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In den frühen Siebzigern erlebte das Horrorkino eine Phase, in der neben klassischen Monstern, Geistergeschichten und übernatürlichen Bedrohungen auch die Natur zunehmend als Quelle des Schreckens entdeckt wurde. Umweltverschmutzung, rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die Folgen menschlicher Eingriffe in die Umwelt boten reichlich Stoff für ungewöhnliche Horrorfilme. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Richtung ist Frogs aus dem Jahr 1972. Der Film von Regisseur George McCowan verbindet eine klassische Familiengeschichte mit einem Öko-Schocker, in dem sich die Natur gegen ihre Ausbeuter zur Wehr setzt. One Gate Media bringt diesen etwas anderen Horrorfilm nun neu auf Blu-ray heraus und ermöglicht damit ein Wiedersehen mit einem Genrevertreter, der seinen ganz eigenen Charme besitzt.

Die Geschichte führt uns an die Küste Floridas, genauer gesagt auf eine abgeschiedene Insel, auf der der wohlhabende und inzwischen betagte Jason Crockett lebt. Alljährlich versammelt der Patriarch am amerikanischen Unabhängigkeitstag seine Familie auf seinem weitläufigen Anwesen. Für ihn ist dieser Feiertag ein willkommener Anlass, seinen Reichtum und seine gesellschaftliche Stellung zu präsentieren. Dass seine Umgebung zunehmend unter seinen Gewohnheiten und seinem rücksichtslosen Verhalten leidet, interessiert ihn herzlich wenig. Die Natur betrachtet er bestenfalls als etwas, das seinem persönlichen Vergnügen zu dienen hat. Besonders die zahlreichen Frösche, deren Quaken aus den umliegenden Sümpfen immer lauter wird, empfindet er als störende Belästigung.

In diese abgeschiedene Welt gerät der Naturfotograf Pickett Smith, der eigentlich nur die Tierwelt der Gegend dokumentieren möchte. Dabei entdeckt er schnell, dass auf der Insel einiges im Argen liegt. Die Verschmutzung der Umwelt und der respektlose Umgang mit den Tieren sind offensichtlich. Während Smith versucht, die Bewohner auf die Gefahren aufmerksam zu machen, wird er zunehmend Zeuge ungewöhnlicher Vorfälle. Zunächst scheinen die Tiere lediglich auf die Störungen ihrer natürlichen Umgebung zu reagieren. Doch schon bald entwickelt sich daraus eine tödliche Bedrohung. Frösche, Schlangen, Spinnen und Alligatoren scheinen sich gegen die Menschen verbündet zu haben. Einer nach dem anderen wird von der Tierwelt überrascht und auf unterschiedliche Weise zur Strecke gebracht.

Was zunächst wie eine Reihe unglücklicher Zwischenfälle wirkt, entwickelt sich immer mehr zu einem regelrechten Überlebenskampf. Die Insel wird zum Gefängnis, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Während die Natur ihren Einfluss zurückgewinnt, weigert sich Jason Crockett weiterhin, sein Verhalten zu überdenken. Der alte Mann ist so sehr von seinem Reichtum und seiner Macht überzeugt, dass er die Zeichen der Zeit nicht erkennen möchte. Gerade dieser Gegensatz zwischen menschlicher Selbstüberschätzung und der unberechenbaren Kraft der Natur bildet das thematische Fundament des Films.

Regisseur George McCowan, der unter anderem durch Arbeiten wie Cannon und Halluzinationen bekannt wurde und auch an der Serie Krieg der Welten beteiligt war, inszeniert das Geschehen mit einem ausgeprägten Gespür für die Atmosphäre der Sümpfe Floridas. Dabei setzt er weniger auf permanente Schockmomente als vielmehr auf die bedrohliche Umgebung und das Gefühl, dass die Gefahr überall lauern könnte. Das Quaken der Frösche, die dichte Vegetation und die träge wirkenden Gewässer bilden eine Kulisse, in der sich die Menschen zunehmend fremd und unwillkommen fühlen. Die Natur wird dabei nicht als idyllischer Rückzugsort präsentiert, sondern als etwas, das sich jederzeit gegen seine Besucher wenden kann.

Natürlich darf man Frogs nicht mit modernen Tierhorrorfilmen vergleichen, die ihre Bedrohungen häufig mit aufwendigen Effekten und einem hohen Tempo präsentieren. Der Film stammt aus einer Zeit, in der die Inszenierung noch deutlich gemächlicher ausfiel. Gerade im Mittelteil nimmt sich die Handlung viel Zeit, um die verschiedenen Familienmitglieder und ihre Eigenheiten vorzustellen. Dadurch entsteht zunächst ein eher ruhiger Spannungsaufbau, bevor die tierischen Angriffe immer stärker in den Mittelpunkt rücken. Wer einen Horrorfilm mit pausenloser Action erwartet, könnte deshalb etwas Geduld benötigen. Dafür entwickelt sich eine eigenwillige Atmosphäre, die gerade durch ihre Einfachheit funktioniert.

Ein besonderer Reiz liegt in der Verwendung echter Tiere. Frösche, Schlangen, Spinnen und Alligatoren werden nicht einfach nur als Hintergrunddekoration eingesetzt, sondern bilden einen wesentlichen Bestandteil der Bedrohung. Die Aufnahmen verleihen dem Film eine gewisse Unmittelbarkeit, die mit heutigen digitalen Effekten kaum in derselben Form zu erreichen wäre. Gleichzeitig merkt man der Produktion natürlich ihr Alter an. Nicht jede Szene wirkt aus heutiger Sicht gleichermaßen überzeugend, und manche der tierischen Angriffe besitzen einen unfreiwillig kuriosen Charakter. Doch gerade das gehört zum Charme dieser älteren Genreproduktionen. Frogs nimmt seine ökologische Botschaft durchaus ernst, verliert dabei aber nie den Unterhaltungswert eines klassischen Tierhorrorfilms aus den Augen.

Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Besonders hervorzuheben ist Ray Milland, der den selbstherrlichen Patriarchen Jason Crockett verkörpert. Milland gehörte zu den etablierten Hollywood-Größen und wurde für seine Darstellung in Billy Wilders Drama Das verlorene Wochenende mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Zu seinen weiteren bekannten Filmen zählen Spiel mit dem Tode, Der Mann mit den Röntgenaugen und Lebendig begraben. Gerade in der Rolle des reichen und starrköpfigen Familienoberhaupts kann er seine Erfahrung ausspielen. Crockett ist eine Figur, die sich durch Arroganz und Selbstüberschätzung auszeichnet. Milland verleiht ihm dabei eine unangenehme Mischung aus Überheblichkeit und altersbedingter Starrsinnigkeit. Er ist der perfekte Gegenpol zu der Natur, die sich im Verlauf der Geschichte immer deutlicher gegen ihn stellt.

Als Naturfotograf Pickett Smith ist Sam Elliott zu sehen, der später zu einem der markantesten Charakterdarsteller Hollywoods avancierte. Seine tiefe Stimme, seine unverwechselbare Erscheinung und seine ruhige Leinwandpräsenz machten ihn über Jahrzehnte hinweg zu einem gefragten Schauspieler. Zu seinen bekannten Arbeiten gehören The Legacy – Das Haus des Satans, Die Maske und Tombstone. Auch seine Oscar-Nominierung für A Star Is Born gehört zu den Höhepunkten seiner Karriere. In Frogs übernimmt er die Rolle des naturverbundenen Beobachters, der als einer der wenigen erkennt, welche Gefahr von der rücksichtslosen Behandlung der Umwelt ausgeht. Smith bildet damit den moralischen Gegenpol zu Crockett und sorgt dafür, dass die ökologische Aussage des Films nicht nur auf einer abstrakten Ebene stattfindet.

Joan Van Ark, die vielen Zuschauern vor allem aus der Fernsehserie Unter der Sonne Kaliforniens bekannt sein dürfte, gehört ebenfalls zur Besetzung. Sie war außerdem in Produktionen wie Night Gallery und Wonder Woman zu sehen. Ihre Rolle fügt sich in das Familiengefüge ein und trägt dazu bei, die unterschiedlichen Charaktere und Konflikte auf der Insel herauszuarbeiten. Ergänzt wird die Besetzung durch Hollis Irving, die unter anderem aus Zwei Minuten Warnung bekannt ist, sowie Lynn Borden, die in Frauen in Ketten und Terror über den Wolken mitwirkte. Judy Pace, bekannt aus Wenn es Nacht wird in Manhattan, und May Mercer, die in Betrogen zu sehen war, runden das Ensemble ab. Auch wenn nicht jede Figur besonders tief ausgearbeitet ist, sorgt die erfahrene Besetzung für eine solide Grundlage.

Ein weiteres Highlight ist die Filmmusik von Les Baxter. Der Komponist und Musiker war insbesondere für seine Exotica-Musik bekannt und hinterließ auch im Horrorfilmgenre deutliche Spuren. Zu seinen Arbeiten gehören die Soundtracks zu Die Verfluchten, Das Pendel des Todes, Der grauenvolle Mr. X, Der Mann mit den Röntgenaugen und Der Todesschrei der Hexen. Seine Musik passt hervorragend zur schwülen Atmosphäre Floridas. Sie unterstreicht die unheilvolle Stimmung und verstärkt das Gefühl, dass die Gefahr jederzeit aus dem Dickicht oder dem Wasser auftauchen könnte. Gerade bei einem Film, der so stark von seiner Umgebung lebt, ist die musikalische Untermalung ein wichtiger Bestandteil des Gesamteindrucks.

Die Blu-ray-Veröffentlichung von One Gate Media

Mit der Neuveröffentlichung auf Blu-ray erhält Frogs eine zeitgemäße Heimkinoauswertung. Gerade bei älteren Produktionen ist eine vernünftige Bildpräsentation wichtig, damit die ursprüngliche Kameraarbeit und die vielen Details der Kulissen zur Geltung kommen. Die Sumpflandschaften, die dichte Vegetation und die zahlreichen Tieraufnahmen bilden schließlich einen wesentlichen Bestandteil der Atmosphäre. Die Blu-ray bietet gegenüber älteren DVD-Veröffentlichungen grundsätzlich eine höhere Bildauflösung und damit die Möglichkeit, die Aufnahmen detaillierter zu erleben. Dabei sollte man allerdings berücksichtigen, dass es sich um eine Produktion aus dem Jahr 1972 handelt. Die Bildqualität lässt sich nicht mit aktuellen Filmproduktionen vergleichen, und auch die ursprüngliche Bildgestaltung bleibt selbstverständlich erhalten.

Gerade die natürliche Umgebung profitiert von der größeren Detaildarstellung. Die verschiedenen Grüntöne der Vegetation, die Wasserflächen und die Aufnahmen der Tiere prägen den visuellen Charakter des Films. Die bewusst ruhige Inszenierung kommt dabei gut zur Geltung. Auch die Tonwiedergabe erfüllt ihren Zweck, denn neben den Dialogen sind es vor allem die Tiergeräusche und die musikalische Untermalung, die für die passende Stimmung sorgen. Das unheimliche Quaken der Frösche wird dabei beinahe zu einem eigenen Charakter des Films.

Fazit

Frogs ist ein herrlich eigenwilliger Öko-Horrorfilm aus den frühen Siebzigern, der seine Geschichte mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Tierhorror, Gesellschaftskritik und bedrohlicher Sumpfatmosphäre erzählt. Die Handlung mag aus heutiger Sicht stellenweise etwas gemächlich wirken, doch gerade die Verwendung echter Tiere, die ungewöhnliche Grundidee und die erfahrene Besetzung machen den Film zu einem interessanten Vertreter seines Genres. Ray Milland überzeugt als selbstherrlicher Patriarch, während Sam Elliott als naturverbundener Fotograf einen gelungenen Gegenpol bildet. Auch Joan Van Ark und die übrigen Darsteller tragen zum nostalgischen Charme der Produktion bei. Die Musik von Les Baxter rundet das Ganze stimmungsvoll ab. One Gate Media bietet mit der neuen Blu-ray eine willkommene Gelegenheit, diesen ungewöhnlichen Klassiker wiederzuentdecken. Wer klassische Tierhorrorfilme und den Öko-Horror der Siebziger schätzt, sollte sich diesen Ausflug in die Sümpfe Floridas nicht entgehen lassen.