Diablo IV: Age of Hatred Collection (Nintendo Switch 2) – Sanctuary im Hosentaschenformat


Die Hölle bekommt ein Nintendo-Zuhause


Lange hieß es, Diablo IV passe nicht auf Nintendos Hardware, und wenn doch, dann nur als Kompromiss. Blizzard hatte die Frage nach einer Umsetzung wiederholt mit dem Hinweis auf die Tücken von Live-Service-Spielen auf Nintendo-Systemen beantwortet. Mit der Age of Hatred Collection ist die Debatte nun beendet: Das Action-Rollenspiel erscheint am 15. September 2026 exklusiv für die Switch 2 und bringt gleich alles mit, was Sanctuary derzeit zu bieten hat. Das Basisspiel, die Erweiterung Vessel of Hatred mit der Spiritborn-Klasse und der Nahantu-Region sowie das jüngere Lord of Hatred samt Ausflug auf die Inseln von Skovos sind enthalten. Auch die Saison Hell’s Legacy startet zeitgleich und ist Teil des Pakets. Der Preis von 69,99 Euro ist saftig, gemessen an dem, was man bekommt, aber nachvollziehbar.


Für Neueinsteiger ist das ein ungewöhnlich bequemer Einstieg, denn die jahrelange, zerstückelte Entwicklung der PC- und Konsolenfassungen wird auf einen Schlag nachgeholt. Für Veteranen stellt sich die Frage, ob sich der Zweitkauf lohnt, nur um Sanctuary unterwegs zu spielen. Genau das wollen wir klären.


Die Geschichte: Von Lilith zu Mephisto und darüber hinaus


Die Kampagne des Hauptspiels erzählt vom Erwachen Liliths, der Tochter Mephistos, die nach Sanctuary zurückgekehrt ist, um die Welt nach ihrem Willen zu formen. Blizzard setzt dabei auf einen düsteren, fast schon gotischen Grundton, der nach dem eher bunten Diablo III bewusst zu den Wurzeln der Reihe zurückkehrt. Die Zwischensequenzen gehören nach wie vor zum Besten, was das Studio hervorgebracht hat, und die Figuren um Lorath, Donan und Inarius verleihen der Handlung eine Tragik, die man in Genrekollegen selten findet. Dass die Erzählung hier und da holpert und der Mittelteil Tempo verliert, gehört zur ehrlichen Bilanz.


Vessel of Hatred führt die Geschichte in den Dschungel von Nahantu und stellt Mephisto ins Zentrum, während Lord of Hatred den Spieler weiter in unbekannte Gefilde führt. Wer alles am Stück spielt, erlebt einen erstaunlich zusammenhängenden Erzählbogen, der in der Kollektion deutlich besser zur Geltung kommt als in der Erstveröffentlichung, in der man auf die nächsten Kapitel warten musste.


Spielprinzip: Beute, Builds und der Reiz des Immer-noch-eins-mehr


Im Kern ist Diablo IV das, was man sich von einem Diablo erhofft: Man wählt aus Barbar, Druide, Nekromant, Schurke, Zauberer und der Spiritborn-Klasse aus der Erweiterung, zerlegt Horden von Dämonen und sammelt Ausrüstung, die den eigenen Charakter Stück für Stück zur Abrissbirne formt. Das Fertigkeitensystem mit seinen Verzweigungen, das Paragon-Brett im Endgame und die Vielzahl an Aspekten, Runenwörtern und Söldnern sorgen für eine Buildvielfalt, die selbst Genrekenner monatelang beschäftigt. Die offene Welt lädt zum Erkunden ein, ohne einen zu erschlagen, und die Weltereignisse, Höllenfluten, Albtraumdungeons und die Grube liefern den Nachschub an Herausforderungen, der ein Endgame erst tragfähig macht.


Man merkt dem Spiel an, dass es über Jahre gereift ist. Viele der Kritikpunkte, die zum Start berechtigt waren, etwa die zähe Levelkurve, die etwas seelenlose Weltgestaltung und die teils undurchsichtige Beutelogik, wurden durch Patches und Erweiterungen deutlich entschärft. Die Age of Hatred Collection zeigt Diablo IV im bislang reifsten Zustand.


Technische Präsentation: Handheld-Hölle im Praxistest


Hier trennt sich bei jeder Portierung die Spreu vom Weizen. Blizzard bietet auf der Switch 2 zwei Grafikmodi an. Der Qualitätsmodus rendert im angedockten Betrieb mit 1440p, der Leistungsmodus soll die Bildrate stabilisieren. Als Zielwert nennt Blizzard 40 Bilder pro Sekunde. Das ist ein Kompromiss zwischen dem Flüssigkeitsgefühl von 60 fps und der visuellen Wucht, der auf den VRR-fähigen Displays der Switch 2 gut funktionieren sollte. Und das tut es in der Praxis auch.


Die Optik überzeugt vor allem durch ihre Atmosphäre. Blizzards Lichtstimmung, die schmutzigen Farbpaletten und die detailreichen Kryptenräume entfalten auch auf dem kleineren Bildschirm ihre Wirkung, und die HDR-Unterstützung hebt Feuerzauber und Blutspritzer angenehm hervor. Der Klang bleibt ein Höhepunkt der Reihe: Der bedrohliche Soundtrack und die druckvollen Kampfgeräusche gehören zum Besten, was man in dieser Klasse hört, gerade mit guten Kopfhörern im Handheld-Betrieb.


Steuerung und Komfort: Controller, Touchscreen und Maus


Diablo IV spielt sich mit dem Controller erstaunlich natürlich, und das gilt auch auf der Switch 2. Die Tastenbelegung lässt sich ordentlich anpassen, das Rumble-Feedback unterstreicht Treffer und Fertigkeiten, und die Touchscreen-Bedienung der Menüs erleichtert den Umgang mit Inventar und Paragon-Brett, denn das Sortieren von Beute per Fingertipp ist deutlich angenehmer als das Navigieren mit dem Stick. Wer es klassisch mag, darf sogar per USB Maus und Tastatur anschließen, was für Diablo-Puristen ein unerwartetes, aber willkommenes Geschenk ist. Zusätzlich sind mehrere Barrierefreiheitsoptionen an Bord, und GameChat wird unterstützt. 


Online-Anbindung: Fluch und Segen zugleich


Der größte Diskussionspunkt neben der Leistung dürfte die Pflicht zur permanenten Internetverbindung sein. Wie auf allen anderen Plattformen braucht Diablo IV auch auf der Switch 2 ein Battle.net-Konto und eine dauerhafte Verbindung, selbst für die Solokampagne. Online-Funktionen wie Crossplay setzen zudem eine aktive Nintendo-Switch-Online-Mitgliedschaft voraus. Wer viel unterwegs spielt, sollte das im Hinterkopf behalten: Im Zug mit wackligem WLAN oder im Flugzeugmodus bleibt die Hölle verschlossen. Das ist ein echter Nachteil des Handheld-Gedankens, den Blizzard nicht wegdiskutieren kann.


Dem gegenüber steht ein starkes Argument: Dank Cross-Progression und Crossplay lässt sich der eigene Fortschritt zwischen Plattformen mitnehmen, und auch Käufe wandern mit. Wer bereits auf PC oder Konsole seine Charaktere hochgezogen hat, kann sie über das verknüpfte Battle.net-Konto auf der Switch 2 weiterspielen. Gerade für Viel- und Langzeitspieler ist das ein Pluspunkt, der den Zweitkauf deutlich attraktiver macht.


Verpackung und Edition


Die physische Fassung verzichtet auf ein klassisches Modul und liefert stattdessen einen Schlüssel für den Download. Das ist bei einer so umfangreichen Kollektion nachvollziehbar, kostet aber ein Stück Sammlerreiz. Digital wie physisch gilt: Das Paket enthält Hauptspiel und beide Erweiterungen, sodass man sich um keinerlei Nachkäufe kümmern muss.


Bonusinhalte und Langzeitmotivation


Zusatzmaterial im klassischen Sinne bietet die Kollektion nicht, wohl aber eine Fülle an Spielinhalten, die sich wie Bonusmaterial anfühlen. Saisonale Events, die neue Saison Hell’s Legacy, Battle Pass und Endgame-Aktivitäten wie die Grube oder Infernale Horden sorgen dafür, dass man auch nach dem Abspann noch reichlich Beschäftigung findet. Wer ein Faible für Optimierung, Sammeln und Feinschliff hat, kann hier hunderte Stunden versenken. Als Wermutstropfen bleibt der Shop mit seinen Kosmetikangeboten, der im Vergleich zum Vollpreistitel weiterhin etwas dreist wirkt, auch wenn er keinen spielerischen Vorteil verschafft.


Fazit


Diablo IV auf der Switch 2 ist keine abgespeckte Notlösung, sondern der Versuch, das komplette Erlebnis auf Nintendos Hardware zu bringen. Das gelingt weitgehend: Spielumfang, Steuerungsoptionen und Plattformübergreifung sind vorbildlich, die Mischung aus Kampagne, Buildvielfalt und Endgame ist auch nach Jahren noch stark. Abzüge gibt es für die Pflicht zur Dauerverbindung, den hohen Preis und den Umstand, dass die Leistung im Handheld-Modus hinter der Konkurrenz auf stärkerer Hardware zurückbleiben dürfte. Wer Diablo IV noch nicht kennt und ein Nintendo-Gerät besitzt, bekommt hier das vollständigste Paket, das es je gab. Wer schon auf anderen Plattformen unterwegs ist, kann durch Cross-Progression risikolos einsteigen und das Spiel um die mobile Komponente erweitern.