Nicht jede Liebesgeschichte nimmt einen romantischen Verlauf. Manchmal reicht eine harmlose Anmache in einer Bar, um eine ganze Reihe chaotischer Ereignisse auszulösen, die irgendwo zwischen Romantik, schwarzem Humor und blutigem Horror angesiedelt sind. Genau dieses ungewöhnliche Szenario erwartet dich in Love: Fall in Death, einem interaktiven Live-Action-Abenteuer von SNR Interactive, das auf der PlayStation 5 klassische FMV-Unterhaltung mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und übernatürlichen Überraschungen verbindet.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kutay, der einen Abend mit seinen beiden Freunden in einer Bar verbringt. Als die drei eine Wette abschließen, wird Kutay kurzerhand zum unfreiwilligen Versuchskaninchen erklärt. Seine Aufgabe besteht darin, eine attraktive Besucherin namens Ayşil anzusprechen und ihr Interesse zu gewinnen. Was zunächst nach einer gewöhnlichen Flirtgeschichte klingt, entwickelt sich allerdings ziemlich schnell zu einer Begegnung, die Kutay so schnell nicht vergessen wird. Denn Ayşil hat ihre eigenen Geheimnisse, und hinter der vermeintlich harmlosen Bekanntschaft verbirgt sich eine deutlich düsterere Geschichte. Aus dem anfänglichen Flirt entwickelt sich eine turbulente Nacht, in der romantische Gefühle, gefährliche Begegnungen und übernatürliche Bedrohungen aufeinandertreffen. Je nachdem, welche Entscheidungen du triffst, kann Kutays Abend eine überraschend romantische Wendung nehmen oder in einer Katastrophe enden.
Spielerisch setzt Love: Fall in Death auf das bekannte FMV-Prinzip. Statt einer vollständig animierten Spielwelt bekommst du echte Schauspieler und filmisch inszenierte Szenen präsentiert, in deren Verlauf du immer wieder selbst eingreifen kannst. Deine Entscheidungen bestimmen, wie sich die Geschichte entwickelt, welche Begegnungen stattfinden und welche Konsequenzen Kutays Verhalten nach sich zieht. Dabei stehen dir mehr als 150 Entscheidungen zur Verfügung, die teilweise erhebliche Auswirkungen auf den weiteren Verlauf haben. Mal musst du dich für eine passende Antwort entscheiden, mal gilt es, in einer unangenehmen Situation die richtigen Worte zu finden. Gerade die Dialogentscheidungen sorgen dabei für einige unterhaltsame Momente, denn nicht jede Antwort führt zwangsläufig zum gewünschten Ergebnis. Manchmal ist es sogar besonders amüsant, wenn ein eigentlich gut gemeinter Versuch völlig nach hinten losgeht.
Eine Besonderheit ist das integrierte Würfelsystem, das bei wichtigen Situationen zum Einsatz kommt. Hier entscheidet nicht ausschließlich deine gewählte Antwort über den Ausgang einer Begegnung, sondern auch eine Portion Glück. Dadurch lassen sich bestimmte Ereignisse nicht vollständig kontrollieren, was für zusätzliche Überraschungen sorgt. Ergänzt wird das Ganze durch verschiedene Charaktereigenschaften, die du zu Beginn anpassen kannst. So lassen sich unterschiedliche Herangehensweisen ausprobieren, während ein Liebesbarometer die emotionale Entwicklung zwischen Kutay und Ayşil widerspiegelt. Auch Quick-Time-Events gehören zum Spielgeschehen. Besonders bei actionreicheren Szenen musst du rechtzeitig reagieren, um bestimmte Situationen erfolgreich zu überstehen. Das sorgt für etwas Abwechslung zwischen den zahlreichen Dialogen und Filmsequenzen, ohne das grundsätzliche Konzept eines interaktiven Films zu verlassen.
Interessant ist vor allem die verzweigte Erzählstruktur. Love: Fall in Death möchte dich dazu animieren, verschiedene Entscheidungen auszuprobieren und alternative Handlungsverläufe kennenzulernen. Eine Übersichtskarte dokumentiert dabei die bereits eingeschlagenen Wege und hilft dir, bislang unentdeckte Möglichkeiten aufzuspüren. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Wiederspielwert, denn längst nicht jede Entscheidung führt zum gleichen Ergebnis. Unterschiedliche Enden und alternative Szenen laden dazu ein, die Geschichte mehrfach zu erleben. Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche des Spiels: Nicht jeder Handlungsstrang ist gleichermaßen überzeugend ausgearbeitet. Einige Wendungen wirken etwas überstürzt, und manche Ereignisse hätten durchaus mehr erzählerischen Raum verdient. Auch die Würfelmechanik kann gelegentlich etwas unübersichtlich wirken, wenn nicht immer nachvollziehbar ist, wie stark sie den Ausgang einer Situation beeinflusst.
Optisch präsentiert sich das Abenteuer mit echten Schauspielern und einer filmischen Inszenierung, die in 2K-Auflösung umgesetzt wurde. Die Aufnahmen in Istanbul verleihen dem Geschehen einen eigenen Charakter, während die Darsteller mit teilweise bewusst übertriebenen Reaktionen den ungewöhnlichen Tonfall der Geschichte unterstreichen. Gerade diese Mischung aus romantischer Komödie und billigem Horrorfilm ist ein wesentlicher Bestandteil des Charmes. Man sollte allerdings keinen ernsthaften Horror-Thriller erwarten. Vielmehr lebt das Spiel von seinen absurden Situationen, überraschenden Wendungen und dem gelegentlich herrlich überdrehten Schauspiel. Die musikalische Untermalung unterstützt die unterschiedlichen Stimmungen und begleitet den Wechsel zwischen humorvollen, romantischen und bedrohlichen Momenten passend. Bei der Sprachausgabe empfiehlt es sich, die türkischen Originalstimmen mit Untertiteln zu verwenden, da die Synchronfassungen teilweise nicht vollständig mit den Lippenbewegungen der Darsteller übereinstimmen.
Auf der PlayStation 5 funktioniert die grundsätzliche Steuerung unkompliziert. Die Interaktion beschränkt sich überwiegend auf die Auswahl von Dialogoptionen und das rechtzeitige Reagieren bei bestimmten Ereignissen. Wer eine klassische Action- oder Adventure-Steuerung erwartet, wird hier allerdings nicht fündig. Auch die eigentliche Spielzeit fällt mit ungefähr anderthalb bis dreieinhalb Stunden für einen einzelnen Durchgang vergleichsweise überschaubar aus. Die verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten und alternativen Handlungsverläufe sorgen jedoch dafür, dass man durchaus Lust bekommt, weitere Varianten auszuprobieren.
Fazit:
Love: Fall in Death ist ein ungewöhnliches FMV-Abenteuer, das mit einer Mischung aus romantischer Komödie, schwarzem Humor und übernatürlichem Horror für eine unterhaltsame Abwechslung sorgt. Die Geschichte rund um Kutay und Ayşil bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Verlauf der Ereignisse selbst zu beeinflussen. Besonders die vielen Entscheidungen, das Würfelsystem und die unterschiedlichen Handlungsverläufe motivieren dazu, verschiedene Wege auszuprobieren. Die filmische Präsentation mit echten Schauspielern passt hervorragend zum Konzept, während die bewusst überzeichneten Darstellungen dem Spiel einen charmanten B-Movie-Charakter verleihen. Allerdings können nicht alle Wendungen überzeugen, und manche Handlungsstränge hätten etwas mehr Feinschliff vertragen. Auch die Spielzeit ist überschaubar. Wer jedoch interaktive Filme mag und gerne selbst bestimmt, wie sich eine Geschichte entwickelt, bekommt hier ein kurzweiliges Abenteuer mit einigen überraschenden Momenten. Love: Fall in Death ist sicherlich kein gewöhnliches Liebesabenteuer, aber gerade seine ungewöhnliche Mischung macht den Reiz aus.