Mit dem Blu-ray-Doppelpack aus Die Strandflitzer und Die Ski-Flitzer bringt Studiocanal zwei französische Kultkomödien zurück, die Ende der 1970er-Jahre mit ihrem respektlosen Humor, ihren überzeichneten Figuren und ihrer bissigen Parodie auf den Massentourismus für Furore sorgten. Beide Filme nehmen die kleinen und großen Katastrophen des Urlaubs aufs Korn und zeigen Menschen, die eigentlich Erholung suchen, sich aber regelmäßig selbst im Weg stehen. Ob unter der heißen Sonne der Elfenbeinküste oder im verschneiten Ambiente der französischen Alpen: Wenn diese Reisegesellschaft unterwegs ist, sind peinliche Begegnungen, absurde Missverständnisse und jede Menge Chaos praktisch vorprogrammiert. Die Zusammenstellung bietet damit nicht nur ein Wiedersehen mit zwei beliebten Komödien, sondern auch einen unterhaltsamen Ausflug in eine Zeit, in der der französische Ensemblefilm mit viel Klamauk und einer gehörigen Portion Selbstironie sein Publikum begeisterte.
Im ersten Film, Die Strandflitzer, treffen in einem Clubhotel an der Elfenbeinküste ganz unterschiedliche Urlauber aufeinander. Sie alle haben ihre eigenen Vorstellungen davon, wie die schönsten Tage des Jahres auszusehen haben, doch die gemeinsame Ferienzeit entwickelt sich schnell zu einer Aneinanderreihung skurriler Erlebnisse. Zu den Reisenden gehören das lebenslustige Ehepaar Bernard und Nathalie, gespielt von Gérard Jugnot und Josiane Balasko, die mit ihrer unkonventionellen Art für reichlich Unterhaltung sorgen. Während Bernard und Nathalie das Urlaubsleben auf ihre Weise genießen, begegnen sie Menschen, deren Eigenheiten und Erwartungen immer wieder zu komischen Situationen führen. Besonders die naiv-romantische Gigi, dargestellt von Marie-Anne Chazel, sorgt mit ihrer unverstellten Art für amüsante Momente. Dazu kommt der Animateur Popeye, den Thierry Lhermitte mit spitzbübischem Charme verkörpert. Er versteht es, sich mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein, Charme und zweifelhaften Einfällen durch den Ferienalltag zu manövrieren.
Was zunächst nach einer unbeschwerten Auszeit klingt, entwickelt sich rasch zu einem turbulenten Durcheinander. Die Urlauber geraten in Situationen, die von kleinen Missgeschicken bis hin zu ausgewachsenen Katastrophen reichen. Dabei nimmt der Film nicht nur die Eigenheiten seiner Figuren aufs Korn, sondern auch die Erwartungen, die mit dem modernen Pauschaltourismus verbunden sind. Das vermeintliche Paradies unter Palmen wird zur Bühne für menschliche Schwächen, übertriebene Ansprüche und jede Menge peinlicher Augenblicke. Die Urlauber wollen entspannen, Spaß haben und möglichst viel erleben, scheitern aber regelmäßig an ihren eigenen Vorstellungen oder an den Mitmenschen. Gerade aus dieser Diskrepanz zieht die Komödie ihren Humor.
Die Strandflitzer setzt dabei auf einen ausgesprochen direkten, bisweilen derben Witz. Die Figuren sind bewusst überzeichnet, ihre Reaktionen fallen häufig übertrieben aus und die Handlung lebt weniger von einer ausgeklügelten Dramaturgie als von einer Folge komischer Situationen. Wer subtilen Humor und fein austarierte Dialoge erwartet, wird mit diesem Ansatz möglicherweise nicht immer glücklich. Die Stärke des Films liegt vielmehr darin, dass er seine Figuren ohne große Hemmungen in immer neue Peinlichkeiten stürzt und die Urlaubswelt als Schauplatz menschlicher Eitelkeiten und absurder Verhaltensweisen nutzt. Gleichzeitig ist die Geschichte nicht völlig beliebig, denn die Begegnungen der Urlauber schaffen eine Verbindung zwischen den einzelnen Episoden und verleihen dem Ensemble einen gewissen Wiedererkennungswert.
Ein Jahr später führt Die Ski-Flitzer die Geschichte der chaotischen Urlaubsgesellschaft fort. Statt in der tropischen Hitze verbringen die Figuren ihre Ferien nun in den französischen Alpen. Der Schauplatzwechsel bietet reichlich Gelegenheit für neue Missgeschicke, denn auch auf den Skipisten und in den Wintersportunterkünften treffen unterschiedliche Temperamente, Erwartungen und Fähigkeiten aufeinander. Die gemeinsame Reise soll eigentlich für Erholung und gesellige Stunden sorgen, doch wie schon im Vorgänger dauert es nicht lange, bis aus der vermeintlichen Entspannung ein turbulentes Abenteuer wird. Die sechs Urlauber stolpern von einem irrwitzigen Intermezzo ins nächste und beweisen, dass man nicht unbedingt tropische Temperaturen braucht, um ordentlich ins Schwitzen zu geraten.
Der Wechsel vom Strand in die Berge funktioniert dabei hervorragend als Grundlage für neue komödiantische Situationen. Während im ersten Film das Clubhotel mit seinem Animateurprogramm und dem internationalen Ferienpublikum den Rahmen vorgibt, nutzt die Fortsetzung die Eigenheiten des Wintersporturlaubs. Skifahren, gesellige Abende und die besonderen Regeln des alpinen Ferienbetriebs bieten genügend Ansatzpunkte, um die Schwächen der Figuren erneut offenzulegen. Hinzu kommt der reizvolle Kontrast zwischen der idyllischen Bergkulisse und dem Chaos, das die Urlauber verbreiten. Die Landschaft verspricht Ruhe und Erholung, doch die Menschen machen daraus ein ebenso turbulentes Vergnügen wie zuvor am Strand.
Dabei profitiert auch die Fortsetzung vom Zusammenspiel des Ensembles. Die Figuren besitzen klar erkennbare Eigenheiten, die in den neuen Situationen erneut für Konflikte und komische Reaktionen sorgen. Gérard Jugnot und Josiane Balasko bringen die nötige Energie mit, um das lebenslustige Ehepaar glaubwürdig durch die nächste Runde urlaubstypischer Katastrophen zu führen. Marie-Anne Chazel setzt weiterhin auf den Charme ihrer romantischen und etwas naiven Figur, während Thierry Lhermitte als Popeye die passende Mischung aus Selbstsicherheit und Schlitzohrigkeit mitbringt. Das Ensemble lebt davon, dass die Darsteller ihre Rollen nicht mit übertriebener Zurückhaltung spielen, sondern den grotesken Situationen mit sichtbarer Spielfreude begegnen.
Für die Inszenierung zeichnet Patrice Leconte verantwortlich, der später mit Filmen wie Ridicule – Von der Lächerlichkeit des Scheins auch international auf sich aufmerksam machte. In diesen frühen Komödien zeigt sich bereits sein Gespür für Figuren, die sich durch ihre eigenen Schwächen in Schwierigkeiten bringen. Der Humor entsteht häufig aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Charaktere und aus dem Kontrast zwischen den schönen Urlaubskulissen und dem wenig erbaulichen Verhalten der Menschen. Die Ferienorte werden nicht einfach als malerische Hintergründe präsentiert, sondern als Schauplätze, an denen gesellschaftliche Eigenheiten besonders deutlich hervortreten. Der Massentourismus erscheint dabei als ein großes Versprechen von Freiheit und Vergnügen, das in der Realität nicht selten von Eitelkeiten, Konkurrenzdenken und lächerlichen Missverständnissen geprägt ist.
Besonders interessant ist, wie deutlich sich in beiden Filmen der Zeitgeist ihrer Entstehung widerspiegelt. Der Pauschalurlaub war längst zu einem festen Bestandteil der Freizeitkultur geworden, und die Vorstellung, für eine begrenzte Zeit aus dem Alltag auszubrechen, gehörte zu den großen Verheißungen der modernen Gesellschaft. Die Strandflitzer und Die Ski-Flitzer drehen dieses Versprechen humorvoll auf links. Statt ausschließlich entspannte Urlaubstage zu erleben, bringen die Reisenden ihre persönlichen Probleme, Eigenheiten und Erwartungen einfach mit an den Ferienort. Die Umgebung ändert sich, die menschlichen Schwächen bleiben. Gerade deshalb funktionieren viele der komischen Grundideen auch heute noch, selbst wenn manche Pointen, Verhaltensweisen und Formen des Klamauks deutlich in ihrer Entstehungszeit verwurzelt sind.
Die beiden Filme sollte man allerdings nicht mit modernen Komödien vergleichen, die ihren Humor vor allem aus ausgefeilten Dialogen oder einer besonders realistischen Figurenzeichnung beziehen. Hier geht es um Übertreibung, Situationskomik und eine gehörige Portion Albernheit. Manche Gags sind bewusst grob, andere leben von der bloßen Peinlichkeit einer Situation. Nicht jeder Witz trifft dabei gleichermaßen ins Schwarze, und gerade Zuschauer, die mit dem französischen Komödienstil der 1970er-Jahre wenig anfangen können, dürften sich gelegentlich an der überdrehten Inszenierung stoßen. Wer sich jedoch auf die besondere Tonlage einlässt, bekommt zwei Filme geboten, die ihre Figuren mit großer Konsequenz in immer neue Schwierigkeiten bringen und dabei eine bemerkenswerte Spielfreude entwickeln.
Gerade als Doppelpack entfalten die beiden Produktionen ihren besonderen Reiz. Der erste Film etabliert die Figuren und ihren ganz eigenen Umgang mit dem Urlaub, während die Fortsetzung dieses Konzept in ein völlig anderes Umfeld überträgt. Die Wiederbegegnung mit der Reisegesellschaft sorgt für einen gewissen Wiedererkennungseffekt, ohne dass sich die Schauplätze und Situationen einfach nur wiederholen. Strand und Skipiste bieten unterschiedliche Voraussetzungen, bleiben aber gleichermaßen geeignete Bühnen für die menschlichen Abgründe des Ferienalltags. Dadurch ergänzen sich die beiden Komödien gut und ergeben zusammen ein stimmiges Gesamtpaket für Fans des französischen Kinos.
Auch die Blu-ray-Veröffentlichung von Studiocanal ist für Liebhaber älterer Komödien interessant, da sie beide Filme in einer gemeinsamen Sammlung vereint. Das Bonusmaterial ergänzt die Veröffentlichung um Kurzfilme, Werbespots und Einblicke hinter die Kulissen. Damit wird nicht nur der Unterhaltungswert der beiden Hauptfilme erweitert, sondern auch ein Blick auf das Umfeld ihrer Entstehung ermöglicht. Gerade bei Produktionen, die stark vom Zeitgeist und der damaligen Filmkultur geprägt sind, können solche Extras eine reizvolle Ergänzung darstellen. Wer sich für die Hintergründe klassischer französischer Komödien interessiert, erhält dadurch zusätzliches Material, das über das reine Wiedersehen mit den Filmen hinausgeht.
Fazit:
Die Strandflitzer und Die Ski-Flitzer sind zwei herrlich chaotische Urlaubskomödien, die mit überzeichneten Figuren, derbem Humor und einer gehörigen Portion Spott auf den Massentourismus setzen. Gérard Jugnot, Josiane Balasko, Marie-Anne Chazel und Thierry Lhermitte bilden ein spielfreudiges Ensemble, das die absurden Situationen mit viel Energie und komödiantischem Gespür zum Leben erweckt. Patrice Leconte verbindet tropisches Ferienchaos und alpinen Wintersportwahnsinn zu zwei unterhaltsamen Zeitdokumenten des französischen Kinos. Nicht jeder Gag ist gleichermaßen treffsicher, und der Humor ist unverkennbar von seiner Entstehungszeit geprägt. Wer jedoch klassische Ensemblekomödien mit viel Klamauk und schrägen Charakteren schätzt, bekommt mit dieser von Studiocanal veröffentlichten Blu-ray-Sammlung ein gelungenes Doppelpack, das sich bestens für einen nostalgischen Filmabend eignet.