YAR: Forgotten Throne – Fantasy-Rollenspiel mit slawischen Wurzeln auf der PS5
Mit YAR: Forgotten Throne erwartet dich auf der PlayStation 5 ein Fantasy-Abenteuer, das klassische Rollenspielelemente mit einer ungewöhnlichen mythologischen Kulisse verbindet. Statt sich ausschließlich an den bekannten Motiven westlicher Fantasy zu orientieren, entführt dich das Action-Rollenspiel in die geheimnisvolle Welt Borea, deren Gestaltung von slawischen Legenden und Sagen beeinflusst ist. Eine dunkle Bedrohung breitet sich über das Land aus, vergiftet Wälder und verändert die Tierwelt. Du begibst dich auf die Suche nach den Ursachen dieser unheilvollen Entwicklung und musst dich dabei zahlreichen Gefahren stellen. Das Spiel setzt auf eine offene Welt, umfangreiche Charakterentwicklung und jede Menge Möglichkeiten, eigene Abenteuer abseits der Hauptgeschichte zu erleben.
Die Welt von Borea bildet das Herzstück des Spiels. Unterschiedliche Landschaften, geheimnisvolle Orte und Siedlungen laden dazu ein, die Umgebung in deinem eigenen Tempo zu erkunden. Dabei stößt du auf Spuren längst vergangener Ereignisse, triffst auf ungewöhnliche Gestalten und entdeckst Geheimnisse, die nicht immer unmittelbar mit deiner eigentlichen Aufgabe zusammenhängen. Besonders interessant ist der mythologische Hintergrund, der Figuren und Motive aus slawischen Erzählungen aufgreift. Bekannte Gestalten wie Baba Yaga oder Koschei der Unsterbliche verleihen dem Abenteuer eine besondere Note und sorgen dafür, dass sich die Fantasywelt von zahlreichen vergleichbaren Rollenspielen abhebt. Anstelle einer vollständig vertrauten Märchenkulisse erwartet dich eine Umgebung, in der unheimliche Legenden und gefährliche Kreaturen zum Alltag gehören.
Bevor du dich in die Wildnis wagst, entscheidest du dich für einen von drei unterschiedlichen Charakterwegen. Der Krieger bevorzugt den direkten Kampf und stellt sich seinen Gegnern im Nahkampf. Als Bogenschütze hältst du dagegen lieber Abstand und versuchst, Feinde bereits aus der Ferne auszuschalten. Der Volkhv setzt auf magische Fähigkeiten und spirituelle Kräfte, die sich thematisch gut in die slawisch inspirierte Welt einfügen. Diese unterschiedlichen Ausrichtungen sorgen dafür, dass du das Abenteuer auf verschiedene Arten angehen kannst. Im weiteren Spielverlauf entwickelst du deinen Charakter kontinuierlich weiter, verbesserst seine Attribute und schaltest aktive sowie passive Fähigkeiten frei. Dadurch lässt sich der eigene Spielstil zunehmend verfeinern und an persönliche Vorlieben anpassen. Darüber hinaus stehen zwei Fraktionen zur Wahl, denen du dich anschließen kannst und die zusätzliche Möglichkeiten innerhalb der Spielwelt eröffnen.
Auch bei den Aufgaben hat das Rollenspiel einiges zu bieten. Mehr als 100 Quests warten darauf, von dir bewältigt zu werden. Neben der Suche nach dem Ursprung der Verderbnis beschäftigen dich zahlreiche weitere Missionen, Begegnungen und Entdeckungen. Dabei bleibt es dir überlassen, ob du dich hauptsächlich auf die zentrale Handlung konzentrierst oder lieber ausgiebig durch Borea streifst. Gerade die Möglichkeit, eigene Wege einzuschlagen und unerwartete Aufgaben zu entdecken, gehört zu den reizvollen Eigenschaften des Open-World-Konzepts. Die drei größeren Siedlungen dienen als wichtige Anlaufpunkte, an denen du neue Kontakte knüpfen und weitere Einblicke in die Welt erhalten kannst. Wer gerne gründlich erkundet und sich Zeit für Nebenbeschäftigungen nimmt, dürfte hier ausreichend Anreize finden.
Natürlich spielen auch die Kämpfe eine wichtige Rolle. Dabei solltest du deine Gegner nicht unterschätzen, denn unüberlegtes Vorgehen kann schnell zu Schwierigkeiten führen. Statt dich blind in jede Auseinandersetzung zu stürzen, empfiehlt es sich, die eigenen Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen und die gewählte Charakterausrichtung konsequent zu nutzen. Die verschiedenen Spielweisen bieten dabei unterschiedliche Herangehensweisen an die Herausforderungen. Während der Krieger auf seine Stärke im direkten Gefecht vertraut, muss der Bogenschütze seine Distanzvorteile ausspielen. Der Volkhv wiederum kann seine magischen Möglichkeiten nutzen, um sich gegen die Gefahren der Spielwelt zu behaupten. Das Kampfsystem richtet sich damit vor allem an Spieler, die Freude daran haben, ihren Charakter gezielt weiterzuentwickeln und sich nach und nach auch schwierigeren Gegnern zu stellen. Wer hingegen unkomplizierte Action ohne größere Herausforderungen bevorzugt, benötigt möglicherweise etwas Eingewöhnungszeit.
Neben den Missionen und Kämpfen nimmt das Handwerk einen beachtlichen Stellenwert ein. Das Spiel bietet verschiedene Beschäftigungen, mit denen du dich auch außerhalb der eigentlichen Abenteuer auseinandersetzen kannst. Dazu gehören Alchemie, Kochen, Schmieden, Verzauberungen, Angeln und die Herstellung von Schmuck. Diese Systeme ergänzen die Rollenspielmechaniken und geben dir weitere Möglichkeiten, deine Ausrüstung und deinen Charakter zu verbessern. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass du dich intensiver mit den verschiedenen Materialien und Ressourcen der Spielwelt beschäftigst. Wer gerne Gegenstände sammelt, neue Rezepte ausprobiert und seine Ausrüstung selbst optimiert, findet hier zusätzliche Motivation, auch entlegenere Winkel Boreas zu erkunden.
Damit sich unterschiedliche Spielertypen zurechtfinden, stehen verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Wer hauptsächlich die Geschichte erleben und die Welt entdecken möchte, kann eine weniger anspruchsvolle Einstellung wählen. Für erfahrene Rollenspieler, die nach einer größeren Herausforderung suchen, gibt es dagegen einen Hardcore-Modus, der unter anderem mit strengeren Bedingungen beim Speichern aufwartet. Dadurch kannst du selbst entscheiden, wie fordernd dein Abenteuer ausfallen soll. Gerade diese Wahlmöglichkeiten passen gut zum klassischen Rollenspielgedanken, bei dem nicht nur die Geschichte, sondern auch die persönliche Entwicklung des eigenen Helden im Mittelpunkt steht.
Auf der PlayStation 5 präsentiert sich YAR: Forgotten Throne als Einzelspieler-Erlebnis, das sich vollständig auf die Erkundung und Weiterentwicklung des eigenen Charakters konzentriert. Die Unterstützung der Vibrationsfunktion des DualSense-Controllers ergänzt das Spielgefühl, während auch eine Optimierung für die PS5 Pro vorgesehen ist. Allerdings zeigen sich bei der Bedienung einige Schwächen. Vor allem die Menüführung und die Verwaltung von Inventar und Ausrüstung können unnötig umständlich ausfallen. Gerade weil du im Verlauf des Abenteuers regelmäßig Gegenstände einsammelst, deine Fähigkeiten überprüfst und neue Ausrüstung verwendest, wäre eine übersichtlichere Gestaltung wünschenswert gewesen. Solche Unzulänglichkeiten können den Spielfluss beeinträchtigen und dafür sorgen, dass sich bestimmte Abläufe weniger komfortabel anfühlen, als es auf einer Konsole sein sollte.
Trotz dieser Kritikpunkte besitzt das Rollenspiel einige interessante Ansätze. Besonders die Verbindung aus offener Spielwelt, umfangreicher Charakterentwicklung und slawischer Mythologie sorgt für einen eigenen Charakter. Während viele Fantasy-Abenteuer auf vertraute Motive zurückgreifen, versucht YAR: Forgotten Throne, sich durch seine kulturellen Einflüsse und die Gestaltung seiner Welt abzugrenzen. Die zahlreichen Quests, unterschiedlichen Charakterwege und umfangreichen Handwerksmöglichkeiten schaffen zudem genügend Beschäftigungsmöglichkeiten für Spieler, die gerne langfristig in eine Spielwelt eintauchen. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass sämtliche Bereiche bereits das Niveau der großen Genreproduktionen erreichen. Vor allem bei der Benutzerführung wären Verbesserungen wünschenswert, damit die vielen Spielsysteme komfortabler ineinandergreifen.
Insgesamt ist YAR: Forgotten Throne ein interessantes Fantasy-Rollenspiel für die PS5, das vor allem mit seiner ungewöhnlichen Welt und seinen klassischen Rollenspielelementen punkten möchte. Die drei Charakterwege ermöglichen unterschiedliche Spielweisen, während die zahlreichen Quests und das vielseitige Handwerkssystem für Abwechslung sorgen. Gleichzeitig verlangen die Kämpfe eine gewisse Geduld, und die teilweise umständliche Menüführung trübt den Gesamteindruck. Wer sich gerne in fremde Welten stürzt, Freude an Charakterentwicklung hat und eine Alternative zu den üblichen Fantasy-Szenarien sucht, sollte das Abenteuer dennoch im Auge behalten. Insbesondere Fans traditioneller Rollenspiele könnten an Borea und seiner düsteren Sagenwelt Gefallen finden. Für ein rundum überzeugendes Konsolenerlebnis fehlt es zwar noch an mancher Stelle an Feinschliff, doch die eigenständige Ausrichtung macht YAR: Forgotten Throne zu einem Titel, der sich von vielen Genrevertretern abheben möchte.