbesserten Torhütern, einem hörbar aufgewerteten Kommentatorenduo und der lange vermissten Rückkehr von Connected Franchise zeigt EA Vancouver deutlich, dass man die Wünsche der Community ernst nimmt. Der neue Liga-Modus ist dabei noch nicht der ganz große Wurf, sondern eher ein vielversprechender erster Schritt, der schon jetzt für kleinere Freundesrunden richtig viel Spaß macht und Raum für Ausbau in den kommenden Jahren lässt. Wer Wert auf Atmosphäre, ein rundes Spielgefühl und ein sozial verbindendes Liga-Erlebnis legt, macht mit NHL 27 in der Deluxe Edition alles richtig und bekommt die bislang stimmigste Inszenierung der Franchise.