Die Krimireihe „München Mord“ gehört längst zu den festen Größen im deutschen Fernsehkrimi. Mit ihren eigenwilligen Ermittlern, ungewöhnlichen Fällen und einer gehörigen Portion trockenem Humor hebt sich die Reihe angenehm von zahlreichen klassischen Krimiformaten ab. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Kommissare, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deshalb ein so unterhaltsames Team bilden. Mit „Die Stadt, die es nicht gibt“ erwartet die Zuschauer ein weiterer Fall für Flierl, Neuhauser und Schaller, der die Ermittler auf eine Reise in die Vergangenheit schickt und dabei erneut menschliche Abgründe hinter einer zunächst rätselhaften Mordgeschichte aufdeckt. Die DVD-Veröffentlichung von One Gate Media bietet zudem einen besonderen Anlass, denn es handelt sich um den vorletzten Fall mit dem beliebten Schauspieler Alexander Held als Kommissar Ludwig Schaller.
Ausgangspunkt der Ermittlungen ist der Tod der jungen Nora, die nach einer Party unter dem Motto der 80er-Jahre tot aufgefunden wird. Entdeckt wird die Leiche von Thekla Weingärtner, Noras Wahlmutter, die mit dem schrecklichen Verlust konfrontiert wird. Für die Münchner Mordkommission beginnt damit ein Fall, der zunächst zahlreiche Fragen aufwirft. Was ist in der Nacht tatsächlich geschehen? Wer hatte ein Motiv, der jungen Frau etwas anzutun? Und welche Rolle spielen die Menschen aus ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld?
Schnell gerät Boris, Noras enttäuschter Geschäftspartner, ins Visier der Ermittler. Gemeinsam mit Nora hatte er an einem Start-up gearbeitet, doch offenbar war das Verhältnis zwischen den beiden zuletzt alles andere als harmonisch. Boris zeigt sich durchaus als potenzieller Täter, kann sich aber auch nicht eindeutig zu den Ereignissen äußern. Für Flierl und Neuhauser reicht das allerdings nicht aus, um ihn tatsächlich als Mörder zu überführen. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn brauchbare Zeugen sind rar und die Aussagen der Beteiligten werfen immer wieder neue Fragen auf. So müssen sich die Kommissare durch ein Geflecht aus persönlichen Konflikten, enttäuschten Erwartungen und möglichen Geheimnissen arbeiten, während sich die Wahrheit nur langsam offenbart.
Wie gewohnt bilden die unterschiedlichen Charaktere des Ermittlerteams einen wesentlichen Bestandteil des Unterhaltungswertes. Angelika Flierl beschäftigt sich zwischenzeitlich mit einer durchaus existenziellen Frage: Treffen wir bei der Partnersuche über Dating-Apps eigentlich immer die falschen Menschen? Doch bevor sie sich intensiver mit den Tücken der modernen Partnersuche auseinandersetzen kann, fordert der aktuelle Mordfall ihre volle Aufmerksamkeit. Harald Neuhauser bringt wie gewohnt seine eigene Sichtweise in die Ermittlungen ein, während Ludwig Schaller mit seiner besonderen Art und seinen gelegentlich eigenwilligen Schlussfolgerungen für einige unterhaltsame Momente sorgt. Gerade das Zusammenspiel der drei Ermittler macht den besonderen Charme der Reihe aus. Ihre unterschiedlichen Herangehensweisen führen regelmäßig zu Reibereien, aber auch zu überraschenden Erkenntnissen.
Eine zusätzliche Veränderung gibt es innerhalb der Münchner Polizeihierarchie. Während Flierl, Neuhauser und Schaller noch versuchen herauszufinden, was es mit der neuen Kriminaloberrätin Dr. Linda Hösl auf sich hat, müssen sie sich bereits mit deren Anwesenheit arrangieren. Gespielt wird die neue Vorgesetzte von der Kabarettistin Eva Karl Faltermeier, die damit eine interessante Ergänzung für das Ensemble darstellt. Ihre Figur bringt frischen Wind in die gewohnte Konstellation und sorgt dafür, dass sich auch innerhalb des Ermittlerteams neue Dynamiken entwickeln. Gerade im Zusammenspiel mit den drei eigenwilligen Kommissaren ergeben sich daraus einige unterhaltsame Situationen.
Die Geschichte selbst verbindet einen klassischen Mordfall mit gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Themen. Die 80er-Jahre-Party bildet dabei nicht nur einen nostalgischen Hintergrund, sondern führt auch zu interessanten Fragen rund um die Vergangenheit und die Beziehungen der beteiligten Personen. Gleichzeitig bleibt die Handlung angenehm undurchsichtig. Die Verdächtigen sind nicht immer leicht einzuschätzen, und die Ermittler müssen sich mit Aussagen auseinandersetzen, die längst nicht alle glaubwürdig erscheinen. Das sorgt für eine solide Krimispannung, wobei die Serie ihren gewohnten Schwerpunkt weiterhin auf die Figuren und deren Eigenheiten legt. Wer einen besonders actionreichen Thriller erwartet, sollte deshalb keine spektakulären Verfolgungsjagden oder übermäßig dramatische Wendungen erwarten. „München Mord“ funktioniert vielmehr durch seine Dialoge, die skurrilen Situationen und den trockenen Humor, der auch in einem Mordfall nicht zu kurz kommt.
Besonders bemerkenswert ist der Blick auf Alexander Held, der als Ludwig Schaller zu den prägenden Gesichtern der Reihe gehört. Mit seiner unverwechselbaren Darstellung hat er der Figur über viele Jahre hinweg einen ganz eigenen Charakter verliehen. Schaller ist kein gewöhnlicher Ermittler, sondern ein Mann mit einer ganz speziellen Sicht auf die Welt, dessen manchmal kauzige Art immer wieder für besondere Momente sorgt. Dass es sich hier um einen der letzten Fälle mit Alexander Held handelt, verleiht der Veröffentlichung eine zusätzliche emotionale Note. Gleichzeitig bietet Eva Karl Faltermeier als Dr. Linda Hösl einen Ausblick auf neue Entwicklungen innerhalb der Reihe.
Die DVD-Veröffentlichung von One Gate Media ermöglicht es, den Kriminalfall unabhängig von der Fernsehausstrahlung anzuschauen. Die technische Präsentation konzentriert sich auf die eigentliche Episode und bringt die vertraute Atmosphäre der Reihe ins heimische Wohnzimmer. Gerade für langjährige Fans ist der Fall eine willkommene Ergänzung der eigenen Sammlung.
Fazit:
„München Mord: Die Stadt, die es nicht gibt“ liefert einen unterhaltsamen Kriminalfall, der die bewährten Stärken der Reihe geschickt miteinander verbindet. Ein mysteriöser Todesfall, zahlreiche offene Fragen und ein überschaubarer Kreis möglicher Verdächtiger sorgen für eine solide Krimihandlung, während das Zusammenspiel von Flierl, Neuhauser und Schaller erneut den eigentlichen Unterhaltungswert ausmacht. Mit Eva Karl Faltermeier als neuer Kriminaloberrätin Dr. Linda Hösl erhält das Ensemble zudem eine interessante Ergänzung. Besonders für Fans von Alexander Held ist diese Episode ein besonderer Beitrag, da sie zu seinen vorletzten Auftritten als Ludwig Schaller gehört. Wer die Mischung aus klassischer Ermittlungsarbeit, trockenem Humor und eigenwilligen Charakteren schätzt, bekommt mit „Die Stadt, die es nicht gibt“ einen sehenswerten weiteren Fall der beliebten Münchner Krimireihe.