Tulsa King – Staffel 3 (DVD-Kritik)
Wenn ein alternder Mafioso im Osten seinen Stallplatz verliert und im Westen ein neues Königreich errichtet, dann ist das erzählerisch längst kein Novum mehr – doch Taylor Sheridan und sein Autorenteam haben mit „Tulsa King" bewiesen, dass sich aus dieser Prämisse noch immer frisches Terrain gewinnen lässt. Mit der dritten Staffel, die Paramount Pictures nun im Vertrieb von Leonine am 12. Oktober als DVD-Box in den deutschen Handel bringt, wächst die Serie über sich hinaus: Aus dem Geschichtchen vom Gangster im Exil ist ein ausgewachsenes Familienepos mit Wildwest-Einschlag geworden, in dem organisiertes Verbrechen auf altes Südstaaten-Geld trifft.
Ein Imperium unter Beschuss
Zehn Episoden lang beobachten wir, wie Dwight Manfredi, besser bekannt als „The General", seinen mühsam aufgebauten Besitzstand in Tulsa gegen einen Gegner verteidigen muss, der nicht mit Fäusten oder Pistolen, sondern mit Anwälten, Kapital und jahrzehntealten Seilschaften kämpft. Die Dunmires, eine Familie, die ihr Vermögen im Spirituosengeschäft gemacht hat, betrachten Oklahoma als ihr ererbtes Territorium und Dwights kriminelles Start-up als lästige Anmaßung eines Fremden. Die Handlung verknüpft dabei geschickt mehrere Fronten: Während Dwight um die Kontrolle über einen raren, jahrzehntealten Bourbon-Bestand kämpft und parallel versucht, eine eigene Spirituosenmarke aus der Taufe zu heben, gerät seine Crew ins Fadenkreuz eines FBI-Agenten mit persönlicher Agenda, und private Altlasten aus New York holen ihn zusätzlich ein. Die Staffel steigert sich dabei spürbar in ihrem Tempo – was als Textilhandel mit Familienfehde beginnt, mündet folgerichtig in einen offenen Krieg, bei dem am Ende nicht nur Geschäftsbeziehungen, sondern Menschenleben auf dem Spiel stehen.
Bemerkenswert ist, wie sehr sich die Serie diesmal traut, ihre Genregrenzen zu verwischen. Die Verbindung von Mafia-Drama und Südstaaten-Western, die schon in den ersten beiden Staffeln angelegt war, wird hier konsequent zu Ende gedacht: Pferdekoppeln und Nachtclubs, Nadelstreifenanzüge und Cowboystiefel existieren nebeneinander, ohne dass sich die Tonlage jemals in reine Parodie verabschiedet.
Die tragenden Figuren
Naturgemäß steht und fällt „Tulsa King" mit Sylvester Stallone, der Dwight Manfredi seit der ersten Staffel eine Mischung aus altersweiser Gelassenheit und jäh aufflackernder Gewaltbereitschaft verleiht. Stallone, der sich in seiner langen Karriere vor allem als physische Präsenz einen Namen gemacht hat, nutzt hier vor allem sein komödiantisches Timing und einen trockenen, fast väterlichen Humor, der die Figur vor der reinen Abziehbild-Gangster-Nummer bewahrt. In dieser Staffel bekommt er endlich einen Widersacher, der ihm ebenbürtig gegenübertritt: Robert Patrick, dem Publikum seit seiner Rolle als metallischer Antagonist in „Terminator 2" ein Begriff und zuletzt in „1923" zu sehen, verkörpert mit Jeremiah Dunmire einen Patriarchen, dessen Bedrohlichkeit nicht aus Lautstärke, sondern aus einer eisigen Selbstverständlichkeit der Macht erwächst. Sein Sohn Cole, gespielt von Beau Knapp, den man unter anderem aus „SEAL Team" kennt, liefert dazu den unberechenbaren Kontrapunkt – ein verwöhnter Erbe mit Waffennarr-Attitüde, der seinem Vater mehr Kopfschmerzen bereitet, als ihm lieb sein dürfte.
Bella Heathcote, bekannt aus Filmen wie „The Neon Demon", tritt als Cleo Montague hinzu, Tochter eines Brennerei-Besitzers, deren Beziehung zu Dwights Vertrautem Mitch Keller (Garrett Hedlund) zusätzliche emotionale Verstrickung in das Geschäftsgeflecht bringt. Neal McDonough, ein Schauspieler mit einer beeindruckend langen Liste an Fernsehauftritten von „Justified" bis „Yellowstone", kehrt als der eiskalte Geschäftsmann Cal Thresher zurück und bringt seine aus früheren Rollen bekannte Fähigkeit mit, unterkühlte Bösartigkeit mit staatsmännischer Höflichkeit zu verbinden. Kevin Pollak gibt als FBI-Agent Musso einen Ermittler mit eigener, nicht ganz sauberer Motivation, während aus dem Stammensemble Andrea Savage als Stacy Beale, Jay Will als Fahrer Tyson Mitchell, Martin Starr als Finanzberater Bodhi und Annabella Sciorra als Dwights Schwester Joanne der Serie ihre vertraute familiäre Wärme zurückgeben. Ein besonderes Bonbon für Fans dürfte zudem der Auftritt von Samuel L. Jackson sein, der als Russell Lee Washington Jr. eine neue Verbindung zu Dwights Vergangenheit knüpft und der Staffel damit noch einmal zusätzliches Gewicht verleiht.
Verpackung und Erscheinungsbild
Leonine bringt die dritte Staffel als schlichte, aber solide verarbeitete DVD-Ausgabe in den Handel, die sich äußerlich unaufgeregt in die bestehende Reihe der ersten beiden Staffeln einfügt. Wer auf ein aufwendiges Mediabook oder ein Steelbook gehofft hatte, wird hier nicht bedient – die Veröffentlichung setzt stattdessen auf ein funktionales Amaray-Format mit drei Discs, das sich klar an ein Publikum richtet, das in erster Linie die Inhalte und nicht die Sammler-Optik im Blick hat. Für eine Krimiserie, die von ihrer erdigen, unprätentiösen Atmosphäre lebt, passt diese zurückhaltende Präsentation durchaus ins Gesamtbild.
Technische Präsentation
Auf den drei Silberscheiben verteilen sich die zehn Episoden der Staffel mit einer Gesamtlaufzeit von rund 401 Minuten. Das Bild liegt im für Fernsehproduktionen mittlerweile üblichen Breitbildformat von 2,35:1 vor, wodurch die weiten, oft in Oklahoma und Umgebung Atlantas gedrehten Landschaftsaufnahmen angemessen zur Geltung kommen. Tonseitig bietet die Veröffentlichung sowohl die deutsche Synchronfassung als auch den englischen Originalton, jeweils in Dolby Digital 5.1, ergänzt um eine französische Tonspur in gleicher Qualität. Untertitel liegen in deutscher und französischer Sprache vor, zusätzlich in einer für Hörgeschädigte angepassten englischen Fassung. Als DVD-Auflage bewegt sich die Bildschärfe naturgemäß im Rahmen des Formats – wer die Serie in ihrer vollen visuellen Wucht erleben möchte, wird eher zu einer hochauflösenden Streaming-Wiedergabe greifen, doch für Sammler, die Wert auf physischen Besitz legen, bietet diese Ausgabe eine solide und alltagstaugliche Basis.
Fazit
„Tulsa King" gelingt mit seiner dritten Staffel ein bemerkenswerter Spagat: Die Serie bleibt sich in ihrem Humor und ihrer Zuneigung zu ihren Figuren treu, gewinnt zugleich aber an erzählerischer Härte und epischer Statur hinzu. Mit den Dunmires hat man endlich einen Gegner gefunden, der Dwight Manfredi ernsthaft in Bedrängnis bringt, und das grandios besetzte Ensemble rund um Robert Patrick, Beau Knapp und Neal McDonough sorgt dafür, dass der Machtkampf um Tulsa nie an Spannung verliert. Die DVD-Veröffentlichung von Paramount Pictures im Vertrieb von Leonine liefert dazu eine funktionale, wenn auch extrasarme Verpackung dieser überzeugenden Staffel.