Moonlighter 2: The Endless Vault im Test: Der Krämerladen wird dreidimensional
Acht Jahre ist es her, dass das spanische Studio Digital Sun mit dem ersten Moonlighter einen echten Sleeper-Hit ablieferte und die ungewöhnliche Kombination aus nächtlichem Dungeon-Crawling und tagsüber betriebenem Ladengeschäft zu einem eigenständigen kleinen Subgenre machte. Nun folgt mit Moonlighter 2: The Endless Vault der lang erwartete zweite Teil, der nach einer ausgedehnten Early-Access-Phase seit dem 2. September in der Version 1.0 für PlayStation 5, PC, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2 erhältlich ist. Herausgegeben wird das Spiel erneut von 11 bit studios, während die Entwicklung weiterhin in den Händen von Digital Sun liegt. Ich habe mir die PS5-Fassung ausführlich angeschaut und geprüft, ob der Sprung in die dritte Dimension dem Konzept guttut oder ob der Zauber des Originals dabei verloren geht.
Handlung und Ausgangslage
Erzählerisch knüpft der zweite Teil direkt an die Ereignisse des Vorgängers an, auch wenn zu Beginn eine kurze Zusammenfassung dafür sorgt, dass auch Neueinsteiger ohne Vorkenntnisse problemlos ins Geschehen finden. Protagonist Will und die übrigen Bewohner des vertrauten Städtchens Rynoka werden zu Beginn der Geschichte von einem multiversalen Eroberer namens Moloch in die Zwischendimensionen verschlagen, nachdem dieser ihre Heimat übernommen hat. In der neuen Ansiedlung Tresna angekommen, baut Will sein Reliktgeschäft, den titelgebenden Moonlighter, erneut auf und stößt dabei auf den namensgebenden Endless Vault, einen mysteriösen schwebenden Würfel, der ihm die Erfüllung seiner Träume verspricht, sollte er es schaffen, als erfolgreicher Händler zwischen den Welten zu bestehen. Die Prämisse ist erneut angenehm simpel gehalten und dient in erster Linie als solider Rahmen für die beiden zentralen Spielmechaniken: das Kämpfen in den Tiefen der Dungeons und das anschließende gewinnbringende Verkaufen der erbeuteten Schätze.
Das Kernprinzip: Erkunden, Kämpfen, Verkaufen
Wer den ersten Teil kennt, findet sich im grundlegenden Spielprinzip von Moonlighter 2 rasch zurecht, auch wenn Digital Sun an praktisch jeder Ecke Anpassungen und Erweiterungen vorgenommen hat. Nach wie vor zieht Will bei Nacht in prozedural generierte Dungeons, um dort Rohstoffe und Relikte zu sammeln, während er tagsüber seinen Laden betreibt und die gesammelte Beute an die Kundschaft von Tresna verkauft. Neu hinzugekommen ist dabei eine waschechte Roguelike-Struktur mit verzweigten Pfaden innerhalb der einzelnen Expeditionen, die dem eigentlich schon aus dem ersten Teil bekannten Konzept eine deutlich höhere Wiederspielbarkeit verleiht. Dieses Format passt überraschend gut zum bestehenden Fundament und fühlt sich an, als hätte es von Anfang an dazugehört.
Deutlich spürbar verändert hat sich zudem das Kampfsystem. Will greift inzwischen nicht mehr nur zu einer von vier Nahkampfwaffenkategorien, sondern trägt zusätzlich eine Schusswaffe bei sich, deren Munition sich durch erfolgreiche Nahkampftreffer wieder auflädt. Dieses Zusammenspiel belohnt aggressives Vorgehen und sorgt dafür, dass das Kampftempo konstant hoch bleibt, ohne dass man sich durch reines Fernkampf-Kiting durch die Gegnerhorden schießen könnte. Im Verlauf der Expeditionen sammelt Will darüber hinaus temporäre Schriftrollen, Verstärkungen und Zaubersprüche ein, während parallel dauerhafte Ausrüstungs- und Fähigkeitsverbesserungen den langfristigen Fortschritt sichern. Wer bereits Hades 2 gespielt hat, wird sich in diesem Zusammenspiel aus kurzfristigen Run-Boni und permanenter Progression schnell heimisch fühlen, was dem Kampfsystem insgesamt sehr guttut. Auch die Gegnervielfalt hat gegenüber den frühen Vorschauversionen spürbar zugelegt: Statt der anfangs noch etwas mageren Auswahl gibt es inzwischen Dutzende unterschiedliche Gegnertypen sowie eigenständige General- und Zwischengegner am Ende der einzelnen Abschnitte, auch wenn das gleichzeitige Ausweichen mehrerer überlappender Flächenangriffe stellenweise noch etwas hakelig geraten ist.
Der Rucksack als Herzstück des Wirtschaftssystems
Kaum verändert, dafür aber weiterhin herausragend umgesetzt präsentiert sich das namensgebende Rucksacksystem, das schon im ersten Teil für Aufsehen sorgte. Der Erfolg eines Dungeon-Ausflugs hängt dabei nicht allein davon ab, welche Gegenstände man einsammelt, sondern ganz entscheidend auch davon, wie geschickt man sie im begrenzten Inventarplatz des Rucksacks anordnet. Diese räumliche Komponente sorgt für stetige kleine Entscheidungsmomente mitten im Kampfgeschehen, wenn man abwägen muss, ob sich der Umweg zu einer weiteren Kostbarkeit angesichts des schwindenden Stauraums überhaupt noch lohnt. Wer während eines Laufs stirbt, bevor die gesammelten Relikte sicher in die Stadt zurückgebracht wurden, muss zudem eine Halbierung ihres Werts hinnehmen, was dem Risiko-Belohnungs-Verhältnis eine zusätzliche, spürbare Würze verleiht.
Zurück in Tresna wandelt sich das Spiel dann in eine gemütlichere wirtschaftliche Simulation, bei der die gesammelten Relikte im eigenen Laden verkauft werden. Besonders reizvoll bleibt dabei das Feilschen mit der Kundschaft um den passenden Preis, das nach wie vor ein feines Gespür dafür erfordert, wie viel ein Gegenstand dem jeweiligen Käufer tatsächlich wert ist, ohne ihn durch überzogene Forderungen zu vergraulen. Die Erlöse aus dem Verkauf fließen anschließend sowohl in permanente Verbesserungen als auch in den weiteren Fortschritt der übergeordneten Geschichte, wodurch beide Spielschleifen geschickt ineinandergreifen und sich gegenseitig am Laufen halten.
Der große Bruch: Von Pixelkunst zu 3D
Die auffälligste und zugleich umstrittenste Veränderung gegenüber dem Vorgänger betrifft die Präsentation. Wo das ursprüngliche Moonlighter mit liebevoll animierter, unverkennbarer Pixelkunst aufwartete, die jedem einzelnen Lauf eine eigene visuelle Identität verlieh und den Laden förmlich vor Persönlichkeit strahlen ließ, setzt der zweite Teil konsequent auf einen isometrischen 3D-Stil. Diese Entscheidung dürfte innerhalb der Fangemeinde für die größten Diskussionen sorgen. Während sich der neue Look zweifellos moderner und aufwendiger präsentiert, geht dabei auch ein gutes Stück der eigenwilligen Ausstrahlung verloren, die das Original seinerzeit so unverwechselbar gemacht hat. Screenshots wirken dadurch insgesamt etwas austauschbarer, auch wenn die Umgebungen im direkten Spielgeschehen durchaus stimmungsvoll inszeniert sind.
Abseits der grundsätzlichen stilistischen Ausrichtung fällt zudem auf, dass Digital Sun an manchen Stellen einen spürbar behutsameren, um nicht zu sagen vorsichtigeren Ansatz verfolgt hat als beim Erstling. Vieles funktioniert schlicht so, wie es bereits im ersten Teil funktioniert hat, wirkt dabei aber mitunter eine Spur langsamer und weniger präzise abgestimmt, ergänzt um die eine oder andere technische Unsauberkeit, die man einem Studio in seinem zweiten Anlauf eigentlich nicht mehr zugestehen möchte. Angesichts der hohen Erwartungen, die der außergewöhnlich gute erste Teil geweckt hat, wiegt dieser insgesamt spürbar sicherheitsorientierte Ansatz womöglich etwas schwerer, als es für ein durchschnittliches Sequel der Fall wäre.
Technische Umsetzung auf der PS5
Auf der PlayStation 5 und insbesondere der PS5 Pro läuft Moonlighter 2 überwiegend flüssig und reaktionsschnell, was gerade dem schnellen, auf Ausweichrollen und Nahkampfkombinationen ausgelegten Kampfsystem spürbar zugutekommt. Kleinere Ladezeiten zwischen den einzelnen Abschnitten fallen zwar auf, bewegen sich insgesamt aber in einem Rahmen, der den Spielfluss nicht ernsthaft beeinträchtigt. Wer mitten in einer Expedition den sicheren Rückweg antreten möchte, kann dies jederzeit über das Halten einer einzelnen Taste tun, was gerade bei aufkommender Erschöpfung während längerer Läufe eine angenehme Option darstellt, um die gesammelte Beute nicht vollständig aufs Spiel zu setzen.
Fazit
Moonlighter 2: The Endless Vault steht vor der undankbaren Aufgabe, das Erbe eines Überraschungshits antreten zu müssen, und meistert diese Aufgabe größtenteils, ohne dabei jedoch die Messlatte des Originals wirklich zu übertreffen. Die neue Roguelike-Struktur fügt sich hervorragend in das bewährte Doppelprinzip aus nächtlichem Sammeln und tagsüber betriebenem Handel ein, das Rucksack-Inventarsystem bleibt so klug wie eh und je, und auch das überarbeitete Kampfsystem mit seiner Kombination aus Nahkampf und Schusswaffe macht durchweg Spaß. Der Wechsel von der charakteristischen Pixelkunst hin zu einem gefälligeren, aber merklich weniger unverwechselbaren 3D-Look dürfte hingegen nicht bei jedem Fan des Originals gleichermaßen gut ankommen und ist mitverantwortlich dafür, dass sich der zweite Teil insgesamt eher wie eine solide Weiterentwicklung als wie ein großer Wurf anfühlt. Wer mit dem Erstling nie in Berührung gekommen ist, bekommt hier dennoch ein rundum gelungenes, angenehm süchtig machendes Sammel- und Wirtschaftsspiel, während langjährige Fans womöglich mit einem leicht wehmütigen Blick auf die pixelige Vergangenheit zurückblicken.