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Avengers: Die Zeit läuft ab 1

Was passiert, wenn selbst die mächtigsten Superhelden der Erde erkennen müssen, dass ihre Welt dem Untergang geweiht ist? Mit Avengers: Die Zeit läuft ab 1 veröffentlicht Panini den Auftakt einer zweiteiligen Comic-Saga, die das Marvel-Universum an den Rand seiner Existenz führt. Statt eines gewöhnlichen Kampfes gegen einen übermächtigen Gegner erwartet die Leser eine düstere Geschichte über Schuld, Verantwortung, moralische Entscheidungen und die verzweifelte Suche nach einem Ausweg. Dabei geraten ausgerechnet jene Helden aneinander, die eigentlich gemeinsam für den Schutz der Menschheit kämpfen sollten.


Die Ausgangslage ist dramatisch: In wenigen Monaten wird das Universum untergehen. Die Ursache liegt in den sogenannten Inkursionen, bei denen verschiedene Universen miteinander kollidieren und sich gegenseitig auslöschen. Um das eigene Universum zu retten, haben Reed Richards und andere Verantwortliche Entscheidungen getroffen, die weit über das hinausgehen, was man von Superhelden erwarten würde. Ihre Maßnahmen haben schreckliche Konsequenzen und werfen eine entscheidende Frage auf: Wie weit darf man gehen, wenn es um das Überleben der eigenen Welt geht?


Captain America Steve Rogers kann die Vorgehensweise von Reed Richards und seinen Verbündeten nicht akzeptieren. Gemeinsam mit Hawkeye, Carol Danvers und den Kräften von SHIELD macht er Jagd auf diejenigen, die seiner Meinung nach für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden müssen. Damit entwickelt sich innerhalb der Heldengemeinschaft ein Konflikt, der die Avengers vor eine ihrer schwersten Zerreißproben stellt. Die einstigen Verbündeten stehen sich plötzlich als Gegner gegenüber, während die Zeit immer weiter davonläuft.
Parallel dazu verfolgen andere bekannte Figuren ihre eigenen Pläne. Thor und Hyperion brechen zu einer nahezu aussichtslosen Mission in die Tiefen des Kosmos auf. Ihr Vorhaben könnte entscheidend für das Schicksal des Universums sein, doch die Gefahren, die dort auf sie warten, sind kaum abzuschätzen. Tony Stark wiederum ist verschwunden, was zusätzliche Fragen aufwirft und die ohnehin angespannte Situation weiter verschärft. Und während die Helden nach Lösungen suchen, verfolgt auch Dr. Doom seine eigenen Vorstellungen davon, wie die Existenz gerettet werden könnte. Gerade seine Beteiligung sorgt für zusätzliche Spannung, denn bei Doom ist selten klar, ob seine Absichten tatsächlich dem Wohl aller dienen oder ob er vor allem seine eigenen Ziele verfolgt.


Jonathan Hickman baut die Geschichte mit viel Weitblick auf und setzt dabei weniger auf eine Aneinanderreihung spektakulärer Kämpfe als auf eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre. Die verschiedenen Handlungsstränge greifen ineinander und vermitteln das Gefühl, dass sich eine Katastrophe unaufhaltsam nähert. Besonders interessant ist der moralische Konflikt zwischen den Figuren. Es gibt keine einfachen Antworten und auch die vermeintlich richtigen Entscheidungen haben ihren Preis. Dadurch erhalten die bekannten Helden eine ungewohnte Tiefe, denn plötzlich müssen sie sich nicht nur gegen äußere Bedrohungen behaupten, sondern auch ihre eigenen Überzeugungen hinterfragen.


Optisch wird die Geschichte von Stefano Caselli, Kev Walker und weiteren Künstlern umgesetzt. Die unterschiedlichen Zeichenstile sorgen für Abwechslung und setzen sowohl die kosmischen Dimensionen der Handlung als auch die persönlichen Auseinandersetzungen wirkungsvoll in Szene. Besonders die Szenen im Weltraum vermitteln die gewaltigen Ausmaße der Bedrohung, während die Konfrontationen zwischen den Helden von einer spürbaren Spannung leben. Die Illustrationen unterstreichen dabei hervorragend den zunehmend düsteren Charakter der Geschichte.


Für Marvel-Fans ist dieser Band auch deshalb interessant, weil die hier erzählte Saga als Inspiration für den kommenden Film Avengers: Doomsday dient. Wer sich bereits mit den Hintergründen der großen Bedrohung beschäftigen möchte, bekommt hier einen Einblick in eine Geschichte, die das Marvel-Universum grundlegend erschüttert. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass dieser erste Band nicht alle Fragen beantwortet. Als Auftakt einer zweiteiligen Erzählung baut er zunächst die Konflikte auf und führt die verschiedenen Handlungsstränge zusammen.


Fazit:


Avengers: Die Zeit läuft ab 1 ist ein düsterer und spannender Auftakt zu einer Geschichte, in der es um nicht weniger als das Überleben des gesamten Universums geht. Jonathan Hickman verbindet kosmische Bedrohungen mit persönlichen Konflikten und stellt die bekannten Helden vor Entscheidungen, bei denen es keine einfachen Lösungen gibt. Besonders der Streit zwischen Steve Rogers und Reed Richards verleiht der Handlung eine interessante moralische Ebene, während Thor, Hyperion und Dr. Doom zusätzliche Spannung in das Geschehen bringen. Die abwechslungsreiche zeichnerische Umsetzung rundet den Band ab. Wer epische Marvel-Geschichten mit weitreichenden Konsequenzen schätzt und wissen möchte, welche Comic-Saga hinter der Inspiration zu Avengers: Doomsday steckt, findet hier einen lesenswerten Einstieg.