How to Make a Killing – Todsicheres Erbe (4K UHD, Studiocanal / Plaion Pictures): Mord ist auch nur eine Frage der Erbfolge
Einleitung: Ein alter Kniff im neuen Gewand
Manche Geschichten sind so wirkungsvoll, dass sie sich immer wieder neu erzählen lassen. Die Idee eines gebildeten, charmanten Außenseiters, der sich systematisch durch die Reihen seiner reichen Verwandtschaft arbeitet, um an ein Vermögen zu gelangen, das ihm angeblich zusteht, stammt aus dem Roman Israel Rank von Roy Horniman und wurde 1949 als Ealing-Komödie Adel verpflichtet zum Klassiker des britischen Kinos. Regisseur und Drehbuchautor John Patton Ford greift diesen Stoff in How to Make a Killing – Todsicheres Erbe auf und verlegt ihn in die Gegenwart. Nach seinem Debüt Emily the Criminal, einem kleinen, bissigen Thriller über eine junge Frau am Rand der Legalität, ist das ein deutlicher Schritt in Richtung Starkino. Studiocanal hat die französisch-britisch-amerikanische Koproduktion in Deutschland zunächst im Kino gestartet und am 9. Juli 2026 im Vertrieb von Plaion Pictures auf Blu-ray, DVD und 4K UHD veröffentlicht.
Die Handlung: Ein Erbe, das sich nicht von allein einstellt
Im Zentrum steht Becket Redfellow, ein Mann mit Witz, Stil, Bildung und Charme, dem nur eines fehlt: das milliardenschwere Vermögen, das ihm nach Auskunft seiner Mutter zusteht. Rund 28 Milliarden Dollar liegen zwischen ihm und der Wirklichkeit, und sieben Verwandte stehen ihm dabei im Weg. Becket entwickelt einen ebenso raffinierten wie mörderischen Plan, um sie nacheinander aus dem Weg zu räumen. Die Grundkonstruktion ist ein Schauplatz für schwarzen Humor, und der Film nutzt sie mit sichtlichem Vergnügen. Der Reiz liegt weniger in der Frage, ob Becket sein Ziel erreicht, als in der Art, wie der Zuschauer zum Komplizen eines Mannes wird, dessen Taten man eigentlich verurteilen müsste.
Die Erzählweise lebt von Tempo und Pointen, und die Kürze des Films von knapp 105 Minuten kommt dem entgegen. Das Prinzip, eine Reihe von Zielpersonen nacheinander auszuschalten, birgt allerdings stets die Gefahr der Wiederholung, und es ist die Aufgabe von Regie und Drehbuch, jeder Episode eine eigene Färbung zu geben. Der Film löst das mit einem Wechselspiel aus Zynismus, Kalkül und gelegentlichen Momenten der Selbstzweifel, die dem Antihelden Kontur verleihen.
Besetzung: Charisma als Kapital
Glen Powell trägt den Film auf seinen Schultern. Der 1988 in Austin, Texas, geborene Schauspieler wurde einem breiten Publikum als überheblicher Kampfpilot in Top Gun: Maverick bekannt, bewies in Richard Linklaters Hit Man ein Talent für die Verbindung von Charme und Kriminalität und hat sich mit Filmen wie Twisters und Anyone but You endgültig als Hauptdarsteller etabliert. Als Becket kann er diese Wirkung voll ausspielen, denn die Rolle verlangt genau jene Mischung aus Sympathie und Gefahr, die Powell scheinbar mühelos beherrscht.
An seiner Seite spielt Margaret Qualley, 1994 in Montana geboren und als Tochter der Schauspielerin Andie MacDowell in Hollywood aufgewachsen. Nach Auftritten in Once Upon a Time in Hollywood und der Serie Maid ist sie vor allem durch Coralie Fargeats The Substance in den Fokus gerückt. Ed Harris, Jahrgang 1950 und seit Filmen wie Apollo 13, The Truman Show und Pollock ein fester Begriff des amerikanischen Kinos, verleiht dem Geschehen mit seiner Präsenz Gewicht. Jessica Henwick, 1992 im englischen Surrey geboren und aus Game of Thrones, Iron Fist und Glass Onion: A Knives Out Mystery bekannt, ergänzt das Ensemble, zu dem außerdem Topher Grace, Bill Camp und Zach Woods gehören. Die prominente Besetzung ist ein Gewinn, weil sie den Nebenfiguren mehr Profil schenkt, als es in einer solchen Verwandtschaftsgalerie sonst üblich wäre.
Inszenierung und Humor: Schwarz, aber mit Stil
Ford inszeniert die Geschichte als Satire auf Reichtum, Herkunft und Anspruchsdenken. Der Humor ist tiefschwarz, ohne den Ton ins Grobe zu ziehen, und das Spiel mit Erwartungen gehört zu den Stärken des Films. Die Verbeugung vor dem Vorbild ist deutlich, ohne in bloße Nachahmung zu verfallen. Wo Adel verpflichtet mit Alec Guinness in gleich acht Rollen brillierte, setzt Ford auf ein einzelnes Gesicht, das die Sympathien lenkt, und auf ein modernes Gespür für Klassenunterschiede und Selbstinszenierung. Dass der Film dabei vor allem unterhalten will, ist keine Schwäche, sondern Konzept.
Die Disc: Verpackung
Die 4K-Fassung erscheint im einfachen Keep Case und enthält ein Wendecover ohne FSK-Logo, was Sammler, die auf ein ungestörtes Cover Wert legen, freuen dürfte. Wer es aufwendiger mag, findet mit dem limitierten 4K-Mediabook eine Alternative, die neben 4K-Disc und Blu-ray auch ein Booklet und eine zusätzliche Bonus-Blu-ray enthält. Die Standardausgabe wirkt dagegen bewusst schlicht, erfüllt ihren Zweck aber ohne Umschweife.
Die Disc: Bild und Ton
Die Ultra-HD-Blu-ray bietet den Film in Dolby Vision, was bei der stilisierten, kontrastreichen Optik eines solchen Films besonders zur Geltung kommen sollte. Der Kontrast aus eleganten Interieurs, luxuriösen Landsitzen und den dunkleren Momenten des Plans profitiert von einem erweiterten Dynamikumfang. Als Tonspuren stehen Deutsch, Englisch und Französisch zur Verfügung, dazu gibt es Untertitel in Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch. Die Freigabe erfolgt ab 12 Jahren, die Laufzeit der ungeschnittenen Kinofassung beträgt 105 Minuten. Wer den Film im Original genießen möchte, findet mit der englischen Tonspur die Sprechweise, die Powells Timing und die Pointen am besten zur Geltung bringt.
Die Disc: Bonusmaterial
Die Standardfassung verzichtet auf Extras und konzentriert sich ganz auf den Film. Wer Zusatzmaterial sucht, wird beim limitierten Mediabook fündig, dem eine Bonus-Blu-ray mit dem Klassiker Adel verpflichtet von 1949 beiliegt. Das ist eine reizvolle Ergänzung, denn sie erlaubt den direkten Vergleich zwischen Vorbild und Neuinterpretation und macht die Verwandtschaft der beiden Filme unmittelbar erfahrbar.
Fazit
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe ist eine unterhaltsame, stilbewusste Thriller-Komödie, die ihren Reiz aus schwarzem Humor, einem charismatischen Hauptdarsteller und einer starken Besetzung zieht. Wer Adel verpflichtet schätzt, wird die Verbeugung erkennen, und wer den Klassiker nicht kennt, bekommt eine pointierte Geschichte, die auch für sich allein funktioniert. Kleine Vorbehalte betreffen die Anfälligkeit der Grundidee für Wiederholungen und den Umstand, dass die Standardausgabe keine Extras bietet. Als Film für einen unterhaltsamen Abend mit einem Hauch Gift ist die 4K-Disc eine empfehlenswerte Wahl.