Cherry XTRFY M42V2 im Test: Wenn ein Tastatur-Spezialist plötzlich Mäuse baut


Cherry ist eine Marke, die in den Köpfen vieler PC-Nutzer untrennbar mit mechanischen Tastaturen und den dazugehörigen Switches verbunden ist. Umso überraschender ist der Schritt, den das Unternehmen aus Auerbach in der Oberpfalz nun wagt: Unter der hauseigenen Gaming-Marke XTRFY bringt Cherry mit der M42V2 das erste Modell einer komplett neuen Mausserie auf den Markt. Vorgestellt wurde das Gerät passend zur gamescom, und schon der erste Blick auf das Datenblatt macht klar, worauf Cherry hier abzielt: eine ultraleichte, symmetrische Gaming-Maus, die sich dank austauschbarer Formkomponenten an möglichst viele Hand- und Griffvarianten anpassen lässt, ohne dabei den Geldbeutel übermäßig zu belasten. Ob dieses Versprechen im Alltag tatsächlich eingelöst wird, habe ich mir im ausführlichen Test genauer angeschaut.


Erster Eindruck und Verarbeitungsqualität


Nimmt man die M42V2 zum ersten Mal in die Hand, fällt sofort auf, wie leicht sie tatsächlich ist. Mit rund 45 Gramm Gewicht ohne Kabel bewegt sich die Maus in einem Bereich, den man bislang eher von Mäusen mit durchlöcherter, netzartiger Oberschale kannte. Genau das ist bei der M42V2 aber nicht der Fall: Das Gehäuse bleibt vollständig geschlossen, was gleich mehrere Vorteile mit sich bringt. Zum einen wirkt die Maus dadurch optisch deutlich hochwertiger und aufgeräumter als viele leichtgewichtige Konkurrenzprodukte, die mit ihren Löchern eher an ein Sieb erinnern. Zum anderen bleibt das Innenleben so vor Staub, Krümeln und Feuchtigkeit geschützt, was der Langlebigkeit auf Dauer zugutekommen dürfte.


Die Oberfläche selbst ist mit einer matten, leicht strukturierten Beschichtung versehen, die auf ultraviolettem Lack basiert. Im Alltag fühlt sich diese Beschichtung angenehm griffig an, ohne dabei unangenehm klebrig zu werden oder nach kurzer Zeit von Fingerabdrücken und Hautfett übersät zu sein – ein Problem, mit dem gerade preisgünstigere Mäuse häufig zu kämpfen haben. Verarbeitungstechnisch macht die M42V2 durchweg einen soliden Eindruck: Die Schalenübergänge sitzen sauber, nichts klappert oder knarzt, und auch bei stärkerem Druck auf das Gehäuse gibt nichts spürbar nach. Für ein Produkt in dieser Preisklasse ist das keineswegs selbstverständlich und spricht für ein durchdachtes Fertigungskonzept.


Ein cleveres Formkonzept für unterschiedliche Grifftypen


Das eigentliche Herzstück der M42V2 ist ihr modularer Formfaktor, mit dem sich Cherry deutlich von klassischen Einheitsmäusen absetzt. Die Grundform orientiert sich an der bereits etablierten XTRFY M42 und bringt eine symmetrische, für Rechts- wie Linkshänder gleichermaßen geeignete Silhouette mit. Der eigentliche Clou liegt jedoch im Lieferumfang: Beigelegt werden zwei unterschiedlich konturierte Rückenschalen, die sich völlig ohne Werkzeug und ohne Schrauben austauschen lassen. Ein einfacher Handgriff genügt, um die hintere Wölbung der Maus zu verändern und damit das gesamte Griffgefühl neu zu justieren.


Diese Idee mag auf dem Papier zunächst nach einer netten Randnotiz klingen, entpuppt sich in der Praxis aber als echtes Alleinstellungsmerkmal. Wer die Maus im Palm-Grip führt und die Handfläche vollständig auflegt, profitiert von einer anderen Schalenform als jemand, der eher im Fingertip-Stil mit angehobener Handfläche spielt oder im Claw-Grip mit angewinkelten Fingern arbeitet. Cherry deckt mit den beiden mitgelieferten Schalen bewusst alle drei gängigen Grifftypen ab und umgeht damit ein Problem, an dem viele rein symmetrische Mäuse traditionell scheitern: den Kompromisscharakter, der selten für irgendeinen Grifftyp wirklich optimal ist. Abgerundet wird das Formkonzept durch leichte Vertiefungen auf den beiden Haupttasten, die Zeige- und Mittelfinger zusätzlichen Halt geben und gerade bei schnellen, ruckartigen Bewegungen ein Verrutschen verhindern sollen.


Sensorik, Switches und technische Ausstattung


Im Inneren der M42V2 verrichtet ein Pixart-3327-Sensor seinen Dienst. Dabei handelt es sich zwar nicht um das derzeitige Flaggschiff-Modell der Sensor-Landschaft, für die anvisierte Preisklasse liefert er aber durchaus überzeugende Werte. Die Auflösung lässt sich stufenlos zwischen 400 und 6.200 CPI einstellen, während der Sensor Handbewegungen mit bis zu 220 Zoll pro Sekunde bei einer maximalen Beschleunigung von 30 G zuverlässig erfassen kann. Für die überwältigende Mehrheit der Spielerinnen und Spieler, egal ob im kompetitiven Shooter-Umfeld oder beim entspannten Gelegenheitszocken, dürften diese Kennwerte vollkommen ausreichend sein.


Bei der Abtastrate hat sich Cherry bewusst zurückhaltend gezeigt: Maximal 1.000 Hz stehen zur Verfügung, wählbar zusätzlich in den Stufen 125, 250 und 500 Hz. Wer inzwischen an Mäuse mit 4.000 oder gar 8.000 Hz gewöhnt ist, mag hier zunächst die Augenbrauen hochziehen. In der Praxis relativiert sich dieser vermeintliche Nachteil jedoch schnell, denn ob eine derart hohe Abtastrate tatsächlich einen spürbaren spielerischen Vorteil bringt, wird selbst unter erfahrenen Spielerinnen und Spielern kontrovers diskutiert und dürfte für die allermeisten Anwendungsfälle kaum ins Gewicht fallen.


Für die Haupttasten kommen Huano-Switches vom Typ Transparent Blue Shell mit pinkfarbenem Kontaktpunkt zum Einsatz, die laut Herstellerangabe für rund 80 Millionen Betätigungen ausgelegt sind. Im Test überzeugen diese durch einen knackigen, klar definierten Druckpunkt, der ohne störendes Nachfedern oder Nachwippen auskommt. Jeder Klick fühlt sich unmittelbar und präzise an, was insbesondere in schnellen Feuergefechten oder bei zeitkritischen Aktionen ein beruhigendes Gefühl vermittelt.


Bemerkenswert unkompliziert gestaltet sich zudem die Konfiguration: Auf eine Begleitsoftware wird bei der M42V2 komplett verzichtet. Sämtliche relevanten Einstellungen wie CPI-Stufen, Polling Rate, Lift-off-Distance und Debounce-Zeit lassen sich direkt an der Maus vornehmen. Über einen kleinen Schalter aktiviert man dafür einen speziellen Einstellungsmodus und kann die gewünschten Parameter im laufenden Betrieb anpassen. Für alle, die aufgeblähte Treiber-Suiten und ständige Software-Updates leid sind, ist das ein echter Gewinn – wer hingegen auf individuelle Profile, umfangreiche Makro-Funktionen oder RGB-Beleuchtung Wert legt, wird bei der M42V2 nicht fündig, denn all das bietet die Maus bewusst nicht.


Für die Gleiteigenschaften sorgen an der Unterseite verbaute UHMW-PE-Füße, die bewusst ohne den sonst häufig verwendeten Werkstoff PTFE auskommen. Im praktischen Einsatz gleitet die Maus dennoch angenehm gleichmäßig über unterschiedliche Mauspad-Oberflächen, ohne zu haken oder ungewollten Widerstand aufzubauen. Verbunden wird die M42V2 über ein 1,8 Meter langes USB-Kabel; eine kabellose Variante gibt es nicht. Wer inzwischen ausschließlich auf drahtlose Peripherie umgestiegen ist, muss diesen Kompromiss also bewusst eingehen, während Nutzer, die kein Problem mit einem Kabel haben, hiervon in der Praxis wenig bis gar nichts spüren dürften.


Handling und Eindrücke aus dem Spielalltag


Im täglichen Einsatz zeigt sich schnell, wofür die durchdachte Konstruktion der M42V2 tatsächlich gut ist. Das geringe Gewicht in Kombination mit der anpassbaren Form sorgt für ein Handling, das sich auffällig wendig und leichtfüßig anfühlt. Schnelle Flick-Bewegungen, wie sie in kompetitiven Shootern ständig gefordert werden, gehen der Maus mühelos von der Hand, während feine Zielkorrekturen dank der präzisen Sensorik ebenfalls gut gelingen. Der Wechsel zwischen den beiden Rückenschalen dauert dabei tatsächlich nur wenige Sekunden und macht spürbar einen Unterschied im Griffgefühl, was das Konzept keineswegs zur reinen Marketing-Idee verkommen lässt, sondern zu einem echten praktischen Mehrwert macht.


Auch aus der professionellen Esports-Szene gibt es bereits positive Signale zu diesem neuen Konzept: Ein mehrfacher Counter-Strike-Weltmeister, der im Laufe seiner Karriere zahlreiche Gaming-Mäuse getestet hat, zeigte sich überrascht davon, wie stimmig sich Form, Gewicht und Klickverhalten der M42V2 gerade in dieser Preisklasse anfühlen. Diese Einschätzung deckt sich mit dem eigenen Eindruck aus mehreren Testsessions in unterschiedlichen Spielgenres, von schnellen Shootern bis hin zu ruhigeren Strategietiteln: Die M42V2 fühlt sich durchweg wertiger an, als es der Preis zunächst vermuten lässt.


Systemkompatibilität und Lieferumfang


Erfreulich unkompliziert präsentiert sich die M42V2 auch in Sachen Kompatibilität. Dank Plug-and-Play-Unterstützung funktioniert die Maus sowohl unter älteren Windows-Versionen als auch unter frühen Mac-OS-Systemen ohne zusätzliche Treiberinstallation, sodass auch Nutzer mit betagter Hardware oder älteren Betriebssystem-Versionen keinerlei Einschränkungen befürchten müssen. Im Lieferumfang befinden sich neben der Maus selbst beide austauschbaren Rückenschalen, sodass unmittelbar nach dem Auspacken mit dem Ausprobieren der unterschiedlichen Griffvarianten begonnen werden kann, ohne dass zusätzliches Zubehör angeschafft werden müsste.


Einordnung im Preissegment


Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung im Bereich von rund vierzig Euro positioniert sich die XTRFY M42V2 klar im Einsteiger- und Budgetsegment des Gaming-Maus-Marktes. Anders als viele andere Produkte in dieser Preisklasse hinterlässt sie dabei aber zu keinem Zeitpunkt den Eindruck einer reinen Sparlösung. Das geringe Gewicht, die durchdachte und tatsächlich funktionale Formanpassung sowie die werkzeuglose Direktkonfiguration ohne störende Software ergeben in Summe ein Gesamtpaket, das seinen Preis im praktischen Alltag mehr als rechtfertigt. Wer bereit ist, auf kabellose Konnektivität, RGB-Beleuchtung und eine begleitende Konfigurationssoftware zu verzichten, erhält mit der M42V2 eine der derzeit interessantesten Optionen im preisgünstigen Segment.


Fazit


Mit der XTRFY M42V2 gelingt Cherry ein überraschend gelungener Einstand im hart umkämpften Segment der Leichtgewicht-Gaming-Mäuse. Statt sich auf reine Kennzahlen wie eine möglichst hohe Abtastrate oder eine besonders geringe Zahl gefallener Gramm zu verlassen, setzt Cherry auf ein durchdachtes Gesamtkonzept, bei dem das austauschbare Schalensystem den eigentlichen Mehrwert liefert. Sensor und Switches bewegen sich zwar nicht am absoluten oberen Ende dessen, was der Markt aktuell hergibt, liefern aber für den weit überwiegenden Teil der Spielerschaft völlig ausreichende und zuverlässige Ergebnisse. Wer bereit ist, auf ein Kabel zu verzichten, eine kabellose Verbindung also nicht zwingend benötigt, und lieber direkt an der Maus statt über eine Software konfiguriert, bekommt mit der M42V2 eine der überzeugendsten und durchdachtesten Budget-Mäuse der jüngeren Zeit.