Das antike Rom war eine Welt voller Macht, Intrigen und blutiger Unterhaltung. Besonders die Gladiatorenkämpfe in den großen Arenen zogen die Massen in ihren Bann. Doch während die Kämpfer im Sand um ihr Leben kämpften, standen hinter den spektakulären Duellen einflussreiche Männer, die ihre Gladiatorenschulen verwalteten, Nachwuchs rekrutierten und ihre Schützlinge auf die bevorstehenden Kämpfe vorbereiteten. Genau in diese Rolle schlüpft man in Dominus Gladiatus von Brain Seal Ltd. Die Mischung aus Managementsimulation, Strategie und automatisierten Arenakämpfen versetzt uns ins antike Rom, wo es darum geht, die eigene Gladiatorenschule zum Ruhm zu führen und sich gegen konkurrierende Herrscher durchzusetzen.
Zu Beginn steht zunächst eine wichtige Entscheidung an: Welchen Dominus möchte man verkörpern? Insgesamt stehen sechs unterschiedliche Anführer zur Auswahl, die jeweils eigene Vorteile und Eigenschaften mitbringen. Anschließend beginnt der Aufbau der eigenen Gladiatorenschule, dem sogenannten Ludus. Das übergeordnete Ziel ist klar definiert: Innerhalb einer Meisterschaftssaison müssen die rivalisierenden Schulen besiegt werden, bis man sich schließlich im großen Finale behaupten kann. Dabei stehen einem ungefähr 160 Spieltage zur Verfügung, in denen jede Entscheidung wohlüberlegt sein sollte.
Das Herzstück des Spiels ist die Verwaltung der eigenen Gladiatorenschule. Auf den Sklavenmärkten Roms lassen sich neue Kämpfer erwerben, die zunächst oftmals noch weit von einem echten Arenachampion entfernt sind. Hier liegt es am Spieler, Talente zu entdecken und aus unerfahrenen Rekruten kampfstarke Gladiatoren zu formen. Dafür stehen unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen sich die Fähigkeiten und Attribute der Kämpfer gezielt verbessern lassen. Je nach Bedarf kann man bestimmte Eigenschaften fördern und seine Schützlinge auf unterschiedliche Kampfstile vorbereiten. Auch die passende Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle. Waffen und Rüstungen können verbessert oder ausgetauscht werden, um den eigenen Kämpfern einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.
Allerdings reicht es nicht aus, seine Gladiatoren einfach nur möglichst intensiv zu trainieren. Wer seine Schützlinge ständig in die Arena schickt, muss mit Erschöpfung, Verletzungen und sinkender Moral rechnen. Deshalb ist eine vernünftige Planung gefragt. Zwischen den Kämpfen müssen sich die Gladiatoren erholen, während man gleichzeitig darauf achten sollte, dass ihre Motivation erhalten bleibt. Auch die Erweiterung der eigenen Schule gehört zu den wichtigen Aufgaben. Neue Einrichtungen, zusätzliche Trainingsmöglichkeiten und angestelltes Personal helfen dabei, den Betrieb effizienter zu gestalten und langfristig erfolgreich zu sein. So entwickelt sich aus einer zunächst überschaubaren Gladiatorenschule nach und nach eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die anderen Domini.
Besonders interessant ist das Kampfsystem, das allerdings anders funktioniert, als man es bei einem Gladiatorenspiel vielleicht erwarten würde. Statt selbst die Kontrolle über die Kämpfer zu übernehmen und jeden Schwerthieb oder Ausweichschritt zu bestimmen, setzt Dominus Gladiatus auf sogenannte Auto-Battles. Die Kämpfe laufen selbstständig ab, während man als Zuschauer beobachten kann, ob die zuvor getroffenen Entscheidungen tatsächlich zum gewünschten Erfolg führen. Ob ein Gladiator als Sieger aus der Arena hervorgeht, hängt maßgeblich von seinen trainierten Fähigkeiten, seiner Ausrüstung und der gewählten Aufstellung ab. Neben klassischen Duellen zwischen zwei Kämpfern gibt es auch größere Teamkämpfe und Auseinandersetzungen mit wilden Tieren. Dadurch kommt durchaus Abwechslung in die Arenagefechte, auch wenn man selbst nicht aktiv ins Kampfgeschehen eingreifen kann.
Gerade dieser Ansatz macht den strategischen Reiz aus. Man muss seine Kämpfer sorgfältig vorbereiten, die Stärken und Schwächen der Gegner berücksichtigen und entscheiden, welcher Gladiator für welchen Kampf am besten geeignet ist. Ein schlecht vorbereiteter Kämpfer kann schnell sein Leben verlieren, wodurch nicht nur ein wertvolles Mitglied der eigenen Schule verloren geht, sondern auch die langfristige Planung durcheinandergeraten kann. Hinzu kommt die Gunst des Publikums, die ebenfalls eine Rolle spielt und den Ausgang beziehungsweise das Schicksal der Gladiatoren beeinflussen kann. Schließlich wollen die Zuschauer unterhalten werden, und ein Dominus, der die Menge auf seiner Seite hat, besitzt einen nicht zu unterschätzenden Vorteil.
Auch die Konkurrenz schläft nicht. Die fünf gegnerischen Domini verfolgen ihre eigenen Ziele und verfügen über Gladiatorenschulen, die ebenfalls immer stärker werden. Es gilt daher, die eigenen Ressourcen sinnvoll einzusetzen, rechtzeitig neue Kämpfer zu verpflichten und die Einrichtungen auszubauen. Die wirtschaftliche Seite sollte man dabei keinesfalls unterschätzen, denn ohne ausreichende finanzielle Mittel lassen sich weder neue Gladiatoren noch bessere Ausrüstung oder Erweiterungen finanzieren. Siege in der Arena bringen dringend benötigtes Geld ein, das wiederum in die eigene Schule investiert werden kann. So entsteht ein grundsätzlich motivierender Kreislauf aus Rekrutierung, Training, Ausrüstung, Kämpfen und Ausbau.
Optisch präsentiert sich Dominus Gladiatus mit einem charmanten, handgezeichneten Grafikstil. Die Figuren und Umgebungen wirken bewusst stilisiert und erinnern mit ihren unregelmäßigen Konturen und der malerischen Gestaltung an Illustrationen aus vergangenen Zeiten. Die Arenakämpfe werden in einer seitlichen 2D-Perspektive dargestellt. Dabei steht weniger eine möglichst realistische Inszenierung im Vordergrund, sondern vielmehr eine übersichtliche und passende Präsentation des Geschehens. Technisch macht das Spiel auf der PlayStation 5 einen ordentlichen Eindruck. Die Darstellung läuft flüssig und auch die Bedienung geht nach einer gewissen Eingewöhnung gut von der Hand. Allerdings sollte man keine aufwendige Präsentation erwarten, die die technischen Möglichkeiten der aktuellen Konsolengeneration ausreizt. Auch akustisch bleibt die Inszenierung eher zweckmäßig, erfüllt aber ihren Zweck und unterstützt die Atmosphäre des antiken Roms.
Eine kleine Schwäche zeigt sich allerdings im Spielverlauf. Während die ersten Stunden durch den Aufbau der Schule, das Entdecken neuer Möglichkeiten und die ersten erfolgreichen Arenakämpfe durchaus motivieren, werden die Abläufe mit zunehmender Spielzeit vorhersehbarer. Hat man erst einmal einige leistungsstarke Gladiatoren aufgebaut und die wichtigsten Verbesserungen freigeschaltet, verliert das Management stellenweise an Herausforderung. Auch die automatisierten Kämpfe können auf Dauer etwas eintönig werden, da man lediglich die Vorbereitung übernimmt und anschließend zuschaut. Wer sich ein aktives Kampfsystem mit direkter Steuerung der Gladiatoren erhofft, wird daher enttäuscht sein. Hier hätte etwas mehr spielerische Abwechslung dem Titel sicherlich gutgetan.
Fazit:
Dominus Gladiatus bietet eine interessante Mischung aus Gladiatoren-Management und strategischen Auto-Battles, die vor allem durch ihr ungewöhnliches Szenario und den motivierenden Aufbau der eigenen Kampfschule überzeugen kann. Es macht durchaus Spaß, neue Talente auf dem Sklavenmarkt aufzuspüren, sie zu trainieren, mit geeigneter Ausrüstung auszustatten und anschließend in die Arena zu schicken. Besonders die Verwaltung von Moral, Erschöpfung und Verletzungen sorgt dafür, dass man sich intensiver mit seinen Kämpfern beschäftigen muss. Allerdings gehen dem Spiel nach einigen Stunden etwas die Ideen aus. Die Kämpfe laufen ausschließlich automatisch ab und auch die Managementmöglichkeiten bieten langfristig nicht ganz so viel Tiefgang, wie man zunächst vermuten könnte. Trotzdem ist Dominus Gladiatus eine unterhaltsame Abwechslung für alle, die sich für das antike Rom, Gladiatoren und Managementsimulationen begeistern können. Wer mit dem Auto-Battle-Prinzip etwas anfangen kann und keine aufwendige Action erwartet, bekommt auf der PS5 einen durchaus spaßigen Ausflug in die blutigen Arenen Roms.