Seafarer: The Ship Sim – Leinen los auf der PS5
Schiffssimulationen gehören nach wie vor zu den eher seltenen Vertretern des Simulationsgenres. Während Lastwagen, Landwirtschaft, Busse oder Flugzeuge regelmäßig neue Spiele spendiert bekommen, ist die große weite Welt der Seefahrt deutlich weniger dicht besiedelt. Mit „Seafarer: The Ship Sim“ möchte astragon Entertainment genau diese Lücke füllen und schickt uns auf der PlayStation 5 hinaus aufs offene Meer. Entwickelt von astragon Development, verbindet das Spiel klassische Simulationselemente mit einer offenen Spielwelt, unterschiedlichen Karrierewegen und einer ganzen Reihe abwechslungsreicher Aufgaben. Nach der rund einjährigen Early-Access-Phase auf dem PC ist „Seafarer: The Ship Sim“ am 24. September 2026 nun auch für PlayStation 5 erschienen und liegt damit erstmals als fertige Version für die Konsole vor.
Im Mittelpunkt steht natürlich das Meer. Statt uns auf ein einziges Schiff festzulegen, dürfen wir im Verlauf unserer Karriere eine ganze Flotte unterschiedlicher Wasserfahrzeuge steuern. Vom kleinen, wendigen Boot über Schlepper bis hin zu großen Frachtschiffen reicht die Auswahl. Damit verändert sich nicht nur die Optik der Fahrzeuge, sondern auch das Spielgefühl. Ein kleines Schiff reagiert wesentlich direkter auf unsere Befehle, während große Schiffe deutlich träger unterwegs sind und beim Manövrieren mehr Aufmerksamkeit benötigen. Gerade beim Ein- und Auslaufen aus Häfen bekommt man dadurch ein gutes Gefühl dafür, dass ein großes Schiff eben nicht einfach wie ein Sportwagen gelenkt werden kann.
„Seafarer“ setzt allerdings nicht auf eine extrem komplizierte Hardcore-Simulation. Das Spiel möchte vielmehr einen zugänglichen Mittelweg zwischen Simulation und spielerischer Unterhaltung finden. Wer eine knallharte maritime Berufssimulation erwartet, bei der jeder einzelne Handgriff möglichst realistisch umgesetzt wird, dürfte deshalb nicht vollständig auf seine Kosten kommen. Wer dagegen schon immer einmal Frachter, Schlepper oder andere Schiffe über das offene Meer bewegen wollte, ohne sich zunächst durch ein Studium der Nautik arbeiten zu müssen, findet hier einen wesentlich unkomplizierteren Einstieg.
Der eigene Charakter dient dabei als Kapitän oder Kapitänin und bildet den Ausgangspunkt für die Karriere. Verschiedene Fraktionen bieten unterschiedliche Aufgaben und Missionen an, wodurch man sich nach und nach einen Namen auf dem Wasser machen kann. Die Karriere ist damit nicht einfach nur eine Aneinanderreihung beliebiger Fahrten, sondern verbindet die einzelnen Tätigkeiten mit einem Fortschrittssystem. Durch erledigte Aufträge verbessert sich der eigene Ruf und gleichzeitig stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Das verdiente Geld kann wiederum in die Flotte investiert werden, wodurch sich nach und nach größere und vielseitigere Schiffe freischalten lassen.
Bei den Aufgaben zeigt sich dann, dass „Seafarer“ mehr sein möchte als ein reiner Frachtsimulator. Natürlich spielt der Transport von Gütern eine wichtige Rolle. Container müssen geladen, gesichert und von einem Hafen zum nächsten gebracht werden. Doch daneben warten unter anderem Rettungseinsätze, Patrouillen, Feuerwehrmissionen und weitere maritime Aufgaben. Auch die Bergung von Fracht oder das Reagieren auf Notfälle gehört zum Tätigkeitsbereich. Dadurch wird der ansonsten eher ruhige Spielablauf immer wieder durch Situationen aufgelockert, in denen man etwas mehr gefordert wird. astragon hat den Aufgabenbereich im Verlauf der Entwicklung zudem erweitert, unter anderem durch neue Rettungsschiffe und zusätzliche Missionen.
Besonders schön ist dabei, dass man nicht permanent unter Zeitdruck steht. „Seafarer“ lebt zu einem großen Teil von seiner Atmosphäre. Wer sich darauf einlässt, kann lange Strecken einfach über das Meer fahren, den Blick über die Wasseroberfläche schweifen lassen und die Umgebung genießen. Genau hier spielt das Spiel seine größte Stärke aus. Das Meer wirkt durch die dynamische Wellensimulation ausgesprochen lebendig und verändert sein Erscheinungsbild abhängig von Wetter und Tageszeit. Die technische Grundlage bildet die Unreal Engine 5 in Kombination mit NVIDIA WaveWorks 2.0, wodurch insbesondere die Darstellung des Wassers sehr gelungen ausfällt.
Gerade auf der PS5 macht die Darstellung einiges her. Das Wasser gehört zweifellos zu den optischen Höhepunkten des Spiels. Ruhige See kann fast schon entspannend wirken, während Wind und Wetter die Atmosphäre deutlich verändern. Wenn sich der Himmel verdunkelt und die See unruhiger wird, kommt tatsächlich ein gewisses Gefühl von Abenteuer auf. Dazu kommen Häfen, Küstenregionen und verschiedene Landschaften, die eine weitläufige, von nordeuropäischen Regionen inspirierte Spielwelt bilden.
Natürlich darf auch das Wetter nicht fehlen. Dynamische Wetterbedingungen sorgen dafür, dass die Fahrt nicht immer gleich aussieht. Regen, wechselnde Lichtstimmungen und stärkere Wellen können das Erscheinungsbild der Umgebung deutlich verändern. Gerade weil ein großer Teil des Spiels aus längeren Fahrten besteht, ist diese Abwechslung wichtig. Würde sich das Meer ständig identisch präsentieren, könnte die Reise von Hafen zu Hafen schnell eintönig werden.
Und genau hier liegt gleichzeitig eine der Schwächen von „Seafarer“. So atmosphärisch die Fahrten auch sein können, nach längerer Spielzeit macht sich die Wiederholung bemerkbar. Fracht aufnehmen, zum Ziel fahren, abliefern und die nächste Aufgabe übernehmen gehört nun einmal zum grundlegenden Spielprinzip. Zwar sorgen unterschiedliche Schiffstypen und Missionsarten für Abwechslung, trotzdem wiederholen sich viele Abläufe. Bereits während der PC-Early-Access-Phase wurde von Testern kritisiert, dass sich bestimmte Missionen mit der Zeit sehr ähnlich spielen und die Abwechslung nicht immer mit der Größe der Spielwelt mithalten kann.
Für einen Simulator ist das allerdings nicht zwangsläufig ein großes Problem. Schließlich gehört Wiederholung gewissermaßen zum Genre. Auch im realen Berufsalltag eines Kapitäns besteht nicht jede Fahrt aus spektakulären Ereignissen. „Seafarer“ richtet sich deshalb vor allem an Spieler, die Freude an langsamen Spielabläufen haben. Wer ständig Action, Explosionen und spektakuläre Ereignisse benötigt, dürfte sich auf dem Wasser dagegen relativ schnell langweilen.
Interessant wird es, wenn neben dem eigentlichen Steuern weitere Tätigkeiten hinzukommen. Kräne, Wasserkanonen, Drohnen und Rettungsausrüstung sorgen dafür, dass man nicht ausschließlich hinter dem Steuer sitzt. Gerade solche Aufgaben zeigen, dass astragon versucht, die maritime Karriere möglichst vielseitig zu gestalten. Statt ausschließlich von A nach B zu fahren, übernimmt man unterschiedliche Rollen und bekommt dadurch zumindest immer wieder neue Beschäftigungen. Die fertige Version bietet außerdem einen Story-Modus mit einer Kampagne, während der Quick-Play-Modus stärker auf freie Erkundung und das eigene Spieltempo ausgelegt ist.
Auch die Möglichkeit, die eigene Flotte zu individualisieren, trägt zum persönlichen Fortschritt bei. Schiffe können unter anderem mit eigenen Namen, Farben, Flaggen und Logos versehen werden. Im späteren Entwicklungsverlauf wurde zusätzlich ein Schiff-Editor integriert, mit dem die Anpassungsmöglichkeiten erweitert wurden. Dadurch entsteht mit der Zeit tatsächlich das Gefühl, eine eigene kleine maritime Karriere aufzubauen und nicht lediglich vorgefertigte Missionen abzuarbeiten.
Die Steuerung wurde für die PS5 sinnvoll auf den Controller angepasst. Grundsätzlich funktioniert das Bedienen der Schiffe angenehm, wobei man sich gerade bei den größeren Modellen zunächst an deren Trägheit gewöhnen muss. Wer erwartet, dass ein Frachter unmittelbar auf jede Richtungsänderung reagiert, wird anfangs wahrscheinlich das eine oder andere Mal etwas zu nahe an einem Kai landen. Nach einigen Fahrten entwickelt man jedoch ein besseres Gefühl für Geschwindigkeit, Wendekreis und Bremsweg.
Das langsame Tempo ist dabei gleichzeitig Fluch und Segen. Einerseits vermittelt es durchaus das Gefühl, ein schweres Schiff zu steuern. Andererseits können längere Fahrten teilweise etwas zäh wirken. Hier muss man sich darauf einlassen können, dass „Seafarer“ nicht permanent etwas Neues präsentiert. Das Spiel möchte vor allem eine ruhige maritime Atmosphäre erzeugen und weniger einen klassischen Action- oder Abenteuertrip auf dem Wasser.
Sehr angenehm ist deshalb auch der Quick-Play-Ansatz für Spieler, die einfach ein wenig fahren und die Welt erkunden möchten. Wer keine Lust auf die Karriere hat, kann sich stärker auf die eigentliche Seefahrt konzentrieren. Das macht „Seafarer“ auch zu einem Spiel, das man wunderbar für kürzere entspannte Spielsessions nutzen kann. Eine Runde auf dem Meer kann dabei fast schon etwas Meditatives haben.
Wer hingegen möglichst realistische Simulation erwartet, sollte seine Erwartungen etwas zurückschrauben. Bereits die frühen Tests der PC-Version haben deutlich gemacht, dass „Seafarer“ eher eine zugängliche Simulation als eine kompromisslose nautische Simulation sein möchte. Die Entwickler setzen bewusst auf Unterhaltung und Zugänglichkeit. Das ist für die PS5-Version durchaus sinnvoll, denn dadurch bleibt der Einstieg überschaubar und auch Spieler ohne tiefgehende Kenntnisse der Seefahrt können schnell loslegen.
Technisch präsentiert sich die PS5-Version insgesamt ansprechend. Die Schiffe sind detailliert modelliert und besonders die Wasseroberfläche sorgt für starke Momente. Die Atmosphäre profitiert außerdem von wechselnden Wetterbedingungen und der großen offenen Spielwelt. Gleichzeitig merkt man dem Spiel an einigen Stellen noch an, dass es aus einem Early-Access-Projekt hervorgegangen ist. Gerade kleinere Unsauberkeiten, bestimmte Abläufe und die gelegentliche Wiederholung von Aufgaben verhindern, dass die Simulation durchgehend das Niveau erreicht, das ihre beeindruckende Präsentation zunächst erwarten lässt.
Dafür stimmt die grundsätzliche Atmosphäre. Es gibt Spiele, die man hauptsächlich spielt, um möglichst schnell etwas zu erreichen, und es gibt Spiele, bei denen bereits der Weg das Ziel ist. „Seafarer: The Ship Sim“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Es macht Spaß, mit einem großen Schiff aus einem Hafen auszulaufen, langsam Fahrt aufzunehmen und anschließend über das offene Meer zu seinem nächsten Auftrag zu fahren. Wer sich auf dieses Tempo einlässt, kann damit viele entspannte Stunden verbringen.
Eine weitere interessante Möglichkeit ist der Multiplayer. Bis zu vier Spieler können gemeinsam als Crew unterwegs sein, wobei Online-Multiplayer auf der PS5 unterstützt wird. Dadurch kann das eigentlich ruhige Spielprinzip deutlich interessanter werden, weil man Aufgaben gemeinsam angehen kann. Gerade bei größeren Einsätzen dürfte das Zusammenspiel mehrerer Spieler für zusätzliche Abwechslung sorgen.
Unterm Strich ist „Seafarer: The Ship Sim“ ein ungewöhnlicher und atmosphärischer Simulator, der seine größten Stärken eindeutig auf dem Wasser ausspielt. Die beeindruckende Darstellung des Meeres, die verschiedenen Schiffstypen, die offene Welt und die unterschiedlichen Karrierebereiche sorgen für ein insgesamt gelungenes maritimes Spielerlebnis. Gleichzeitig sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Das Spiel ist kein actionreicher Blockbuster und auch keine maximal realistische Hardcore-Simulation. Es ist vielmehr eine zugängliche Schifffahrtssimulation, die ihre Faszination aus dem ruhigen Spieltempo und dem Gefühl gewinnt, selbst das Kommando über ein Schiff zu übernehmen.
Gerade auf der PS5 funktioniert dieses Konzept erstaunlich gut. Wer gerne Simulatoren spielt und schon immer einmal selbst Kapitän sein wollte, bekommt hier eine schöne Alternative zu den mittlerweile zahlreichen Fahrzeug- und Landwirtschaftssimulationen. Die abwechslungsreichen Missionen, die Karriereentwicklung und die verschiedenen Schiffe motivieren zum Weiterspielen, während Wetter und dynamisches Meer für die passende Atmosphäre sorgen. Etwas mehr Abwechslung bei den Missionen und noch mehr Konsequenzen für Fehler hätten dem Spiel zwar gutgetan, doch insgesamt ist die Reise auf hoher See durchaus gelungen.
Fazit:
„Seafarer: The Ship Sim“ ist eine entspannte und atmosphärische Schifffahrtssimulation, die auf der PS5 vor allem mit ihrer gelungenen Meeresdarstellung, den unterschiedlichen Schiffen und der offenen Spielwelt punktet. Die Karriere bietet zahlreiche Aufgaben von Frachttransporten über Rettungseinsätze bis hin zur Brandbekämpfung und sorgt damit für mehr Abwechslung als eine reine Frachtsimulation. Wer allerdings eine extrem realistische Hardcore-Simulation erwartet, sollte wissen, dass astragon bewusst einen zugänglicheren Weg einschlägt. Wer dagegen gerne gemütlich über das Meer schippert, seine eigene Flotte aufbaut und dabei immer wieder neue maritime Aufgaben übernimmt, dürfte mit „Seafarer: The Ship Sim“ einige unterhaltsame Stunden auf der PS5 verbringen.