Backrooms
Regie: Kane Parsons
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell
Verleih (Deutschland): Constantin Film
Vertrieb Heimkino: Plaion Pictures
VÖ Blu-ray: 25. September 2026
Produktion: A24, 21 Laps Entertainment, Atomic Monster, Phobos, Oddfellows Pictures
Laufzeit: ca. 111 Minuten
Genre: Horror / Science-Fiction
Vom Internetphänomen zur Kinosensation
Kaum ein Horrorstoff der jüngeren Vergangenheit hat einen derart ungewöhnlichen Werdegang hinter sich wie Backrooms. Ursprünglich als Creepypasta in den Tiefen des Internets entstanden, verbreitete sich die Idee endloser, menschenleerer Bürolandschaften unter dem summenden Licht kalter Neonröhren rasant über Foren und Bildergalerien, ehe der damals gerade sechzehnjährige Kane Parsons unter dem Namen Kane Pixels 2022 eine neunminütige Found-Footage-Episode auf YouTube veröffentlichte, die binnen kürzester Zeit viral ging und inzwischen weit über siebzig Millionen Aufrufe verzeichnet. Dass aus diesem Internetphänomen ausgerechnet ein abendfüllender Kinofilm werden würde, an dem sich Studiogrößen wie A24, James Wan und Shawn Levy als Produzenten beteiligten, hätte wohl kaum jemand vorausgesagt. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehreren Hundert Millionen US-Dollar bei einem vergleichsweise winzigen Produktionsbudget avancierte Backrooms zu einem der kommerziell erfolgreichsten Horrorfilme der letzten Jahre und bewies eindrucksvoll, dass sich ein Internet-Grusel-Meme mit der richtigen Umsetzung durchaus zur ernstzunehmenden Filmerfahrung wandeln lässt.
Ein Möbelhändler zwischen Wirklichkeit und Zwischenraum
Im Zentrum der Handlung steht Clark, gespielt vom britisch-nigerianischen Schauspieler Chiwetel Ejiofor, der spätestens seit seiner Oscar-nominierten Rolle in „12 Years a Slave" einem breiten Publikum bekannt ist und sich seither immer wieder als vielseitiger Charakterdarsteller in unterschiedlichsten Genres bewiesen hat. Als Besitzer eines herunterkommenden Möbelgeschäfts führt Clark ein Leben in stiller Stagnation, gezeichnet von einer gescheiterten Ehe und geschäftlichem Misserfolg, noch bevor er im Keller seines Ladens auf eine unsichtbare Tür stößt. Diese Ausgangslage ist dabei alles andere als Zufall: Drehbuchautor Will Soodik zeichnet Clark bewusst als jemanden, der sich bereits vor seinem Übertritt in die titelgebenden Backrooms in einer Art persönlichem Zwischenraum befindet, weder wirklich lebendig noch endgültig gescheitert. Als Clark seiner Psychologin Dr. Mary Kline von seiner Entdeckung berichtet, verkörpert durch die norwegische Ausnahmeschauspielerin Renate Reinsve, die international spätestens seit ihrem Cannes-gefeierten Auftritt in „Der schlimmste Mensch der Welt" für ihre eindringliche Präsenz bekannt ist, entwickelt sich eine Geschichte, die weit über simplen Internet-Grusel hinausgeht. Als Mary Clark schließlich in die Backrooms folgt, offenbart sich, dass hinter den endlosen, gelb tapezierten Wänden weit mehr lauert als nur ein bizarres Raumphänomen.
Regiedebüt mit ungewöhnlicher Handschrift
Für Kane Parsons markiert Backrooms das Langfilmdebüt und zugleich den Sprung von der Nischenfigur des Internet-Horror-Youtubers zum ernstzunehmenden Kinoregisseur. Dass ihm dieser Übergang so überzeugend gelingt, liegt maßgeblich daran, dass er sich nicht auf die vermeintlich naheliegenden Effekthascherei-Momente verlässt, sondern gemeinsam mit Kameramann Jeremy Cox konsequent auf Atmosphäre, existenzielle Beklemmung und die schleichende Angst vor der Isolation setzt. Statt vorhersehbarer Jumpscares inszeniert Parsons einen Film, der sein Publikum eher psychologisch zermürbt als es zu erschrecken, unter anderem durch geschickt eingesetzte Perspektivwechsel und den bewussten Wechsel in eine körnige VHS-Optik für zentrale Filmpassagen. Die internationale Kritik reagierte entsprechend wohlwollend: IGN lobte, wie Parsons großartige Bilder und eine hervorragende Figurenzeichnung mit der Mythologie der Backrooms verbindet und damit ein furchterregendes und aufregendes Leinwanddebüt für den liminalen Horrorklassiker schafft, während The Playlist die emotionale Stimmigkeit und psychologische Eindringlichkeit des Films hervorhob, die weit über bloße Internet-Horror-Gimmicks hinausreiche. The Film Verdict bezeichnete den Film schlicht als beeindruckendes Regiedebüt, das einen verstörenden Albtraum inszeniere, während Screen Daily dem Film sowohl Schrecken als auch Intelligenz attestierte.
Bildsprache und technische Umsetzung
Die technische Präsentation der Blu-ray wird dem visuellen Ambitionsniveau des Films gerecht. Backrooms lebt maßgeblich von seiner kalten, klaustrophobischen Bildsprache, den endlosen, in fahlem Gelb getauchten Fluren und Büroräumen, die durch aufwendige visuelle Effekte mehrerer international tätiger VFX-Studios zum Leben erweckt wurden. Diese Detailverliebtheit kommt in hochauflösender Bildqualität besonders gut zur Geltung, während die Tongestaltung mit ihrem unaufhörlichen, nervenzehrenden Summen der Leuchtstoffröhren einen wesentlichen Anteil an der beklemmenden Atmosphäre des Films trägt und auf der Blu-ray entsprechend druckvoll zur Geltung kommt.
Umfangreiches Bonusmaterial für Backrooms-Enthusiasten
Wer sich nach dem Abspann noch tiefer in die Entstehungsgeschichte des Films vertiefen möchte, wird auf der Blu-ray fündig. Das Bonusmaterial nimmt einen erfreulich umfangreichen Raum ein und beleuchtet die Produktion aus mehreren Perspektiven: Eine ausführliche Making-of-Dokumentation gewährt Einblicke in die Entstehung der surrealen Kulissen, während eine separate VFX- und Szenenaufschlüsselung gemeinsam mit Kane Parsons selbst zeigt, wie aus einer simplen YouTube-Idee ein visuell komplexes Kinoerlebnis wurde. Ergänzt wird dies durch eine kommentierte Audiospur mit Regisseur Kane Parsons, VFX-Supervisor Edward J. Douglas, Sounddesigner Eugenio Battaglia und Komponist Edo Van Breemen, die gemeinsam einen unterhaltsamen und fachlich fundierten Blick hinter die Kulissen werfen. Abgerundet wird das Paket durch einen kurzen Requisiten-Rundgang mit Parsons sowie zusätzliches, bereits aus der erweiterten Kinofassung bekanntes Bonusmaterial samt Post-Credit-Sequenz, das Fans des Films einen zusätzlichen Anreiz für den Kauf der physischen Fassung liefert.
Fazit
Mit Backrooms gelingt Kane Parsons ein bemerkenswert reifes Regiedebüt, das ein einst belächeltes Internetphänomen in ein atmosphärisch dichtes, psychologisch grundiertes Horrorerlebnis verwandelt. Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve tragen den Film mit spürbarer Intensität, während die Inszenierung bewusst auf schleichende Beklemmung statt plumpe Schockmomente setzt. Die deutsche Blu-ray-Veröffentlichung von Constantin Film über Plaion Pictures wird diesem Anspruch mit sauberer technischer Umsetzung und umfangreichem Bonusmaterial gerecht und dürfte sowohl Fans des ursprünglichen Webphänomens als auch Freundinnen und Freunde des gehobenen Horrorkinos überzeugen.