Mit Fire and Ashes erwartet dich auf der PlayStation 5 ein düsteres Horrorspiel, das psychologischen Schrecken mit Erkundung, Rätseln und actionreichen Auseinandersetzungen verbinden möchte. Im Mittelpunkt steht eine verstörende Geschichte, die dich in eine Welt voller Gewalt, unheimlicher Kreaturen und rätselhafter Ereignisse führt. Dabei versucht das Spiel, mit einer ungewöhnlichen Besonderheit für zusätzliche Spannung zu sorgen: Über das Mikrofon können Geräusche wie Flüstern, Schreien und Atmen Einfluss auf das Verhalten der Gegner nehmen. Doch kann das ungewöhnliche Konzept auch spielerisch überzeugen?
Die Handlung führt ins Jahr 1977. Du schlüpfst in die Rolle von Henry Gray, der in der psychiatrischen Einrichtung Paul Staderbeiger Psychiatric Hospital zu sich kommt. Schnell wird klar, dass an diesem Ort etwas ganz und gar nicht stimmt. Blutige Spuren, verstörende Begegnungen und gefährliche Gestalten machen deutlich, dass Henry sich in einer lebensbedrohlichen Situation befindet. Während er versucht, einen Ausweg zu finden, muss er gleichzeitig herausfinden, was hinter den schrecklichen Ereignissen steckt und welche Verbindung seine eigene Vergangenheit zu den Geschehnissen hat.
Im Verlauf des Abenteuers erkundest du verlassene Krankenhausbereiche, unheimliche Labore und weitere düstere Schauplätze. Dabei triffst du auf feindselige Menschen, gefährliche Patienten und groteske Kreaturen, die dir das Leben schwer machen. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Albtraum verschwimmen zunehmend, wodurch die Geschichte eine psychologische Komponente erhält. Grundsätzlich bietet dieses Szenario eine gute Grundlage für ein spannendes Horrorerlebnis. Allerdings gelingt es dem Spiel nicht immer, seine Ausgangsidee in eine wirklich fesselnde Geschichte zu verwandeln. Einige Entwicklungen bleiben oberflächlich, während die Figuren und ihre Hintergründe mehr Tiefe hätten vertragen können.
Spielerisch erwartet dich eine Mischung aus Erkundung, Rätseln und Überlebenskampf. Du durchsuchst die Umgebung nach nützlichen Gegenständen, sammelst Hinweise und hältst Ausschau nach Möglichkeiten, verschlossene Türen zu öffnen oder neue Bereiche zu erreichen. Dabei lohnt es sich, die Schauplätze aufmerksam zu untersuchen, denn Dokumente und andere Fundstücke liefern zusätzliche Informationen über die Ereignisse. Die Rätsel sind überwiegend überschaubar und verlangen selten nach besonders ausgefallenen Lösungsansätzen. Vielmehr geht es darum, aufmerksam zu bleiben und die vorhandenen Hinweise richtig miteinander zu verbinden.
Der Aufbau der Spielwelt fällt dabei eher linear aus. Zwar sorgen die unterschiedlichen Schauplätze für etwas Abwechslung, doch große Freiheiten bei der Erkundung oder zahlreiche alternative Wege solltest du nicht erwarten. Der Schwerpunkt liegt darauf, die Geschichte voranzutreiben und sich den Gefahren zu stellen, die hinter der nächsten Ecke lauern können.
Kommt es zu einer Begegnung mit einem Gegner, bleibt häufig nur die Flucht oder der Kampf. Henry kann sich mit verschiedenen Nahkampfwaffen und Schusswaffen zur Wehr setzen. Zusätzlich stehen Abwehr- und Pariermöglichkeiten zur Verfügung, mit denen sich gegnerische Angriffe kontern lassen. Auf dem Papier bietet das Kampfsystem damit genügend Ansätze, um für abwechslungsreiche Auseinandersetzungen zu sorgen. In der Praxis fehlt es den Kämpfen allerdings an der notwendigen Präzision und Wucht. Treffer wirken nicht immer überzeugend, Animationen fallen teilweise steif aus und die Gegner verhalten sich nicht durchgehend intelligent. Dadurch verlieren manche Begegnungen schnell an Spannung.
Auch die Bosskämpfe können diesen Eindruck nur bedingt verbessern. Zwar bringen sie etwas Abwechslung in den Spielablauf, doch wirklich anspruchsvolle oder besonders einprägsame Herausforderungen entstehen daraus nur selten. Das Kampfsystem bleibt insgesamt hinter seinen Möglichkeiten zurück und kann die bedrohliche Atmosphäre nicht immer in packende Spielsituationen übertragen.
Eine der interessantesten Ideen von Fire and Ashes ist die Einbindung des Mikrofons. Statt ausschließlich die Aktionen der Spielfigur zu berücksichtigen, kann das Spiel auch auf deine eigenen Geräusche reagieren. Flüstern, Atmen oder Schreien werden damit zu möglichen Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. Wer sich leise verhält, soll sich unter bestimmten Umständen an Gegnern vorbeischleichen können. Ein lautes Geräusch kann dagegen die Aufmerksamkeit gefährlicher Kreaturen auf sich ziehen. Auch Sprachbefehle spielen eine Rolle und eröffnen zusätzliche Möglichkeiten im Umgang mit bestimmten Gegnern. Mit dem sogenannten Electric Voice gibt es außerdem ein besonderes Werkzeug, das dazu dienen soll, Feinde zu beruhigen.
Diese Mechanik ist ein interessanter Ansatz, weil sie den Spieler stärker in das Geschehen einbezieht. Gerade in einem Horrorspiel kann die Vorstellung, durch die eigene Atmung oder einen unbedachten Laut entdeckt zu werden, für zusätzliche Nervosität sorgen. Allerdings hängt der Erfolg einer solchen Funktion davon ab, wie zuverlässig sie arbeitet und wie sinnvoll sie in die einzelnen Situationen eingebunden wurde. Nicht immer entsteht daraus ein echter spielerischer Mehrwert, der die übrigen Schwächen ausgleichen könnte. Immerhin lässt sich das Abenteuer auch ohne Mikrofon spielen, sodass du nicht zwingend ein Headset benötigst.
Optisch setzt Fire and Ashes auf dunkle Korridore, verlassene Räume und eine insgesamt bedrückende Atmosphäre. Die psychiatrische Anstalt bildet den passenden Ausgangspunkt für die unheimlichen Ereignisse, während weitere Schauplätze das Abenteuer optisch erweitern. Die Mischung aus menschlichen Gegnern und grotesken Kreaturen sorgt grundsätzlich für genügend Möglichkeiten, um unangenehme Begegnungen zu schaffen. Besonders in ruhigeren Momenten, in denen du die Umgebung untersuchst und jederzeit mit einer Gefahr rechnen musst, kann das Spiel seine Stärken ausspielen.
Technisch zeigt sich die PS5-Version jedoch nicht immer auf einem überzeugenden Niveau. Neben teilweise steifen Animationen fallen gelegentlich verspätet dargestellte Lichteffekte und plötzlich auftauchende Objekte auf. Auch bei Interaktionen kann es zu Unregelmäßigkeiten kommen, wenn benötigte Eingabeaufforderungen nicht zuverlässig erscheinen. Solche Probleme sind gerade in einem Horrorspiel ärgerlich, da sie die Atmosphäre unterbrechen und den Spieler aus dem Geschehen reißen können. Zusammen mit der nicht immer präzisen Steuerung und dem unausgereiften Kampfsystem entsteht dadurch der Eindruck, dass dem Spiel an einigen Stellen der letzte Feinschliff fehlt.
Ein weiterer Punkt, der bei der Bewertung berücksichtigt werden sollte, ist der Umfang. Das Abenteuer lässt sich innerhalb von ungefähr zwei bis drei Stunden abschließen. Damit eignet sich Fire and Ashes vor allem für einen kurzen Horrorabend, bietet aber vergleichsweise wenig Spielzeit. Positiv ist, dass die Handlung dadurch nicht unnötig in die Länge gezogen wird. Gleichzeitig fehlt jedoch die Zeit, um die Figuren ausführlicher zu entwickeln, die Hintergründe umfassend zu beleuchten oder die Spielmechaniken stärker auszubauen. Zusätzliche Rätsel, abwechslungsreichere Kämpfe und eine intensivere Auseinandersetzung mit Henrys Vergangenheit hätten dem Erlebnis gutgetan.
Fazit:
Fire and Ashes auf der PS5 ist ein Horrorspiel, das mit einer düsteren Geschichte, unheimlichen Schauplätzen und einer ungewöhnlichen Mikrofonmechanik durchaus neugierig macht. Die Idee, die eigene Stimme und Atmung in das Spielgeschehen einzubinden, sorgt für einen interessanten Ansatz, der sich von vielen anderen Genrevertretern abhebt. Auch die bedrückende Atmosphäre kann stellenweise überzeugen. Allerdings stehen diesen positiven Ansätzen deutliche Schwächen gegenüber. Das Kampfsystem wirkt unausgereift, die Gegner agieren nicht immer überzeugend und technische Probleme beeinträchtigen den Spielfluss. Hinzu kommt die sehr kurze Spielzeit, durch die das Abenteuer sein Potenzial nicht vollständig entfalten kann. Wenn du kompakte Horrorspiele magst und offen für ungewöhnliche Ideen bist, könnte ein Blick dennoch lohnen. Wer hingegen ein umfangreiches, technisch ausgereiftes und spielerisch anspruchsvolles Survival-Horror-Erlebnis erwartet, dürfte eher enttäuscht werden. Am Ende bleibt ein Spiel mit interessanten Ansätzen, dem es jedoch an der nötigen Konsequenz bei der Umsetzung mangelt.